Von den eigenen Fans ausgepfiffen
Luis Figo: Vom Superstar zum Sorgenkind

Figo kann laufen, aber er meidet harte Zweikämpfe und er kann nicht so flanken wie sonst. Das Finale in Glasgow möchte Figo unbedingt gewinnen.

dpa MADRID. Wenn Luis Figo der Fuß schmerzt, so sagt man, hinkt ganz Portugal. Der Fußballer von Real Madrid soll die portugiesische Nationalelf bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea zum Erfolg führen. Mit banger Erwartung hoffen die Portugiesen, dass Figo seine seit Monaten währende Verletzung im linken Fuß noch rechtzeitig auskuriert; denn ohne den Weltfußballer des Jahres 2001 ist das portugiesische Team nur die Hälfte wert.

Um den 29-jährigen Stürmer zittern aber nicht nur die Portugiesen, sondern auch die Anhänger Real Madrids. Vor der WM soll Luis Filipe Madeiro Caeiro, wie der Fußballer mit bürgerlichem Namen heißt, die "Königlichen" in Glasgow im Finale gegen Bayer Leverkusen zum Gewinn der Champions League schießen. Aber dies ist leichter gesagt als getan; denn um den Portugiesen ist es derzeit ziemlich schlecht bestellt.

Von den eigenen Fans im Bernabeu-Stadion wurde er ausgepfiffen. Im Zweikampf mit den gegnerischen Verteidigern bekommt er seit Wochen kaum einen Stich mehr. Im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona wurde er zur Halbzeit ausgewechselt. Figo war nach übereinstimmender Ansicht der Kommentatoren der schlechteste Spieler auf dem Platz gewesen.

Aus dem einstigen Superstar ist bei Real ein Sorgenkind geworden. Als Figo vor zwei Jahren für 68 Millionen Euro als damals teuerster Spieler der Welt von Barcelona nach Madrid wechselte, schlug er auf Anhieb bei seinem neuen Club ein und prägte das Profil der Mannschaft. Sein Leidensweg begann, als Real im vorigen Sommer mit Zinedine Zidane einen neuen Superstar verpflichtete. Damit wurde das gesamte taktische Konzept über den Haufen geworfen. Das Spiel über die Flügel - Figos Stärke - verlor an Bedeutung. Der Portugiese wirkte auf dem Platz verloren und schien nicht so recht zu wissen, welches seine Mission war. "Ich weiß, dass ich das Spiel nicht mehr so beeinflussen kann wie früher", räumte er ein.

Es sollte aber noch schlimmer kommen. Im Februar erlitt Figo im Spiel gegen den FC Porto eine Verletzung im linken Fußgelenk, die sich später als Bänderriss entpuppte. Bei einer Operation hätte der Portugiese nicht nur die Schlussphase der Champions League verpasst, sondern auch die WM. So entschied Mannschaftsarzt Alfonso del Corral, dass Figo die Verletzung auf konventionellem Weg auskuriert. Gut zwei Monate später stellte der Mediziner fest: "Die Heilung hat gute Fortschritte gemacht, aber das Band ist noch nicht ganz vernarbt."

Figo kann laufen, aber er meidet harte Zweikämpfe und kann nicht so flanken wie sonst. "Kurzum, ihm fehlt im Fußgelenk die Kraft, um Fußball zu spielen", meint die Zeitung "El País". Der Portugiese steckt in einer Zwickmühle. Einerseits müsste er zur Ausheilung der Verletzung eigentlich pausieren. Andererseits hat er mit internationalen Konzernen hoch dotierte Werbeverträge geschlossen (man spricht von zehn Millionen Euro), da würde es sich gut machen, wenn er in der Champions League und bei der WM im Rampenlicht stünde.

Das Finale in Glasgow möchte Figo - ebenso wie Zidane - unbedingt gewinnen. Der Titel des Europacupsiegers fehlt den beiden Weltfußballern der Jahre 2000 und 2001 noch in ihren Trophäensammlungen.

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