Von der Journalistin zur Kanzlergattin
Doris Schröder-Köpf: Die Medienwächterin

Kanzlergattin, Mutter, Journalistin, Hausfrau, Buchautorin, Schirmherrin - Doris Schröder-Köpf hat schon früh klar gemacht, dass sie nicht auf eine einzige Rolle festgelegt werden will. Sie schlüpft in die, die gerade passt. Und deshalb nimmt die 39-jährige Kanzlergattin auch die Widersprüche in Kauf, die sich aus dieser Vielfalt ergeben.

BERLIN. Wegen der Tochter lebt sie in Hannover, während Gerhard Schröder die meiste Zeit von Berlin aus regiert. Als Kanzlergattin steht sie auch bei repräsentativen Auftritten im Hintergrund, als Schirmherrin verschiedener Sozialprojekte tritt sie hingegen öffentlich und offensiv auf. Mit Bemerkungen über die Bedeutung der Erziehung will sie überparteilich wirken - doch sie kämpft auch für die rot-grüne Regierung. "Absolut professionell" lautet das Urteil, dass die Personen in ihrer Umgebung für den immer souveräneren Rollenwechsel finden.

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl ist jedoch weniger klar, in welcher Funktion sie auftritt. So hat sich die gelernte Journalistin gerade in einem offenen Brief an die Verlegerin Friede Springer gewandt und über eine "Bild"-Kolumne zum Hochwasser beschwert. "Ich war einfach empört, dass darin alle Politiker mit der Bemerkung verunglimpft werden, meist würden sie die Menschen ins Elend führen", begründet sie ihren Schritt. Deutschland sei nicht im Elend. Und ihre Stimme drückt den ganzen Ärger aus, weil sie sicher ist, dass mit solchen Texten nur die Politverdrossenheit geschürt wird.

Dagegen will sie mit ihren Mitteln kämpfen - mit Kolumnen und einem Buch, das Kindern die Politik erklärt. "Und dieses Werben um Verständnis, wie Demokratie funktioniert, ist parteiunabhängig gemeint", betont sie.

Doch weil ihr Brief auch auf der Gerhard-Schröder-Homepage steht und die SPD-Pressestelle das Schreiben verteilt, ist er ein Politikum. Das weiß die Kanzlergattin. Und die Ex-"Bild"-Mitarbeiterin weiß auch, dass man sich daran erinnert, wer erst vor wenigen Tagen die Springer-Presse ins Visier genommen hatte. Bevor in der Bonusmeilen-Affäre der Kanzler und der SPD-Generalsekretär dem Verlag Parteilichkeit vorwarfen, hatte sie dies bereits getan - und dazu beigetragen, dass aus der Flug- eine Mediendebatte wurde.

Die Rolle als Medienwächterin ist für Doris Schröder-Köpf nicht neu. In den vergangenen dreieinhalb Jahren als Kanzlergattin hat sie nie gezögert, gegen von ihr empfundene journalistische Grenzüberschreitungen zu Felde zu ziehen - vor allem, wenn es darum geht, ihre Tochter, ihren Mann und sich selbst zu schützen.

Unerbittlich und mit juristischen Mitteln hat sie etwa dafür gesorgt, dass die Medien ihre Tochter Klara nicht ins Rampenlicht zerren, ihrem Mann keine Affäre mit einer Leibwächterin angehängt wird - und ihr selbst kein überteuertes Büro im Kanzleramt. Sie selbst hat dies stets mit dem Ärger über falsche Berichterstattung und die Verletzung der Privatsphäre begründet. Aber es liegt auch an ihrem politischen Gespür, sich so verbissen etwa gegen die Behauptung zu wehren, der Kanzler töne sein Haar. Denn aus ihrer Zeit in der Boulevardpresse glaubt sie zu wissen, wie die Glaubwürdigkeit von Politikern zerstört werden kann.

Um zu punkten, wählt die gebürtige Bayerin auch den direkten persönlichen Kontakt. Etwa bei Friede Springer, mit der sie nicht etwa auf Kriegsfuß steht, sondern sich in Berlin auch zum Tee trifft. Einen Bundespresseball nutzt die zierliche Frau schon einmal für eine Bemerkung von Kanzlergattin zu Verlegerin, damit die "Welt am Sonntag" eine despektierliche Berichterstattung über ihr Büro im Kanzleramt einstellt.

Dass Schröder-Köpf damit und durch ihr starkes sozialpolitisches Engagement eine andere Rolle spielt als frühere Kanzlerfrauen, ist ihr bewusst - und von der SPD zurzeit gewollt. Schließlich kann sie gerade die weibliche Wählerschaft von Rot-Grün daran erinnern, für welches Frauenbild diese Regierung stehen will. Dabei hilft, dass sich wie beim Bundeskanzler auch bei ihr kaum unterscheiden lässt, wo die Pflichten des Amtes enden und wo der Wahlkampf beginnt, zum Beispiel bei ihren TV-Auftritten zur Hochwasserhilfe. Das kommt gut an. In den Umfragen von Frauenzeitschriften liegt sie regelmäßig vor Karin Stoiber, der Frau des Kanzlerkandidaten.

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