Vom T-Mobile-Börsengang hängt viel ab
Experten vorsichtig optimistisch für IPO-Jahr 2002

Vorsichtig optimistisch äußern sich Investmentbanker derzeit bei Prognosen für die Chancen von Neuemissionen (IPOs) im kommenden Jahr, nachdem das Geschäft mit den Aktienplatzierungen 2001 deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Allerdings könnten geplante Großemissionen wie die der Telekom-Tochter T-Mobile die Aufmerksamkeit der wichtigen institutionellen Anlegern von den kleineren Börsengängen ablenken, sagten Experten. Dies könne dann problematisch werden, wenn sich Privatanleger erwartungsgemäß weniger als in den Vorjahren bei Neuemissionen engagierten.

Reuters FRANKFURT. "Viel wird davon abhängen, wie erfolgreich die ersten Börsengänge des Jahres sein werden", sagte ein Aktienhändler. Emissionsriesen wie T-Mobile könnten dabei den "Kleinen" das Leben schwer machen. Analysten rechnen damit, dass die Telekom-Tochter mit fünf bis zehn Milliarden Euro mehr als doppelt so viel Emissionsvolumen an den Markt bringen wird wie alle Börsengänge 2001 zusammen. Die Frage sei, ob die Milliarden, die derzeit in Geldmarktfonds geparkt seien, am Primärmarkt investiert würden, hieß es. Unter anderem wegen steuerlicher Erleichterungen beim Verkauf von Anteilen an Kapitalgesellschaften werde es zudem gerade um dieses Kapital große Konkurrenz geben.

Für Deutschland gehen die Experten für 2002 von 40 bis 50 Börsengängen und einem Emissionsvolumen von rund 20 bis 25 Milliarden Euro aus. In diesem Jahr waren es gerade mal 18 IPOs (Initial Public Offerings) bei einem Gegenwert der emittierten Aktien von 2,8 Milliarden Euro. Damit blieb 2001 nach den beiden vorangegangenen Rekordjahren deutlich hinter den Erwartungen zurück. In einer Reuters-Umfrage zu Jahresbeginn 2001 hatten Banker noch mit rund 100 Neuemissionen gerechnet.

Deutschland werde voraussichtlich rund 15 Prozent des auf 150 bis 175 Milliarden Euro geschätzten Emissionsvolumens in Europa auf sich vereinen und mit Frankreich und Großbritannien zu den drei wichtigsten Märkten gehören, schätzt Markus Zeitzen, Vize President Equity Capital Markets bei Schroder Salomon Smith Barney (SSSB). Gegenüber den Vorjahren werde dabei der Anteil der Privatanleger im Zeichnungsgeschäft voraussichtlich auf 25 bis 30 Prozent von 50 bis 60 Prozent zurückgehen. Außerdem sei von höheren Anforderungen an die Unternehmen von Seiten der Investoren auszugehen. Wichtig seien schwarze Zahlen wenigstens im Jahr des Börsengangs sowie die Qualität des Managements und weniger die Wahl des Börsensegmentes.

Der Neue Markt hat nach Ansicht der Banker trotz zuletzt negativer Schlagzeilen einiger dort gelisteter Unternehmen wieder gute Chancen auf die meisten Börsengänge. Das Signal für Qualität, dass die Börse mit den Ausschlussregeln für insolvente Firmen und Unternehmen mit einem sehr niedrigen Aktienkurs (Pennystocks) gegeben habe, werde zu einem besseren Image des Segmentes führen, sagte Lutz Weiler, Vorstandschef des auf klein- und mittelkapitalisierte Werte spezialisierten Emissionshauses Equinet. Er rechne mit insgesamt 40 Emissionen 2002 und betreue bereits zwei Mandanten, die in den Startlöchern stünden und auf ein besseres Marktumfeld warteten.

Experten erwarten wieder Zuwachs am Neuen Markt

Der Neue Markt wird sich nach den Prognosen der Experten 2002 wieder von seinem Nettoverlust an Mitgliedern in diesem Jahr erholen können. Nach einem Höchststand an gelisteten Unternehmen von 343 in diesem Jahr wird das Segment für Wachstumswerte bis Ende Dezember voraussichtlich 24 Unternehmen durch Fusionen, Aufkäufe und Ausschluss verlieren. Nur elf Gesellschaften waren 2001 neu hinzugekommen.

Bei 40 bis 50 IPOs und einem Volumen von maximal 25 Milliarden Euro, wie von den Experten erwartet, würde das Jahr 2002 aber bei der Anzahl weiter hinter den Boom-Jahren 1999 und 2000 zurückbleiben. 2000 wagten nach Daten der Deutschen Börse 152 Firmen mit einem Ausgabevolumen von 25,5 Milliarden Euro den Gang an die Börse, 1999 waren es 158 Gesellschaften mit 12,9 Milliarden Euro.

Während in Italien mit Juventus Turin derzeit ein weiterer Fußballverein an den Kapitalmarkt strebt, rechnen die befragten Banker nicht damit, dass Borussia Dortmund einen Nachahmer aus der 1. Fußballbundesliga finden wird. Dazu sei die Kursentwicklung der schwarz-gelben Aktie zu enttäuschend. Zuletzt notierte das Papier mit 5,21 Euro deutlich unter dem Ausgabepreis von 11,00 Euro.

Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien, deren Aktien 2001 relative Stärke zeigten, könnten 2002 dagegen bei den Börsengängen zu den Anlegerlieblingen gehören. Nachdem bereits eine Reihe von Windenergie- und Solarzellenspezialisten am Neuen Markt vertreten seien, werde mit weiteren Photovoltaik-Unternehmen im Segment gerechnet, sagte Hendrik Lier, zuständiger Branchenanalyst bei WestLB Panmure.

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