Von Argentinien nach Deutschland - 40-Jähriger schweigt zu Vorwürfen
Mutmaßlicher Reemtsma-Entführer ausgeliefert

Mehr als vier Jahre nach der Entführung des Millionenerben Jan Philipp Reemtsma sitzt der mutmaßliche Haupttäter Thomas Drach in einem Hamburger Gefängnis. Er verweigert jedoch jegliche Aussagen.

ap HAMBURG. Mehr als vier Jahre nach der Entführung des Millionenerben Jan Philipp Reemtsma sitzt der mutmaßliche Haupttäter Thomas Drach in einem Hamburger Gefängnis. Nach seiner Auslieferung aus Argentinien traf der 40-Jährige in Begleitung deutscher Polizisten am Samstag in Deutschland ein und wurde umgehend in das Hamburger Gefängnis Fuhlsbüttel überstellt. Nach Polizeiangaben verweigerte Drach zunächst jegliche Aussagen zu der Reemtsma-Entführung. Er wolle zuerst die Akten einsehen, sagte ein Polizeisprecher. Die Vernehmung soll am (morgigen) Montag beginnen.

Drach war am 28. März 1998 von Zielfahndern des Bundeskriminalamtes in Buenos Aires aufgespürt und am selben Tag von der argentinischen Polizei festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft Hamburg wirft ihm vor, Kopf der Entführerbande gewesen zu sein, die im Frühjahr 1996 den Konzernerben Reemtsma 33 Tage lang festgehalten und erst gegen 30 Mill. DM Lösegeld wieder frei gelassen hatte.

Derzeit ist noch nicht bekannt, wo der Löwenanteil des Geldes liegt. Bislang sind erst 1,2 Mill. DM aufgetaucht. Nach Presseberichten soll Drach das Geld zum Großteil in Immobilien in Uruguay angelegt haben. Die Auslieferung war möglich geworden, nachdem der argentinische Präsident Fernando De La Rua am 19. Juli ein entsprechendes Dekret unterzeichnet hatte. Zuvor hatte Drachs Anwalt zwei Jahre lang versucht, die Auslieferung zu verzögern.

Drach landete nach 13-stündigem Flug aus Buenos Aires kommend am Samstag gegen 11.20 Uhr auf dem Flughafen Frankfurt Rhein Main. Wenig später bestiegen sechs Polizeibeamte über eine Gangway die Maschine, um Drach offiziell zu verhaften. Der mutmaßliche Reemtsma-Entführer und seine Bewacher flogen in der aus Sicherheitsgründen abgesperrten Ersten Klasse. Unterwegs hatte Drach sich nach Auskunft der Polizei ruhig verhalten. "Er hat sich in sein Schicksal gefügt", sagte der Hamburger Polizeisprecher Reinhard Fallak.

Unmittelbar nach der Landung wurde Drach mit einem Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes nach Hamburg geflogen und in die Strafvollzugsanstalt Fuhlsbüttel gebracht. Drach war im Gegensatz zu den bekannten Fotos glatt rasiert. Bei der Ankunft auf dem Hamburger Flughafen lächelte er den wartenden Reportern zu.



Drach drohen bis zu 15 Jahre Haft



In Hamburg wurde Drach in das berühmte Gefängnis "Santa Fu" in Fuhlsbüttel gebracht. "Er kommt in eine nackte Einzelzelle", sagte Fallak. Mit der Rückkehr von Drach ist für die Hamburger Polizei einer der größten Fälle der Nachkriegszeit abgeschlossen: Seine drei Komplizen sind bereits verurteilt. Der Prozess gegen Drach soll noch dieses Jahr beginnen.

Bei einer Verurteilung drohen dem 40-Jährigen bis zu 15 Jahren Haft. Sein Bruder Lutz war am 20. Dezember 1996 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er 27 000 $ aus dem Lösegeld umtauschen wollte. Als Täter der Reemtsma-Entführung verurteilt wurden im Februar 1997 Peter Richter und Wolfgang Koszics, die Freiheitsstrafen von fünf und zehneinhalb Jahren erhielten. Richter wurde im September vergangenen Jahres auf Bewährung entlassen. Im März 1999 stellte sich schließlich der vierte gesuchte Verdächtige, der 32-jährige Pole Piotr Laskowski. Er wurde am 2. September des Jahres zu sechs Jahren Haft verurteilt.



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