Von Beständigkeit zurzeit keine Spur
Ölaktien geraten ins Rutschen

Die Aktien der großen Mineralölkonzerne galten lange als ein beständiges Investment. Seit den Terroranschlägen in den USA werden sie diesem Ruf nicht mehr gerecht. Mit dem fallenden Rohölpreis sind auch die Ölwerte ins Rutschen gekommen. Analysten schränken ihre Empfehlungen ein.

DÜSSELDORF. Bisher galten multinationale Ölkonzerne als defensive Anlage. Doch seit den Terroranschläge in den USA sind die Aktien der Multis auf Talfahrt gegangen. Erst ging es runter, dann wieder ein bisschen rauf. Wie es nun weiter geht, weiß keiner so recht. Zwei Szenarien sind möglich: Bei einer Ausweitung des möglichen Konflikts in Afghanistan auf den Nahen Osten könnten die arabischen Öllieferungen verknappt werden. Das würde die Ölpreise treiben und damit die Profite von Konzernen wie Exxon Mobil, Royal Dutch/Shell, BP Amoco und Totalfina Elf in die Höhe schnellen lassen. Kühlt sich die Konjunktur indes weiter ab, sinkt auch die Ölnachfrage. Das ginge zu Lasten der Ölmultis. Die Preise würden fallen.

Kurz nach den Anschlägen in den USA sprang der Rohölpreis zwar kurz über 30 $ pro Barrel (159 Liter). Danach sackte er aber ab und notiert nun knapp über 21 $.

Die Mineralölkonzerne blicken auf fette Jahre zurück. Der Profitprimus Exxon konnte im vergangenen Jahr 18 Mrd. $ als Gewinn nach Steuern verbuchen. Royal Dutch/Shell und BP Amoco brachten es auf rund 15 Mrd. $. Die hohen Erträge bleiben den Unternehmen wohl erhalten. Doch erwarten Analysten eine nachlassende Gewinndynamik. Die Lage sei unsicher, das Umfeld entwickele sich negativ, schreibt die BHF Bank - in einer Studie.

An BP scheiden sich die Geister

Die Investmenthäuser Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston haben die Kursziele der getrennt notierten Aktien von Royal Dutch und Shell nach unten korrigiert. Für den holländischen Part werden nur noch 67, 5 bzw. 60 Euro erwartet. Shell muss sich mit einem Kursziel von 585 bzw. 530 Pence zufrieden geben. Derzeit kosten die Titel deutlich weniger. Dazu passt, dass der Konzern seine Prognosen senken und die Fördermengenziele nach unten korrigieren musste.

An BP scheiden sich die Geister, Morgan Stanley rät nach wie vor zum aggressiven Kauf der Aktien; Kursziel 750 Pence. Auch Credit Suisse First Boston rät zum Kauf, aber nur mit einem Kursziel von 650 Pence. Die meisten Analysten stufen BP aber genauso wie Shell als neutral ein, sie erwarten also nur eine marktkonforme Entwicklung. Strittig ist auch die Bewertung des größten Konzerns, der amerikanischen Gesellschaft Exxon Mobil. Einige Banken stuften die Aktie auf Halten herab, während die Bank of America zum aggressiven Kauf rät.

Favoriten der Analysten sind der französisch-belgische Konzern Totalfina Elf und die italienische Eni. Beiden wird mehr Entwicklungspotenzial zugetraut, als der Konkurrenz. Vor allem könnten sie ihre Produktionsraten noch deutlich steigern. "Da kann der Mengeneffekt die negativen Folgen sinkender Ölpreise mehr als ausgleichen", sagt Ralph Herre von der Landesbank Baden-Württemberg. Kursphantasie erhält die italienische Aktie auch von der bevorstehenden Vollprivatisierung. Für den Herbst ist der Börsengang der Tochter Rete Gas geplant.

Trotz allem: Olaktien bleiben Kerninvestment

Für alle Multis gilt: Sie hängen von den Rohölpreisen ab. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die rund 40 % der Welt- Rohölförderung kontrolliert, strebt Preise zwischen 22 und 28 $ pro Barrel an. Die meisten Analysten erwarten, dass sich der Preis im unteren Bereich der Spanne einpendelt. Das wäre immer noch ein relativ hohes Niveau, gemessen am Durchschnitt der 90-er Jahre von 18,3 $ pro Barrel. Zuletzt profitierten die Aktien der internationalen Mineralölgesellschaften davon, dass die Opec bekannt gab, Fördermengen und Preise konstant halten zu wollen. Die Multis erwirtschaften rund 3/4 ihrer Gewinne mit dem Bereich Upstream, also der Ölförderung. Deshalb ist der Rohölpreis für sie so wichtig. Mit Verarbeitung und dem Vertrieb wird viel weniger Geld verdient.

Trotz aller Unsicherheit: Ölaktien sollten zum Kerninvestment jedes internationalen Portfolios gehören, heißt es von der BHF-Bank. Schließlich sei Öl der Treibstoff der Weltkonjunktur. Gerät die allerdings in stottern, müsste man die Gewichtung überdenken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%