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Vom Paria zum Partner - Unternehmen hoffen auf Libyen-Geschäfte

Libyen ist wieder salonfähig. Nachdem sich Revolutionsführer Muammar el Gaddafi dem Kampf gegen den Terror angeschlossen und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen abgeschworen hat, machen ihm westliche Staatschefs die Aufwartung.

dpa-afx FRANKFURT. Libyen ist wieder salonfähig. Nachdem sich Revolutionsführer Muammar el Gaddafi dem Kampf gegen den Terror angeschlossen und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen abgeschworen hat, machen ihm westliche Staatschefs die Aufwartung. Im März besuchte Großbritanniens Premier Tony Blair das lange isolierte nordafrikanische Land, an diesem Freitag reist Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach Libyen. Das Land ist jedoch nicht nur politisch von Bedeutung als neuer Partner in einer krisenreichen Region und im Kampf gegen illegale Einwanderung, sondern auch wirtschaftlich attraktiv.

Im Tross des Kanzlers reisen nach Angaben des Bundespresseamtes hochrangige Vertreter von rund 20 deutschen Unternehmen mit, angefangen von der Commerzbank über Siemens , MAN , Linde und die Basf-Tochter Wintershall bis hin zu den Baukonzernen Hochtief und Bilfinger Berger . Die Commerzbank und Wintershall entsenden sogar ihre Vorstandschefs Klaus-Peter Müller und Reinier Zwitserloot.

Hoher Investitionsbedarf - Gute Chancen FÜR Deutsche Unternehmen

Die Handelssanktionen gegen Libyen wurden gelockert. Das Land habe nun Nachhol- und Investitionbedarf auf vielen Gebieten, sagt Walter Englert, Experte für die Region beim Afrika-Verein in Hamburg, in dem rund 500 Unternehmen organisiert sind. Dazu zählten vor allem Infrastruktur, Gesundheitswesen, Telekommunikation, Luftfahrt, Energie- und Wasserversorgung.

Morgenluft wittert auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (Vdma). Das Land, das in den 70er und 80er Jahren zu den fünf wichtigsten Kunden der Branche gezählt habe, rücke wieder in den Blickpunkt, teilte der Verband in dieser Woche mit. Als Bonus könne sich erweisen, "dass die Branche auch in schwierigen Zeiten vor Ort präsent war". "Die deutsch-libyschen Wirtschaftsbeziehungen waren die Jahre über immer gut. Wir rechnen uns deshalb auch für die Zukunft gute Chancen aus", sagt auch Experte Englert.

Reiche ÖL- und Gasvorkommen - Gedränge UM Explorationslizenzen

Hauptattraktion des Landes sind aber seine reichen Öl- und Gasvorkommen. Seit der Öffnung Libyens drängen westliche Ölkonzerne und Zulieferfirmen in das nordafrikanische Land. Rund 70 Prozent des Landes gelten als noch nicht auf Öl- und Gasvorkommen erforscht. Die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) in Köln rechnet deshalb in den kommenden Jahren mit einem "Boom im alles dominierenden Öl- und Gassektor". Die notwendigen Investitionen werden bis 2010 auf rund 30 Mrd. Dollar beziffert. Neben den Amerikanern und großen europäischen Konzernen wie ENI (Italien) und Repsol (Spanien) dürften auch deutsche Unternehmen von dieser Entwicklung profitieren, heißt es in einem bfai-Bericht.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes belief sich im vergangenen Jahr die Summe sämtlicher Importe aus Lybien nach Deutschland auf 1,82 Mrd Euro, 1,77 Mrd. Euro davon entfielen auf Öl und Gas. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es bereits 1,4 Mrd. Euro. Im Gegenzug lieferte Deutschland 2003 hauptsächlich Lebensmittel, Autos, Eisen- und Stahlerzeugnisse sowie Maschinen nach Nordafrika - im Gesamtwert von etwa 525 Mill. Euro.

Viele Deutsche Firmen Bereits Seit Jahren Aktiv

Viele deutsche Firmen sind bereits seit Jahren in Libyen aktiv. Die Kasseler Wintershall AG beispielsweise sucht und fördert seit Ende der 50er Jahre Öl in Libyen. Aktuell bewerbe sich das Unternehmen mit einem ausländischen Partner um 15 Explorationslizenzen für die Suche nach neuen Ölfeldern in Libyen, sagt Sprecher Stefan Leunig. Die Entscheidung darüber solle Anfang nächsten Jahres fallen. Neben Wintershall sucht auch die Hamburger RWE-DEA AG in Libyen nach Öl.

Die MAN Ferrostaal - vertreten durch Vorstandschef Matthias Mitscherlich - unterhalte schon seit vielen Jahren geschäftliche Beziehungen zu Libyen, sagt Sprecher Frank Hoffmann. Aktiv sei MAN Ferrostaal dort vor allem in den bereichen Öl, Gas und Wasserwirtschaft. Von der Öffnung des Landes erhoffe sich das Unternehmen eine Vereinfachung und Vertiefung der Zusammenarbeit. "Wobei wir natürlich auch damit rechnen müssen, dass die Konkurrenz größer wird. Aber da hoffen wir auf Schützenhilfe vom Bundeskanzler."

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