Vom Vater und Förderer zur Belastung für Sohn Thomas
Peter Haas: Leben auf der Überholspur

Während Thomas Haas mit dem Einzug ins Viertelfinale der Australian Open für sportliche Schlagzeilen sorgt, ist sein Vater und Förderer heute eher ein Fall für Klatsch-Kolumnisten.

Der Ferrari ist schnell, teuer und auffällig. Wer am Steuer dieses Wagens sitzt, lässt die Durchschnittsmenschen hinter sich. Er kann andere Fahrer in ihren Autos von der Bahn blinken und den Motor spielen lassen wie Muskeln. Macht ist gleich Geschwindigkeit mal Bizepsumfang mal Geld. Peter Haas ist einer der Männer, die an solche Formeln zu glauben scheinen.

Mal sitzt der 54 Jahre alte Tennislehrer auf der Terrasse des noblen Düsseldorfer Rochus-Tennisklubs - wie so oft mit nacktem, nussölig-braunem Oberkörper - und brüllt ins Telefon, dass er seinem Autohändler die Kiste bald wieder vor die Tür stellen werde, weil sie wieder einmal nur 280 statt der technisch möglichen 300 Kilometer pro Stunde gebracht habe. Mal wird er von einem polnischen Skoda-Fahrer verklagt, den er erst in seinem roten Rennauto riskant von der linken Spur gedrängt und dem er anschließend am Straßenrand auch noch Prügel angedroht hatte. Dann wieder kündigt er Journalisten Schläge an, falls sie noch einmal Schlechtes über ihn und seine Familie schreiben, so wie kürzlich, als seine E-Mail an den Präsidenten des Deutschen-Tennis-Bundes, Georg von Waldenfels, bekannt wurde.

Peter Haas ist der Vater von Thomas Haas. Der Mann, ohne den der derzeit beste deutsche Tennisspieler nicht das geworden wäre, was er ist. Bei den Australien Open in Melbourne hat der Junior gute Chancen, das erste Grand- Slam-Turnier seiner Karriere zu gewinnen. Am Montag rang er in einer packenden Achtelfinal-Begegnung nach Abwehr eines Matchballs den Schweizer Roger Federer mit 7:6 (7:3), 4:6, 3:6, 6:4, 8:6 nieder und zog als einziger Deutscher ins Viertelfinale ein. Dort trifft er am Mittwoch auf den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Marcelo Rios aus Chile.

In solchen Momenten des Erfolges dürfte Thomas Haas seinem Vater noch dankbar sein, obwohl das Verhältnis zwischen den beiden inzwischen etwas unterkühlt sein soll. Die International Management Group (IMG), die Thomas Haas vertritt, soll Peter Haas schon vor geraumer Zeit aufgefordert haben, sich nicht mehr in die geschäftlichen Belange seines Sohnes einzumischen und Turnieren fernzubleiben. Der Senior war unter anderem dadurch negativ aufgefallen, dass er dem Sportartikelhersteller Nike, der seinen Sohn ausrüstet, die Fähigkeit abgesprochen hatte, internationale Verträge abzuschließen. Mit Vorliebe plustert er sich auch vor Sportfunktionären auf wie jüngst vor von Waldenfels. In einer E-Mail legte er dem ehemaligen bayerischen Finanzminister nahe, "so wie früher auch als Buchhalter tätig zu sein, aber sich nicht im Spitzensport zu betätigen."

Bei keinem anderen der exzentrischen Väter, von denen im internationale Tennis-Zirkus nicht wenige zu finden sind, mischt sich Jähzorn so sehr mit Größenwahn wie bei Peter Haas. Und bei keinem anderen klaffen Selbst- und Fremdeinschätzung so weit auseinander wie bei dem gebürtigen Grazer. "Mich stört das Gerede und Geschreibe nicht. Ich habe gute Freunde und die wissen, dass ich ein ganz anderer Mensch bin, als immer geschrieben wird", verteidigt er sich. Er sei halt das schwarze Schaf der Familie. "Ich sage, was ich denke, und so halte ich meinem Sohn den Rücken für gutes Tennisspiel frei." Sein Bild in der Öffentlichkeit werde einzig und allein von Neidern und Intriganten geprägt.

Drei Jahre alt war Thomas Haas 1981, fünf Jahre seine Schwester Sabine, als der Vater täglich oft mehrere Stunden mit den Kindern im Hamburger Tennisverein Mundsburg das Filzballschlagen übte. Bald reiste das Trio quer durch Deutschland und Europa, Thomas sammelte immer mehr Pokale, aber das Geld wurde knapp, weil Tennis-Trainer Peter nicht mehr für die täglichen Brötchen sorgen konnte.

Doch der Traum von der großen Tenniswelt, von First-Class und Ferrari blieb. So gründete Haas 1990 mit 15 Anlegern, die jeweils 50 000 Mark investierten, die TOSA-GmbH - benannt nach den Kindern Thomas und Sabine. Das Konzept war einfach. Das Kapital von 750 000 Mark sollte die sportliche Ausbildung der Kinder am College des ehemaligen Becker-Trainers Nick Bollettieri sichern. Ein Vertrag garantierte den Anlegern bei Erfolg ihren Einsatz und eine Gewinnbeteiligung, zu der es allerdings bis heute trotz der Millionenverdienste von Thomas Haas nicht kam. Kaum, dass der Junge sein erstes nennenswertes Preisgeld erhalten hatte, meldete Vater Haas den Konkurs der GmbH an. Obwohl Thomas danach eine neue Vereinbarung mit den Investoren schloss, um deren Wut zu bändigen, haben die Anleger beim Landgericht München Klage eingereicht und per Gerichtsbeschluss Werbegelder sowie Preis- und Antrittshonorare des Tennisstars sperren lassen. Sabine Haas dagegen war nie in Gefahr geraten, Gelder zurückzahlen zu müssen. Für schnelle Sprints schon in der Pubertät zu füllig geworden, hatte sie sich nach nur mäßigem Erfolg vom internationalen Tennis abgewandt.

Geschichten ums Geben und Nehmen, um materielle Vorteile oder Geld, haften Peter Haas an wie früher der rote Sand an seiner Trainersocke. Im Augenblick geht es aber wohl eher ums Nehmen. Längst habe er einen Großteil der eigenen Mittel verlebt und sei von der Gunst seines spielstarken Sohnes abhängig, der ihm durch IMG regelmäßig Geld überweisen lasse, heißt es.

Trotzdem zeigt sich der Lebemann auch weiter gerne in roten Rennautos. Die allerdings gehören nicht ihm selbst, sondern einem Freund.

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