Von den 900 Militär-Fliegern nur jeder zweite einsatzfähig
Kutschmas Kampf-Jets meist fluguntauglich

Die Streitkräfte der Ukraine sind zum zweiten Mal innerhalb von zehn Monaten für eine Tragödie mit Dutzenden von zivilen Opfern verantwortlich: Bei einer Luftschau im westukrainischen Lwiw stürzte am Wochenende ein Jagdflugzeug vom Typ Suchoi SU-27 in die Zuschauermenge, 83 Menschen kamen ums Leben, 199 wurden verletzt.

dh WARSCHAU. Die Ursache für den Absturz ist zwar noch ungeklärt, aber in der ehemaligen Sowjetrepublik entbrennt jetzt erneut eine Debatte über den desolaten Zustand der Armee. Die hatte bereits im vergangenen Oktober dazu beigetragen, die Ukraine als Katastrophenland bekannt zu machen: Damals schoss die Luftabwehr bei einer Übung versehentlich ein russisches Passagierflugzeug ab - alle 78 Insassen der Tupolew 154 starben.

Nach der Tragödie von Lwiw hat nun Verteidigungsminister Wladimir Schkidtschenko seinen Rücktritt angeboten. Präsident Leonid Kutschma entließ den Oberkommandierenden der Luftwaffe, Wiktor Strelnikow. Gegen Strelnikow und drei weitere hohe Militärs ermitteln die Staatsanwälte, die den Militärs Fehler bei der Organisation der Flugschau vorwerfen. Die personelle Konsequenzen werden aber an den Problemen der Streitkräfte nichts ändern: Das verarmte Land schafft es nicht, mit dem militärischen Erbe der Sowjetzeit fertig zu werden. Nur einen Tag vor dem Unglück hatte der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine gewarnt, die Streitkräfte seien unterfinanziert. Das meiste Geld fließe in die Personalkosten. Für die Wartung der Waffen und Neuanschaffungen sei kaum Geld da.

Die Finanznot trifft besonders die Luftwaffe: Von deren 900 Kampfjets sollen nur etwa die Hälfte einsatzfähig sein. "In den vergangenen Jahren hat die Ukraine wegen fehlender Gelder den Ankauf von Ersatzteilen beinahe eingestellt", zitierte die russische Agentur Interfax einen leitenden Mitarbeiter des Flugzeugherstellers Suchoi, der die Kampfjets vom Typ SU-27 produziert. Die Ukraine gab nach Schätzungen des Internationalen Instituts für Strategische Studien in London im Jahr 2000 rund 1,1 Mrd. $ für Verteidigung aus.

Nach dem Ende der Sowjetunion erbte die Ukraine eine überdimensionierte Armee von 780 000 Mann. Mittlerweile wurde die Zahl der Militärs nach Angaben des Verteidigungsministeriums auf 400 000 reduziert. Doch dem Land, das in ferner Zukunft den Beitritt in die Nato anstrebt, fehlen Einnahmequellen, aus denen eine Modernisierung der Armee finanziert werden könnte. Der Rüstungssektor, mit 700 Betrieben zu Sowjetzeiten einer der größten Industriezweige, konnte sich auf dem Weltmarkt nicht behaupten. Nur noch die Raketenfabrik Piwdenne und der Flugzeugbauer Antonow sind konkurrenzfähig.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%