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Vom Wind getrieben

Er liebt den Wind. Eigentlich schon sein ganzes Leben lang. Gerade 14 Jahre alt, hatte sich Michael Haufe vorgenommen, die erste Surfschule in der DDR aufzubauen.

Doch die Staatsräson verbot es, die Bretter zu importieren. Da war Eigeninitiative angesagt: "Meine Großmutter schmuggelte die Segel vom Westen ein, die sie im doppelten Boden der Tasche versteckte. Die ersten Eigenbauten zerbrachen dann auf einem See bei Leipzig", lacht der gebürtige Weißenfelser über seine schweren Anfänge. Doch er ließ nicht locker und blieb seiner Leidenschaft treu. In den 90er-Jahren organisierte er dann als Student die brandenburgischen Hochschulmeisterschaften im Segeln und Surfen.

Dass der Jungmanager seinen ersten großen Traum schon verwirklicht hat, sieht man ihm an, wenn der 32-Jährige heute, in einer Hand das Mobiltelefon, mit schlafwandlerischer Sicherheit an der mit Segeln und Proviant voll gestellten Reling seiner Yacht Ra entlangbalanciert. Er ist in seinem Element und man merkt es ihm an. Dass der Motor der 13 Meter-Yacht noch nicht einsatzbereit ist, stört den Jungmanager wenig. Denn deutlich größere Probleme hat er in den letzten Jahren schon gemeistert, bis sein Unternehmen sich in der wirtschaftlich schwierigen Situation in Ostdeutschland durchsetzen konnte.

Heimathafen von "Team Michael Haufe" ist Blossin, südöstlich von Berlin. Das idyllisch am Wolziger See im Landschaftsschutzgebiet gelegene Gebiet wurde zur Heimstätte einer kleinen Surf- und Kanuflotte. "Ich bin Ökonom und habe gar keine Ahnung vom Wassersport. Micha kam damals auf mich zu und wollte was aufziehen", resümiert der Betreiber der Basis, Michael Lehmann, die Anfänge. "Da haben wir damals anscheinend die Zeichen der Zeit erkannt."

Knapp eine Million Euro Umsatz erwirtschaften die einzelnen Unternehmensteile von Michael Haufe. Mit zwölf Surf-Brettern und zwei Kanadiern brachte der BWL-Student einst spielkonsolenverwöhnten Kindern bei, wie man ein Segel trimmt und Schoten dicht holt. Die Mitarbeiter seines Subunternehmens "Teamgeist" machen den Namen zum Programm: Daimler-Chrysler schickt seine Auszubildenden und Manager zum Teamtraining, Pharmafirmen und Sparkassenmanager packen hier gemeinsam an, wenn es heißt, Leinen los und Segel setzen. "Seit einem Jahr arbeiten wir erfolgreich mit Micha Haufe und seinem Team zusammen", berichtet Roland Wölk, Personalleiter der Sparkasse Dahme Spreewald. "Die gemeinsame Zeit auf dem Segelboot baut bei unseren Auszubildenden Vertrauen in ihre Fähigkeiten auf. Die Kommunikationsfähigkeiten werden gefördert, das ist uns wichtig."

Doch bis Micha Haufe Managern auf einem Segelboot Zusammengehörigkeit vermitteln konnte, musste er durch Schulen tingeln, um auf sich aufmerksam zu machen. Mit Erfolg: Die Adventure-Camps für Kinder wurden nicht nur so beliebt, dass man lange im Voraus buchen musste, auch die Eltern interessierten sich für Segel- und Motorbootausbildung. Aus anfänglich 200 jugendlichen Schülern wurden inzwischen über 5 700, und die neu gegründete Yachtschule fand ebenfalls regen Anspruch. Innerhalb weniger Jahre hatte Michael Haufe mit seiner gerade einmal zehnköpfigen Mitarbeiterschar die Marktlücke besetzt und sein Unternehmen gezielt ausgebaut. "Die Philosophie des Ganzen ist, Kinder nicht nur zu beschäftigen, sondern auch Gemeinsinn nahe zu bringen. Die Jugendlichen sollen hier nicht nur ihre Klassenfahrt machen, sondern auch noch etwas erleben", legt Aaron Backhaus das Konzept des Haufeschen Subunternehmens "Blossin Reisen GmbH" dar.

Die Vielseitigkeit von Haufes Geschäftsmodell macht es möglich, Synergien zu nutzen. "Natürlich ist es viel rentabler, wenn man ein Boot mehrfach nutzt: Jugendliche segeln während ihres Camps darauf, es kommt in der Yachtschule zum Einsatz, und wir bieten auch noch Veranstaltungen zur Personalentwicklung an", erläutert der mittlerweile diplomierte Seniorchef seine Überlegungen. Inzwischen verfügt das Unternehmen mit 55 Booten über die größte Flotte in Ostdeutschland. Neben dem Gelände in Blossin geht es seit mehreren Jahren auch über deutsche Grenzen hinaus. "1995 bot die Yachtschule den ersten Auslandstörnvon Andraitx nach Barcelona an. Seitdem waren wir im Mittelmeer und natürlich auch in Nord- und Ostsee unterwegs", so Steffen Lelewel, zuständig für die Yachtschule. Doch auch Rückschläge musste der dynamische Segelsportler Haufe hinnehmen.

Ein Brand zerstörte 1996 das gesamte Material, und auch die Büroräume gingen in Flammen auf. "Die Feuerwehr konnte nichts mehr tun. Ich dachte damals, das wäre das Aus. Die Versicherung zahlte nur den Zeitwert. Mit Freunden der Geschäftsführung des Geländes und der Hausbank entwickelten wir dann eine Überlebensstrategie", erinnert sich Haufe an diesen Tiefpunkt. "Der Micha ist wie ein Rennpferd, wenn der ein Ziel ins Visier genommen hat, dann rennt der los, komme, was da wolle", beschreibt der langjährige Weggefährte Michael Lehmann den dynamischenUnternehmer. Nur so ist es zu erklären, dass er schon kurze Zeit später wieder Erfolge bei Regatten auf der Ostsee feiern konnte, die seinen Namen in der Szene auch überregional bekannt machten.

Als sein Erfolgsrezept bezeichnet Haufe die von ihm angebotene Kombination aus Erlebnispädagogik und Personalentwicklung. ist einzigartig in Deutschland, meint Haufe und sieht darin sein Erfolgsrezept.Im Prinzip würde er am liebsten ganze Familien betreuen: Die Kinder lernen etwas in den Erlebniscamps, und für die Eltern stehen die Yachtschule und das Teamtraining als Weiterbildungsmöglichkeit zur Verfügung. Bis zum nächsten Bildungseinsatz muss die Yacht noch vorbereitet werden. Während er seinen Jungs beim Verstauen des Proviants in der Kombüse zusieht, erläutert Michael Haufe seine Philosophie einem weiteren Personalchef am Funktelefon: "Nachhaltigkeit, also der Transfer der Erlebnisse in den Arbeitsalltag steht im Mittelpunkt aller unserer Aktionen. Und Nachhaltigkeit wirkt nur bei ganzheitlicher Betreuung bis hin zur Familie."

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