Vom Röhren-Rundfunk zur Digitaltechnik
79 Jahre Internationale Funkausstellung

Vom Röhren-Rundfunk zum Miniformat dank digitaler Technik - die Geschichte der Internationalen Funkausstellung (IFA) ist auch ein Abbild der Historie der Unterhaltungselektronik. Was früher als wuchtiges Möbel daher kam und einige Monatseinkommen kostete, ist nun für jeden erschwinglich und in der Hosentasche tragbar. Während früher alle zwei Jahre Neuheiten einer staunenden Öffentlichkeit präsentiert wurden, ist heute die Schnelllebigkeit technischer Entwicklung kaum noch nachvollziehbar.

HB/dpa BERLIN. In deutschen Geschäften für Unterhaltungselektronik werden 24 400 Produkte angeboten, sagte kürzlich der Aufsichtsratsvorsitzende der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu), Rainer Hecker. "Diese Zahl kann ebenso nachdenklich machen wie die zweite." Denn jährlich bringe die Branche in Deutschland 5300 Neuheiten auf den Markt.

Die IFA, nach Angaben der Messe Berlin neben der Autoausstellung IAA die älteste deutsche Industriemesse, hat sich in den 79 Jahren ihrer Geschichte zum Milliarden-Markt und weltweiten Neuheiten-Termin entwickelt. Bei der ersten Auflage 1924 steckte die Rundfunk- Industrie noch in den Anfängen. Die "Große Deutsche Funkausstellung" war schlicht, es fehlten Glanz und Glamour. 242 Aussteller präsentierten Detektor-Geräte, Röhren-Rundfunkempfang und Kopfhörer. Die Faszination Technik lockte aber schon damals 180 000 Besucher an. 1933 nutzten die Nationalsozialisten die Messe zur Vorstellung des Einheitsradios. Für die Propaganda der Nazis spielte der so genannte Volksempfänger eine große Rolle. Von später 700 000 Volksempfängern aus schwarzem Bakelit wurden laut Chronik allein 100 000 in den ersten Messetagen verkauft. Mit den Anfängen des Rundfunks offenbarte sich aber auch ein noch heute aktuelles Problem - die Schwarzhöhrer. Weder die Androhung von Geldstrafen oder Geräteeinziehung konnten abschreckend wirken.

Die Messe war von Anfang an Bühne für besondere Anlässe. 1926 wurde das Berliner Wahrzeichen Funkturm der Bestimmung übergeben, und es gab die erste Live-Rundfunksendung vom Messegelände. 1930 eröffnete der Nobelpreisträger Albert Einstein die Messe, und 1967 startete Vizekanzler Willy Brandt mit einem symbolischen Knopfdruck das Farbfernsehen in Deutschland.

Ab 1950 ging die Funkausstellung auf Wanderschaft. Über die Stationen Düsseldorf, Frankfurt/Main und Stuttgart kam sie 1971 zurück nach Berlin. Seitdem firmiert sie als Internationale Messe. Und die IFA hatte sich als weltweiter Neuheiten-Termin etabliert. Damit konnten im Herbst einem internationalen Fachpublikum und Konsumenten neue Produkte werbewirksam präsentiert werden. Was auf der IFA vorgestellt wird, liegt häufig weltweit als Präsent unter dem Weihnachtsbaum, lautet die Erkenntnis.

Der Katalog der IFA-Neuheiten ist lang. Mit Transistoren war 1955 ein entscheidender Entwicklungssprung gelungen, mit der CD gab es deutliche Fortschritte bei der Musikwiedergabe, und die Einführung des Videorecorders eröffnete ganz neue Perspektiven. Die Funkausstellung 2003 wird den Trend zeigen, dass die klassische Bildröhre mittelfristig durch andere Technologien abgelöst wird, verspricht die Industrie. Allerdings werden derzeit noch 80 % der Fernseher in Deutschland als Röhrengeräte verkauft.

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