Von Analphabetismus bis Zensur: Verlage haben in den arabischen Ländern einen schweren Stand
Griff zum Buch ist eher die Ausnahme

Die arabischen Staaten mögen reich an Erdöl sein. Ihr literarischer Ausstoß indes hält sich in Grenzen. Nicht einmal 2 000 belletristische Werke erscheinen in manchen Jahren einem Uno-Bericht zufolge im arabischen Sprachraum, obwohl gut 280 Millionen Menschen in der Region leben.

HB KAIRO. Die 22 arabischen Staaten produzierten damit weniger Bücher als die Türkei, die nur ein Viertel der Einwohner hat. Die Buchindustrie in der arabischen Welt steht also auf schwachen Füßen. Eine Ursache ist die hohe Zahl an Analphabeten: Nur rund 60 Prozent aller Menschen über 15 Jahre in der Region können lesen und schreiben. Damit scheidet fast die Hälfte der Erwachsenen als Leser und Buchkäufer aus.

Ein weiterer Grund für die geringe Verbreitung von Literatur ist der meist national begrenzte Vertrieb: Die Handelsbarrieren zwischen den arabischen Ländern sind hoch, Zollsysteme kompliziert und protektionistische Mechanismen sollen jeweils den eigenen Markt schützen. Die Zensur verhindert außerdem den freien Handel mit Büchern. Ein im liberalen Libanon erschienenes Buch muss in Syrien oder Saudi-Arabien zunächst vom Zensor abgesegnet und oft verändert werden, bevor es dort gedruckt oder verkauft werden darf. Aus diesen Gründen gibt es keinen länderübergreifenden Vertrieb für Bücher.

Damit sind die zahlreichen Buchmessen in der arabischen Welt, die dem Publikum offen stehen, oft die einzige Gelegenheit, ein in einem Nachbarland erschienenes Buch zu kaufen. Im Gegensatz zu Frankfurt sind Buchmessen in der arabischen Welt kein Geschäftstreffen von Verlegern, sondern große Verkaufsveranstaltungen, bei der Buchhändler und Verleger den Großteil ihres Jahresumsatzes machen.

Renner in der Buchindustrie sind religiöse Werke und Erziehungs- und Schulbücher im weiteren Sinne. Damit lässt sich Auflage und Geld machen. Bei allen anderen Büchern sind Auflagen um die 1 000 die Regel, wird ein Buch 5 000-mal verkauft, ist es ein Bestseller.

Dennoch ist die Buchproduktion in absoluten Zahlen nicht so schlecht, wie sie in dem Arab Human Development Report (UNDP), der im Uno-Auftrag erarbeitet wurde, dargestellt wird. Vielmehr führt der fragmentierte Markt dazu, dass es nur ungenaue Daten gibt. So weist eine Studie des unabhängigen deutschen Consulting-Büros Thalassa nach, dass für die Jahre 2001 und 2002 nur 14,9 Prozent der in Libanon erschienenen Bücher bei der Arabischen Liga in Tunis registriert wurden. Damit sind wohl auch die UNDP-Zahlen ungenau, nach denen nur 1,1 Prozent der weltweiten Buchproduktion auf die arabische Welt entfallen, obwohl diese 5,5 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht.

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