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Von Blech und Plastik

Können Sie sich Gerhard Schröder bei einer Podiumsdiskussion mit einer Büchse Coke-Light vorstellen? Bill Clinton, der einstige US-Präsident, jedenfalls trinkt seine Coke direkt aus der Weißblechdose.


Können Sie sich Gerhard Schröder bei einer Podiumsdiskussion mit einer Büchse Coke-Light vorstellen?

Bill Clinton, der einstige US-Präsident, jedenfalls trinkt seine Coke direkt aus der Weißblechdose. Bei einer Podiumsdiskussion im Fünf-Sterne-Hotel hält er die Büchse, als ob es das Normalste der Welt sei.

So ist das in Amerika, das in Punkto Trinkkultur in einer anderen Galaxie existiert, Lichtjahre entfernt vom alten, konventionellen Europa.

Der Kaffee zum Mitnehmen - Neudeutsch "To Go" - hält inzwischen Einzug in deutsche Großstädte. In New York gehören die Pappbecher zur Grundausstattung von Investmentbankern wie Fließbandarbeitern, die sich damit morgens in der U-Bahn beckleckern.

Ein Plastikdeckel obendrauf hält das Getränk warm. Das Hantieren mit der kleinen Lasche, durch die der Kaffee fließen soll, erfordert allerdings einige Übung. Normalerweise erlernt man den Umgang erst nach einigen Verbrühungen.

Bei einer Investorenkonferenz der weltgrößten Bank Citigroup schlürften die milliardenschweren Fondsmanager ihren Kaffee aus dunklen Plastikbecherchen, deren Aussehen entfernt an römische Weinkelche erinnerte. Ihr Wasser nuckelten die Zuhörer direkt aus kleinen Plastikfläschchen.

Selbst in guten US-Hotels konsumieren die Gäste ihr Frühstück mit Plastikbesteck von Plastiktellern und aus Plastikbechern. Hinterher kommt eine dicke Frau und wirft alles in einen blauen Müllsack. So einfach geht das.

Das klingt alles furchtbar unkultiviert. Aber, ehrlich gesagt: Es steckt an. Meinen Pappbecher-Kaffee möchte ich morgens in der U-Bahn nicht mehr missen, und das Wasser aus dem Plastikfläschchen fließt mir längst locker die Kehle runter. Nur mit der Cola-Büchse tue ich mich noch schwer. Und wenn ich mal wieder das alte Europa besuche, bemühe ich mich, meine schlechten Manieren in der Neuen Welt zu lassen.

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