Vom reinen Serverhersteller zum System- und Softwareanbieter
Sun nimmt Strategiewechsel vor

Serverhersteller Sun Microsystems - das war einmal. Das kalifornische High-Tech-Unternehmen will sich mehr und mehr als System- und Softwareanbieter positionieren.

SAN FRANCISCO. Auf die Ankündigung wartet die Branche mit Spannung: Am Mittwoch will Sun Microsystems seine neue Software-Initiative bekannt geben, die dem Serverherstelller auch eine gute Position im zukunftsträchtigen Feld der Web Services verschaffen soll.

Web Services sind Internet-Dienste der nächsten Generation, bei denen unterschiedliche Softwareanwendungen plattformunabhängig miteinander kommunizieren. Analysten hatten Sun zuvor dafür kritisiert, mit der Bekanntgabe einer Web-Services-Strategie im Vergleich zu den Konkurrenten Microsoft und IBM zu lange gewartet zu haben. "Sun versucht jetzt, Schritt für Schritt mit den Konkurrenten gleich zu ziehen und sich in den Köpfen der Kunden als Anbieter von Web-Services zu positionieren", sagt Daryl Plummer, Analyst bei der Marktforschungsgesellschaft Gartner Group.

Die Aufholjagd hat begonnen, und zwar mit aller Kraft. Der Clou bei Suns neuer Strategie: Die elementare Infrastruktur-Software, so genannte Application Server aus der Produktfamilie Sun One, ist kostenlos im Internet erhältlich; ein vergleichbares Sun-Produkt kostete zuvor rund 10 000 $. Damit will Sun eine weite Verbreitung seiner auf dem Software-Standard Java basierenden Software auch bei Kunden, die keine Großrechner mit dem Sun-Betriebssystem Solaris nutzen, garantieren. Die neue Infrastruktur-Software wird zudem in das Solaris-Betriebssystem integriert. Das Sun-Geschäftsmodell hat die Strategie des Rasiererherstellers Gillette zum Vorbild, der die Rasierer kostenlos abgibt und den Umsatz dann mit dem Verkauf von Klingen erwirtschaftet. "Ob Sun damit seinen Marktanteil erheblich erhöhen kann, bleibt fraglich", äußert sich Analyst Plummer skeptisch. "Aber durch seine Web-Service-Initiativen der vergangenen Monate hat Sun gezeigt, dass sie bei den Web-Services durchaus eine Führungsrolle übernehmen können."

Sun plant, den Kunden, die die kostenlose Software nutzen, später zusätzliche Software und Hardware zu verkaufen. "Die Infrastruktur-Software ist die Pfeilspitze, die uns Zugang zu den Kunden verschafft", sagt Wes Wasson, Vice President im Geschäftsbereich Software von Sun. "Wir haben unsere ganze Architektur um die Software herum gruppiert", ergänzt Marge Bryer, Vice President bei Sun One, der Marke, unter der alle Web-Services-Aktivitäten von Sun zusammen gefasst werden.

Die neue Software basiert auf dem Standard Java. Sie soll nach Angabe von Sun das Kernstück des nächsten Sun-Betriebssytems werden. Nach Berechnungen des Marktforschers Gartner Group ist Sun bei den auf der Programmiersprache Java beruhenden Application Servern mit einem Marktanteil von 9 % Nummer drei hinter IBM mit 31 % und dem Marktführer Bea Systems mit 34 %. Bei den auf Unix basierenden Betriebssystemen ist Sun mit einem Marktanteil von 64 % in den USA dagegen klarer Marktführer. Weltweit sind Sun und IBM in diesem Gebiet mit jeweils rund 27 % Marktanteil gleichauf.

Erst vor wenigen Wochen hat Sun eine neue Version des auf der Programmiersprache Unix beruhenden Betriebssystems Solaris vorgestellt, bei dem Infrastruktur-Software stärker integriert ist. Bisher hat Sun seine Software nur selten unabhängig von der Hardware verkauft. Die Hardware soll auch weiterhin ein wesentlicher Teil der Strategie bleiben: "Den Kunden ist es ja egal, ob sie für Software oder Hardware bezahlen, sie wollen eine gute Lösung", sagt Wasson. Er glaubt, dass die neue Strategie für die Konkurrenten Microsoft und IBM eine Herausforderung darstellt. Als nächste Schritte sollen Software zum sicheren Managen von digitaler Identität und Software für Zugangsstellen für Netzwerke, so genannte Portale, vorgestellt werden.

Quelle: Handelsblatt

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