Von Boss und Escada raten Experten derzeit ab
Klassische Modeaktien sind wenig attraktiv

Modeaktien sind derzeit weniger attraktiv wie die Produkte der Unternehmen. Boss, Escada und andere Werte leiden derzeit unter Kursverlusten.

qdt/ich FRANKFURT/M /DÜSSELDORF. Kleider machen Leute. Wer auch im nächsten Jahr "in" sein will, der kann sich an diesem Wochenende in Düsseldorf und Köln über künftige Modetrends informieren: Hier wird während der Collections-Premieren der Igedo und der Kölner Jeansmesse "Vibes4u" die Vorschau auf den nächsten Sommer geboten. Für modebewusste Börsianer sicher ein Ereignis. Weniger attraktiv sind derzeit jedoch die meisten Modeaktien, da sind sich viele Analysten einig; eine Ausnahme sind dabei die Sportartikelhersteller. Zwar sind diese Titel keine klassischen Modeaktien, werden aber durchaus zum Vergleich herangezogen.

Das Fachblatt Textil-Wirtschaft veröffentlicht einen Mode-Aktien-Index (MAI), zu dessen zwölf Werten neben Escada, Boss, Gerry Weber und Jil Sander auch Puma und Adidas zählen. Insgesamt steht der MAI zwischen Januar bis Juni 2002 mit einem Plus von 3,7 % gegenüber dem Deutschen Aktienindex (Dax) mit minus rund 9 % gut da. Doch die größeren Modewerte wie Boss und Escada - beides MDax-Titel - mussten deutliche Verluste hinnehmen. Das liegt in erster Linie an den unternehmensinternen Problemen, sagen Analysten.

So hat Branchenführer Boss etwa daran zu schlucken, dass Männern augenscheinlich große Modemuffel sind. Selbst die Kult- Karos begeisterten bei ihrem Start die Londoner Börse nicht. Und der Handel selbst kauft nach den Anfangsschwierigkeiten mit der Boss-Woman-Kollektion - Passformen stimmten nicht, und das Kostenmanagement war schlecht - nur zögerlich ein. Die aktuellen Ergebniszahlen in dieser Woche wurden von Analysten nach der Gewinnwarnung in der letzten Woche als "Non-Event" bezeichnet.

Prompt erwartet denn auch Sal. Oppenheim nur eine Performance unter dem Marktdurchschnitt, und Independent Research urteilt "Untergewichten". Jörg Philipp Frey von Sal. Oppenheim betont, Boss sei von einem Phänomen betroffen, was die ganze Branche belaste: der gesunkene Dollarkurs.

Escada hat nach Freys Einschätzung zusätzlich das Problem, dass die Hauptmarke - "opulent, extravagant und farbenfroh" - nicht im Trend liege, sagt Frey. Und Peter Wirth von WestLB Panmure ergänzt, Escada habe mit einem Sparpaket von 35 Mill. Euro den Turnaround geschafft, doch das "Klima für hochpreisige Ware" sei momentan schwierig. Zwar bewerten beide Analysten den Wert zurzeit mit "neutral", doch die Nachfrage des Marktes werde schwach bleiben. Frey meint sogar: "Das Schlimmste ist für Modeaktien noch nicht vorbei." Die Einzelhandelsumsätze sinken, "da wird die nächste Orderrunde der Textileinzelhändler bescheiden ausfallen."

Den kleineren Wert Gerry Weber sehen allerdings einige Analysten etwas optimistischer: So erwartet etwa Wirth eine Performance über dem Marktdurchschnitt. Die Gesellschaft vertreibe nicht zu extravagante Kleidung, die Marke ziehe nach wie vor. Und der Geschäftsverlauf sei in den letzten Jahren stetig gewesen - im Gegensatz zu Escada und Boss.

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