Vom Massenproduzenten zum Mode-Dienstleister
Steilmann wandelt sich

Sie lebte unter Indianern und war Managerin beim Fußballverein Wattenscheid 09. Als gelernte Mode-Designerin entwarf sie die erste Öko-Kollektion überhaupt unter der Marke "Its one world". Mit 25 Jahren wurde sie zur "Öko-Managerin des Jahres" gewählt.

dpa/HB WATTENSCHEID. Sie ist mit 36 Jahren Deutschlands jüngste Konzern-Chefin. Seit einem Jahr hält sie das Ruder bei dem von ihrem Vater Klaus gegründeten Bekleidungsunternehmen fester denn je in der Hand: Britta Steilmann, stil- und tonangebend bei der Klaus Steilmann GmbH & Co. KG mitten im Revier.

Vor einem Jahr stieg die Tochter nach einem zweijährigen Intermezzo mit eigener Beratungsfirma wieder in das väterliche Unternehmen ein. Damals löste sie den glücklosen Joachim Vogt als ersten familienfremden Chef in der Geschichte des 1958 gegründeten Unternehmens ab. Seitdem weht ein anderer Wind in der Wattenscheider Konzernzentrale. "Restrukturierung" hieß das Zauberwort. "Neu" war fortan das meistgebrauchte Adjektiv auf den Fluren der Modeschmiede, die zu den Branchenführern in Europa zählt.

Es galt, altmodische Produktions- und Vertriebskonzepte loszuwerden, mit denen die Gruppe wohl wenig Chancen in einer veränderten Konsumlandschaft gehabt hätte. Mit einer neuen Führungsmannschaft und neuen Konzepten nahm Britta Steilmann die Laufstege in Angriff. "Wir bauten ein neues Team", erzählt sie. Aus einem auf große Stückzahlen ausgerichteten Fertigungsunternehmen sollte ein flexibler Mode-Dienstleister werden. Auf die ersten Erfolge nach dem Führungs- und Strategiewechsel kann die engagierte Managerin jetzt zurückblicken: Zwar ist der Umsatz im ersten Halbjahr zurückgegangen, doch die Gewinne sind gestiegen. "Wir verlieren Umsatz, aber wir verdienen Geld." So bekannt die Modemanagerin auch ist - die Produktnamen geben eher selten einen Hinweis auf die Herkunft aus dem Steilmannschen Mode-Imperium. Denn das Unternehmen erwirtschaftet rund 70 Prozent seines Umsatzes von zuletzt 559 Millionen Euro (2001) im Bereich der so genannten Private Labels. Die von Steilmann entworfene, produzierte und vertriebene Kleidung für Damen und Herren trägt dabei den vom Auftraggeber gewünschten Markennamen.

Unter den Kunden sind alle Großen der Einzelhandelsbranche vertreten wie Karstadt, Kaufhof, C&A oder Sinn-Leffers. Den Rest verkauft die Steilmann-Gruppe unter eigenen Markennamen mit klar definierten Zielgruppen wie beispielsweise "Stones", "emozioni" und natürlich "Steilmann" - in Deutschland jedoch anders als in Frankreich und Rumänien nicht in eigenen Läden. Rund 44 Prozent seiner Waren verkauft der Konzern inzwischen im Ausland.

Steilmann will seinen Kunden künftig alles aus einer Hand anbieten: Nicht nur die Mode selbst, sondern auch die Präsentation im Laden, die Kostenkalkulation und das jeweilige Verkaufskonzept. So will das Traditionsunternehmen zum Dienstleister werden. Auf der Modemesse CPD in Düsseldorf stellte das Unternehmen als größter Aussteller kürzlich seinen Kunden unter anderem das Markenkonzept für die erste "Steilmann"-Kollektion vor. In der Herbst/Wintersaison 2003 kommt sie in die Fachgeschäfte. "Im Mittelpunkt des Konzeptes steht die Steilmann-Kundin als typische Konsumentin", erläutert die Managerin. "Sie ist zwischen 35 und 55, verfügt über ein mittleres Einkommen und pflegt einen konventionellen Lebensstil.

Sie weiß, was ihr steht, und sie weiß, was sie im Schrank hat." Mehr als 12 800 Menschen sind bei Steilmann in Lohn und Brot, davon rund 2100 in Deutschland. Produziert wird das meiste allerdings dort, wo die Löhne niedrig sind: in Rumänien. Insgesamt lässt Steilmann noch zu 30 Prozent in eigenen Betrieben fertigen, den Rest in fremden Betrieben, jedoch nach Steilmann-Standards.

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