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Vom Paulus zum Saulus

Seit neuestem taucht der Name Klaus Eierhoff immer dann auf, wenn ein Web-Kaufhaus spektakulär die Notbremse zieht.

Klaus Eierhoff, Vorstand beim Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann, wandelt sich vom Paulus zum Saulus des deutschen Internethandels. Vor fünf Jahren noch galt der 49-jährige Ex-Nixdorf-Manager mit gutem Grund als Pionier des Einzelhandels übers Web: Deutschlands erstes Online-Kaufhauses "Myworld" öffnete unter seiner Ägide die virtuellen Pforten. Auftraggeber damals war der Essener Warenhauskonzern Karstadt, der Eierhoff in den Vorstand berufen hatte. Die Internet-Plattform, so die kühne Vision, sollte in neue Dimensionen vorstoßen und keineswegs nur ein elektronischer Abklatsch des Warenhaus-Sortiments sein. Neue Inhalte, neue Zielgruppen, neue Kooperationspartner und möglicherweise ein gewinnträchtiger Spinn-off über die Börse - all das schwebte dem Essener Konzernmanager vor.

Doch seit neuestem taucht der Name Eierhoff immer denn auf, wenn ein Web-Kaufhaus spektakulär die Notbremse zieht. Kaum hatte der Betriebswirt in Essen seine Koffer gepackt, knipste Karstadt seine "Myworld" aus. Ein solches Angebot, weitgehend unabhängig vom Warenhausgeschäft, hatte sich als nachhaltig erfolglos herausgestellt.

Ein solcher Flop soll Eierhoff nun kein zweites Mal passieren. Denn ähnlich wie "Myworld" produziert auch der Online-Händler seines aktuellen Arbeitgeber, der Web-Versandhändler Bol, kaum mehr als rote Zahlen. Und wie bei Karstadt fehlt dem Internet-Vertrieb eine strategische Anbindung ans Mutterhaus. Das alles soll sich nun ändern - womöglich radikaler, als es zunächst den Anschein hat. Bei der Eingliederung von Bol in die Bertelsmann-Buchclubs wird es nämlich kaum bleiben. Unter "www.der-club.de" haben die Gütersloher bereits ihre Produktpalette hinreichend ausgebreitete, der Unterschied zu Bol.com besteht allenfalls in den - günstigeren - Verkaufspreisen. Wieso also nicht einfach die Bol-Kunden auf die Club-Seiten verlinken und die angepriesenen Bücher und CDs mit zwei Preiskategorien versehen? Ganz nebenbei würde somit jedem Internetsurfer suggeriert, dass sich für ihn eine Clubmitgliedschaft allemal lohnt. Den notleidenden Buchclubs würde das sicherlich nicht schlecht bekommen.

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