Von den Banken gestützt
"Aktie Gelb" steigt zum Börsenschluss auf 22,92 Euro

Die "Aktie Gelb" hat nur einen mäßigen Börsenstart erwischt. Sie musste schon am ersten Handelstag von den Banken gestützt werden. Anders als die T-Aktie Ende 1996 oder Infineon Anfang dieses Jahres erwies sich die jüngste Volksaktie erwartungsgemäß nicht als Kursrakete.

dpa FRANKFURT/MAIN. Nachdem die Deutsche Post an ihrem ersten Handelstag - trotz einer Vielzahl gelber Bullen vor der Frankfurter Börse - eher in Bärenstimmung war, wendete sich am Dienstag das Blatt. Ein sattes Plus von 7,10 % auf 22,92 Euro ging auf das Konto des Börsenneulings. Unter den Käufern fanden sich eine Vielzahl institutioneller Anleger. "An der Post-Aktie kommt niemand vorbei", sagte ein Händler. Allerdings werde der Druck auch wieder nachlassen, wenn ein gewisses Niveau erreicht sei.

Die Aktie der Deutschen Post World Net war zunächst ohne Schwung in den zweiten Börsentag gestartet. Der Kurs der Aktie stieg um 1,64 Prozent auf 21,75 Euro.

Nach einem Eröffnungskurs von 21,40 Euro am Montag wurden in der Spitze nur kurz 22 Euro erreicht - gerade mal 5 % über dem Ausgabepreis von 21 Euro. Danach bröckelte der Kurs aber schnell wieder ab. Daher mussten die Banken gleich vom Start weg eingreifen, um den Kurs zu stabilisieren. "Das ist aber ganz normal direkt nach dem Börsengang", beruhigten Institute, die in den vergangenen Wochen die Postaktien weltweit verkauft hatten. Bis zum Börsenschluss war der Euro mit 21,40 Euro im Xetra-Handel wieder bei seinem Eröffnungskurs angekommen.





 Post

intraday





Die in gelb gehüllte Frankfurter Börse hatte am Montag ganz im Zeichen des Debütanten gestanden: Mehr als hundert gelbe Bullen wiesen Post - Chef Klaus Zumwinkel den Weg zum Börsenparkett. "Ich bin wirklich zufrieden mit dem ersten Kurs", hatte Zumwinkel nach der Erstnotiz betont. Manch einer habe schon den Bären, das Symbol für fallende Kurse, auf dem Vormarsch gesehen. "Doch heute kann ich ihnen sagen: Der Bulle steht vor der Tür - und seine Farbe ist Gelb." Der neuen Mode, Kursziele des Managements zu publizieren, wollte Zumwinkel indes nicht folgen: "Der Markt bestimmt den Kurs", antwortete der Postchef auf die Frage, auf welchem Kursniveau er die "Aktie Gelb" gerne sähe.

Für die 278 Mill. Aktien - inklusive Mehrzuteilungsoption für die Banken wurden 320 Mill. Stück angeboten - waren seit Anfang November 2,2 Mrd. Zeichnungen eingegangen. Diese achtfache Überzeichnung ist für Zumwinkel Garantie, dass die Aktie auch in den Wochen und Monaten nach dem Börsendebüt keinen Absturz erlebt. Ohnehin wollen die Banken für Kurspflege sorgen. "Selbstverständlich werden wir unserer Verantwortung gerecht", unterstrich Deutsche Bank - Vorstand Josef Ackermann.

Auf eine positive Kursentwicklung werden die Post und der Bund als Eigentümer auch angewiesen sein. Finanzminister Hans Eichel kündigte bereits zum Börsenstart an, dass der Staat auf absehbare Zeit alle seiner Postaktien unter das Anlegervolk bringen wird. Zurzeit dürften zwar aus rechtlichen Gründen maximal 49 % des Kapitals verkauft werden. "Unser Ziel ist die völlige Privatisierung der Post", lautet aber Eichels Vorgabe. Der Logistik-Konzern könne sich nicht zu einem weltweit operierenden Unternehmen entwickeln, wenn der Staat die Mehrheit behalte. Für die nächste Mammutemission der "Aktie Gelb" gibt es allerdings noch keinen Termin.

Im Vergleich zu Börsengängen ähnlichen Kalibers nimmt sich das Debüt der Post bescheiden aus. Die Telekom-Aktie - für 28,50 DM ausgegeben - war bei der ersten Emission Ende 1996 lediglich fünffach überzeichnet. Dennoch schaffte das Papier gegen einen damals ebenso negativen Börsentrend zum Auftakt immerhin ein Plus von mehr als 16 %. Noch kräftiger schlug die Siemens-Chiptochter Infineon im März 2000 ein: Nach 33facher Überzeichnung verbuchten die Aktionäre zum Börsenstart Zeichnungsgewinne von mehr als 120 %.

Die Postaktie gilt aber als solide Langfrist-Investition und nicht als "Zockerpapier" für die schnelle DM - als "Kursrakete" war sie daher nicht erwartet worden. Allerdings ist auch die "Aktie Gelb" nicht ohne Risiken. Analysten weisen vor allem darauf hin, dass die Briefsparte als mit Abstand wichtigste Ertragssäule ihre Gewinne auf einem Monopolmarkt erwirtschaftet. Umsatz- und Gewinnentwicklung, so die Prognose, dürfte sich abschwächen, sobald die Briefverteilung liberalisiert wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%