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Von Bullen, Bären und Friedenstauben

Nachdem die Jahresschluss-Rally gescheitert ist, zeichnet sich auch kein fulminanter Börsenstart ins neue Jahr ab.

Brieföffner (und Brieföffnerinnen) hatten in der vergangenen Woche saisonale Hochkonjunktur. Trotz Sparmaßnahmen und Spendenaktionen schickte sich die Geschäftswelt wieder gegenseitig Weihnachtsgrüße - meist standardisiert unterschrieben, mitunter aber auch durch individuelle Worte aufgewertet. Nicht alle Karten verdienen es also, nach routinemäßiger Registrierung dem wichtigsten Nutzmöbel des Büros zugeführt zu werden.

Am Freitag habe ich mir (unter anderen) zwei Karten mit Tiermotiven zur Seite gelegt. Auf der einen wird das Börsenmotto "Wir jagen den Bären (hoffentlich) aus der Stadt" durch eine Farbkarikatur umgesetzt: Nikolaus vertreibt Meister Petz mit Rute, daneben Bulle unterm Weihnachtsbaum auf einem von Hochhäusern umgebenen Platz. Auf der anderen Karte eine schlichte Friedenstaube.

Die Symbolik ist klar - typisch für diesen Tag, für das bevorstehende Fest wie auch für die kommenden Wochen. Denn die jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Alan Greenspan zu den US-Wachstumsperspektiven stärken die Optimisten. Demgegenüber bestätigen die jüngsten Drohungen von Außenminister Colin Powell, dass ein Krieg in Mittelost immer näher rückt.

Was heißt das für die Börsen? Die Kombination aus schwächeren Aktien und leichterem Dollar mit steigendem Öl und festem Gold ist der Beleg dafür, dass die Finanzmärkte inzwischen dem geopolitischen Risikofaktor das größere Gewicht gegenüber der konjunkturellen Hoffnung geben. Die privaten Anleger sollten dies bedenken, insbesondere ihre kurz- bis mittelfristige Strategie danach ausrichten. Nachdem die Jahresschluss-Rally gescheitert ist, zeichnet sich heute auch kein fulminanter Börsenstart im neuen Jahr ab.

Die Bären können erst dann vertrieben werden (und nicht vom Weihnachtsmann, sondern von den Bullen), wenn die Friedenstauben tatsächlich fliegen.

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