Vom WM-Star zur tragischen Figur:
Schlappen entnerven Keeper Marcos

Innerhalb weniger Wochen ist der Torhüter von Fußball-Weltmeister Brasilien vom Volksidol zur tragischen Figur geworden. Weil Marcos zuletzt immer häufiger daneben griff, rutschte sein Club Palmeiras Sao Paulo erstmals in der Vereinsgeschichte auf den letzten Tabellenplatz der Meisterschaft ab.

HB/dpa RIO DE JANEIRO. Beim 0:1 gegen Figueirense war Marcos am Wochenende gar nicht mehr dabei, weil er sich verletzt abgemeldet hatte. Medien und Fans sind skeptisch. "Wenn er nicht spielen will, ist alles in Ordnung. Wir brauchen nämlich echte Männer, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen", schimpfte Trainer Levir Culpi. Für die Zeitung "O Globo" ist Marcos "am Boden".

Nach seinem vorerst letzten Spiel für Palmeiras, einem 0:2 bei Ponte Preta, hatte der 29-Jährige in der Kabine vor Journalisten hemmungslos geweint. "Die miserable Phase meines Vereins hat mich angesteckt, ich brauche dringend eine Pause", jammerte er. Palmeiras, als Favorit in die Saison gestartet, ging in zwölf Spielen bereits sieben Mal als Verlierer vom Platz. Marcos kassierte in dieser Zeit nicht weniger als 25 Treffer - viele gingen auf seine Kappe. Nachdem er in der Partie bei Ponte Preta zwei Elfmeter verschuldet und die Palmeiras-Fans lautstark seinen Rauswurf gefordert hatten, bat der völlig entnervte Torhüter sogar erfolglos um seine Auswechslung.

"Marcos ist sichtlich erschüttert, scheint um Jahre gealtert", schrieb eine Nachrichtenagentur. "Ich will vorerst gar nicht mehr spielen", gibt Marcos zu. Der religiöse Mann, der mit bürgerlichen Namen Marcos Silveira Reis heißt, betet während eines Spiels mehrfach mit ausgestreckten Armen gen Himmel. Zuletzt half das aber wenig. Marcos war nach dem WM-Triumph in Brasilien einer der am meisten gefeierten Spieler der "Selecao". "Ich war bei der WM ganz gut, besser als Oliver Kahn", meinte damals der sonst bescheidene Spieler.

"Wir machen eine sehr schlechte Phase durch, müssen aber gerade jetzt die Ruhe bewahren", meinte Coach Culpi, der bis vor kurzem als Kandidat auf die Nachfolge von Ex-Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari gehandelt worden war. Das Problem der "Großen Grünen", wie Palmeiras wegen seiner Trikotfarbe genannt wird, sei emotioneller Natur, versichert Culpi. Marcos ist ein Beweis dafür. Er war dieser Tage nicht einmal in der Lage, ein Team des Weltverbandes FIFA zu empfangen, das den offiziellen Film über die WM 2002 dreht. "Wir hatten den Termin vor einem Monat abgemacht. Nun wollte Marcos nicht einmal mit uns sprechen. Er wird im WM-Film nicht erscheinen", sagte ein japanischer Journalist der Zeitung "Folha".

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