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Vom Pionier zum gejagten Marktführer: VW 20 Jahre in China

Der Pionier von einst ist heute der Gejagte. Als erster europäischer Autobauer kam Volkswagen vor 20 Jahren nach China - im Oktober 1984 legten die Wolfsburger zusammen mit einem lokalen Partner in Schanghai den Grundstein für ihr erstes Werk im Reich der Mitte.

dpa-afx WOLFSBURG/SCHANGHAI. Der Pionier von einst ist heute der Gejagte. Als erster europäischer Autobauer kam Volkswagen vor 20 Jahren nach China - im Oktober 1984 legten die Wolfsburger zusammen mit einem lokalen Partner in Schanghai den Grundstein für ihr erstes Werk im Reich der Mitte. Lange Jahre war VW die unangefochtene Nummer eins in China. Doch Marktanteile von 50 Prozent und mehr sind längst Vergangenheit - die Konkurrenz hat mächtig aufgeholt.

Statt immer neuer Absatz-Rekorde hat die Konzernzentrale in Wolfsburg zuletzt deutlich bescheidenere Zahlen aus dem entfernten China zur Kenntnis nehmen müssen. Im ersten Halbjahr 2004 verzeichnete VW erstmals einen Rückgang bei der Zahl der verkauften Autos in China. Die Auslieferungen gingen um 4,2 Prozent auf 311 000 Fahrzeuge zurück. Der Marktanteil im für VW inzwischen wichtigsten ausländischen Absatzmarkt schrumpfte auf deutlich unter 30 Prozent.

Offiziell kein Grund zur Panik

Offiziell aber kein Grund zur Panik bei VW: dass der Marktanteil bei größer gewordener Konkurrenz zurückgehe, sei eine normale Entwicklung, sagt Ulrike Nieter, VW-Konzernsprecherin in China. Am Freitag (29.10.) soll in Schanghai zunächst einmal das 20-jährige Bestehen des Joint-Ventures Shanghai Volkswagen Automotive Company (SVW) gefeiert werden.

Wie eine Art "Mini-Wolfsburg" wirken die Werksanlagen der SVW heute am Rande der Wirtschafts- und Finanzmetropole Shanghai. Als erster europäischer Autobauer und einer der ersten internationalen überhaupt nahm Volkswagen in China eine Vorreiterrolle ein.

Nach jahrelangen Verhandlungen hatte Volkswagen im Oktober 1984 einen Vertrag zur Gründung des SVW unterzeichnet. Volkswagen hält daran 50 Prozent, die chinesischen Partner die anderen 50 Prozent. 1990 schloss VW dann ein weiteres Joint-Venture mit First Automobile Works (FAW-VW) in Changchun.

Verkaufsschlager

Das erste Auto, das VW in China baute, war der Santana. Das Modell entwickelte sich zum Verkaufsschlager. Abnehmer waren zunächst überwiegend Behörden und Taxi-Unternehmen - noch heute sind viele Taxifahrer etwa in Shanghai in einem Santana unterwegs.

Heute baut SVW mit 13 400 Beschäftigten unter anderem die Modelle Passat, Touran, Polo und Golf, FAW-VW mit rund 7 200 Beschäftigten die Fahrzeuge Golf, Bora, Jetta und Audi A6. Bis Ende 2003 sind nach VW - Angaben in Schanghai insgesamt rund 2,5 Mill. Autos produziert worden, in Changchun rund eine Million.

Zeiten Sind Schwieriger Geworden

Doch die Zeiten sind schwieriger geworden. Mittlerweile sind alle Branchengrößen in China vertreten, es tobt ein harter Preiskampf. Im Sommer hatte auch VW in China auf ähnliche Aktionen seiner Konkurrenten reagiert und die Preise gesenkt.

Volkswagen will seine Marktführerschaft im Reich der Mitte behaupten - allerdings unter dem Leitsatz: Marge geht vor Marktanteil, wie es in Unternehmenskreisen heißt. VW hat bereits vor längerem angekündigt, bis 2008 in China zusammen mit seinen lokalen Partnern 5,3 Mrd. Euro zu investieren. Die Produktionskapazitäten sollen von derzeit 800 000 auf 1,6 Mill. Fahrzeuge verdoppelt werden. Geplant ist auch der Bau von zwei neuen Werken, in denen Fahrwerkskomponenten und Motoren gefertigt werden. Zudem will VW in China seine Modellpalette erweitern.

VW will in China auch künftig aber vor allem für den chinesischen Markt fertigen. "Die hier produzierten Autos brauchen wir hier", sagt VW-Sprecher Kai Grüber. Der Export von Polos aus China nach Australien solle die Ausnahme bleiben. Erhöhen will VW in China den Anteil der lokalen Zulieferer. Dieser ist bei den einzelnen Modellen höchst unterschiedlich und reicht von 40 Prozent bis 90 Prozent - je mehr direkt aus China zugeliefert wird, desto billiger sind aber die Produktionskosten.

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