Von Albträumen und Horrorfilmen mit Überlänge
Was Experten den gebeutelten Aktienanlegern raten

Haben Sie auch den Großteil Ihres Geldes in Aktien angelegt? Haben Sie auch das Gefühl, mitten in einem Horrorfilm zu sitzen? Dann lesen Sie die Einschätzung von vier Profis der Geldanlage darüber, wie lange der Börsenalbtraum noch dauern kann.

LONDON. Nicholas P. Sargen, Chefstratege von JP Morgan Private Bank in New York, sieht noch keine Wende am Aktienmarkt. "Wir erzählen den Leuten nicht, die Börse komme auf das Niveau von vor ein paar Monaten zurück." Es handele sich schließlich um einen Bärenmarkt. Und Bärenmärkte hörten nicht auf, wenn die Kurse angemessen bewertet seien. "Sie hören auf, wenn die Kurse billig sind, wenn nicht sogar lächerlich billig."

Wie schaltet man den Horrorfilm ab? Sargen und sein Team setzen auf zwei Hauptmotive: zum einen den Kauf von der Börse abgestrafter Firmen mit qualitativ hochstehenden Gewinnausweisen wie Pfizer, Exxon Mobil und Nike. Zum zweiten empfiehlt das Team vernachlässigte Unternehmen mit hoher Dividendenrendite. Neben Immobilientrusts spricht sich Morgan unter anderem für den Versorger FPL Group aus mit einer Rendite von fünf Prozent und Bank of America mit 4,1 Prozent. Verglichen mit Festgeld ist das keine schlechte Alternative.

In Edinburgh sieht Andrew Milligan, Chefstratege von Standard Life Investments und ein Schwergewicht unter den Fondsmanagern Großbritanniens, für langfristig orientierte Anleger jetzt einen guten Zeitpunkt, um mit Wertpapieranlagen zu beginnen. Mit Verweis auf eine Dividendenrendite von vier Prozent am britischen Aktienmarkt sagt Milligan: "Ich kriege eine mit Cash vergleichbare Rendite und gleichzeitig die Option auf zukünftiges Gewinnwachstum."

Allerdings sei das Schlimmste noch nicht vorbei, bis die Anleger solide Bewertungen und bessere Unternehmensnachrichten erkennen könnten. Er rät zum Kauf von Eon, der schwedischen SKF und Japan Telecom. Langfristig gesehen hält er die Investmentphilosophie des "Kaufen und Halten" aus den neunziger Jahren für nicht mehr gültig. Der Anleger müsse sich um sein Portfolio kümmern und häufiger umschichten.

Der Optimist in der Vierer-Runde ist Richard Davidson, Chefstratege für Europa bei Morgan Stanley in London. Zwar sei das noch kein neuer Bullenmarkt, aber der europäische Aktienmarkt dürfte sich in den kommenden sechs Monaten erholen. "Der Auslöser liegt in der Gewinnverbesserung, die wir jetzt schon sehen, und in den attraktiven Bewertungen. In einem Zeitraum von fünf Jahren rechnet Davidson mit einem Zuwachs von bis zu fünf Prozent jährlich in Europa. Morgan Stanley empfiehlt Pharmatitel wie Novartis und GlaxoSmithKline und im Bankensektor Credit Suisse und Barclays.

Ein Experte für die Schattenseiten des Börsengeschäfts ist Michael Belkin, der die Wende der Aktienmärkte im März 2000 richtig vorausgesehen hat. Der selbstständige Finanzmarktanalyst bleibt seinen düsteren Prognosen treu: Entweder falle der Markt in einer Woche um katastrophale 25 bis 50 Prozent, oder es komme zu einem lang anhaltenden Abschwung über zwei Monate, der von nervösen, kurzzeitigen Ausschlägen nach oben unterbrochen werde. Dann kämen die Käufer zurück, nur um schließlich wieder geprügelt zu werden. "Es ist verwirrender als ein echter Crash, aber die Aktien werden trotzdem sehr viel weiter fallen", prophezeit Belkin. Die beste Strategie sei es, eine Barreserve zu halten, defensive Sektoren überzugewichten und bei ein- bis dreitägigen Aufwärtsbewegungen zu verkaufen. "Der Schlüssel liegt in der Fähigkeit, die wichtigen Zwischenhochs und-tiefs zu erkennen und an ihnen teilzunehmen. Sie kommen in einem Bärenmarkt alle zwei bis vier Jahre vor", sagt Berkin.

So lange soll der schlechte Film dauern? In Japan dauert er schon zwölf Jahre.

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