Vom Studium in die Selbstständigkeit
Technologietransfer – oder was Universitäten mit dem Internet anstellen

Auf der Cebit stellten auch Unternernehmer von Morgen aus, Studenten, die von ihren Projekten so überzeugt sind, dass sie bereits nach Partnern suchen. Einige sind schon sehr erfolgreich, alle sprühen vor Enthusiasmus.

HANNOVER. "Ja, wir planen die Gründung eines Unternehmens", sagt Stefanie Saier. Die junge Sozialwissenschaftlerin vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Berlin leitet das Projekt "Demotopia". "Mit unserem Verfahren der Website-Evaluation erfährt der Anbieter einer Internet-Präsenz, ob er seine Zielgruppe tatsächlich erreicht und wie zufrieden sie mit dem Angebot ist", erklärt sie die Idee hinter Demotopia.

Die Halle 16 der diesjährigen Cebit war eine echte Fundgrube für neue und ungewöhnliche Ideen. Unter der Überschrift "Technologietransfer" stellten mehr als 20 Universitäten und Fachhochschulen ihre Forschungsprojekte rund um das Internet vor. Das Angebot reichte von der onlinegestützten Optimierung eines Wertpapierdepots der Universitäten Darmstadt und Köln über die Simulation der neuen Powerline-Technik der Universität Dresden bis hin zur Online-Lebensberatung für Jugendliche der Fachochschule Merseburg.

Studentische Aussteller mit Gründergeist

Dabei sprühen die studentischen Cebit-Aussteller vor Gründergeist. Fast alle ziehen den stressigen Job eines Gründers dem Leben im Elfenbeinturm vor. Viele haben den Schritt zur Gründung schon getan. So wie Alexander Groh, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Finanzierung und Bankbetriebslehre der TU Darmstadt und gleichzeitig im Management der EDP Consulting GmbH. Die Firma hat sich auf Programme zur Finanzanalyse und Risikomanagement an den Kapitalmärkten spezialisiert. "Einige Modelle zur Risikoanalyse, wie das Markowitz-Modell zur Portfoloio-Optimierung sind bestens bewährt und eigentlich uralt", erklärt Groh, "nur im Internet sind sie noch nicht verfügbar." Das war für ihn Anreiz genug, sich der Aufgabe zu stellen, ein Modell für das Internet zu entwickeln.

Der "Silbersurfer" der Fachhochschule Potsdam hat eine ganz andere Zielgruppe im Visier. Unter der Leitung von Professor Rainer Funke und Christian Prechtl wurde ein Internet Forum entwickelt, dass den besonderen Bedürfnissen von älteren Menschen entspricht. "Diese Kommunikationsplattform soll den Senioren den Einstieg im Umgang mit den Neuen Medien erleichtern", sagt Prechtl.

So entwickelte die Studentengruppe Designvorschläge für ein WebPad50+. Auf dem Messestand war das Modell ausgestellt: Das Gerät hat große gelbe Tasten runde Formen und eigentlich nichts gemeinsam mit den coolen Handcomputern auf den Ständen von Casio und Compaq. "Die Angst vor einem falschen Tastendruck soll den älteren Menschen endlich genommen werden", beschreibt Prechtl den Entwurf.

Lebenshilfe im Internet

Eher am Anfang ihres Lebenslaufes stehen die Nutzer, die Ingo Günther auf sein Portal Lovespace ziehen will. Der Sozialpädagoge von der Fachhochschule Merseburg stellte auf der Cebit ein Projekt zur Sozialpädagogik im Internet vor. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, kann doch allein der Domainname www.lovespace.de schon zu Irritationen führen, denn auch die Assoziation mit einem Pornoanbieter drängt sich auf. "Wir haben den Namen für unser Portal bewusst gewählt, da wohl kaum ein Jugendlicher im Alter von 12-18 Jahren nach einem Begriff wie ´Sexualberatung` suchen wird," macht Günther die Absicht deutlich. Per E-Mail eingehende Fragen werden von den Studenten unter Aufsicht des ausgebildeter Soziologen und Psychologen des Fachbereiches analysiert und bearbeitet - Antwort garantiert. Als Partner stellt sich Günther Medienhäuser und Verlage vor, die die Beratung auf ihren Webseiten anbieten.

Keine Angst vor Powerline

Bereits vor der Cebit ist einigen der Aussteller der aus den Forschungslabors und den Seminarräumen in die reale Wirtschaft gelungen. Zu einfallsreich und ausgereift sind manche Ideen, als dass sie die Industrie ignorieren könnte. Am Lehrstuhl für Telekommunikation der TU Dresden wurde ein Programm entwickelt, dass in der Lage ist, die Leistungsfähigkeit von Internetverbindungen per Stromkabel zu simulieren und zu berechnen. Klar, dass bei dieser Software alle Stromversorger hellhörig werden, die sich mit der Powerline-Technik beschäftigen.

Die Oneline AG in Barleben kümmert sich um den Vertrieb des Programms und hat mit Eon bereits einen starken Hauptaktionär gefunden. Die Chancen stehen also gut, dass das Unternehmen im nächsten Jahr in einer der turbulenten anderen Hallen der Messe ausstellen kann. Demotopia hofft noch darauf. "Wir sind noch auf der Suche nach einem Partner oder nach ersten Kunden", sagt Stefanie Saier.

Die beschriebenen Projekte im Überblick - und noch einige dazu:

Website-Analyse
Demotopia

Performance Evaluation für Powerline-Systeme
Oneline AG

Portfolio-Optimierung
EDP Consulting

Wertpapieranalyse auf der Basis von Sprachsystemen
Aixplain

Projekte zum Leben im Alter
FH Potsdam Leben im Alter

Mobile Software-Agenten im Internet
Projekt an der Uni Jena

Lovespace
Information und Beratung rund um Liebe, Sexualität und Partnerschaft für Jugendliche

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%