Von der Provinz zur Meisterschaft?
Motivator mit lädierten Stimmbändern

Rich Chermonaz hat trotz junger Trainerkarriere bereits seine ganz eigenen Motivationsstrategien entwickelt und schont sich dabei zuletzt. Der Erfolg gibt ihm Recht. Die Chancen stehen gut, dass er der Frankfurter Eishockeymannschaft zum ersten deutschen Meistertitel verhilft.

HB BERLIN. Rich Chernomaz ist heiser. "Macht nichts", sagt er. "Das geht mir schon seit fünf Wochen so. Man muss seine Spieler jeden Tag motivieren, immer einen neuen Weg der Ansprache finden." Sonst höre irgendwann keiner mehr zu. Der Job eines Eishockey-Trainers bringe nun mal mit sich, dass die Stimmbänder lädiert seien. "Besonders nach Niederlagen. Da sollte man mir lieber nicht über den Weg laufen." In diese Situation kamen die Spieler des 40-jährigen Kanadiers zuletzt selten. Die Frankfurt Lions sind die Überraschungsmannschaft der Deutschen Eishockey-Liga und führen in der Finalserie gegen die Berliner Eisbären 2:1. Ein Sieg fehlt noch und Frankfurt wäre zum ersten Mal Deutscher Meister. Morgen treffen beide Teams in Frankfurt aufeinander.

Chernomaz, ein ehemaliger Eishockey-Profi, gilt als großer Motivator und hat trotz kurzer Trainerkarriere großen Erfolg vorzuweisen. Anfang 2002 hatte er die Kölner Haie als Interimstrainer übernommen. Das Team galt als zerstritten, Kotrainer Chernomaz sollte die Saison nur zu Ende bringen. Es kam anders: Die Haie marschierten mit ihm durch bis zur Finalserie, die sie in fünf Spielen gegen Mannheim für sich entschieden. Das hatte Chernomaz kaum einer zugetraut, denn viel Erfahrung als Trainer hatte er nicht. Er hatte seine Spielerkarriere erst 1999 beendet, danach war er für zwei Jahre Trainer beim Provinzklub Schwenningen. "Das war meine Lehrzeit und sie begann komisch. Im Jahr zuvor hatte ich da noch gespielt, dann musste ich meinen ehemaligen Mitspielern Kommandos geben."

Danach wurde er zunächst Kotrainer in Köln. Nachdem er dort als Chef Meister wurde, wurde er entlassen. Hans Zach hatte schon vor dem Titelgewinn einen Vertrag in Köln unterschrieben. Erst als ein halbes Jahr später die Augsburger Panther ihren Trainer entließen, hatte er wieder Arbeit. Wieder nur Eishockey-Provinz. Immerhin: Chernomaz rettete Augsburg vor dem Abstieg. Wieder einmal wurde er als Retter gefeiert. Mit den Lions, die im Vorjahr nur durch die Insolvenz von Schwenningen dem Abstieg entgingen, konnte er endlich einmal von vorn anfangen. "Erfolg basiert auf einen Prozess. Das geht im Trainingslager los. Du hast nur die Spieler, die du hast. Das muss du als Trainer verinnerlichen, du musst ihre Philosophie kennen lernen" - und umgekehrt. Das sei aber nicht alles. Chernomaz spricht von einer perfekten Organisation, das Umfeld müsse stimmen. "Wichtig ist, dass du den Spielern keine Möglichkeit der Entschuldigung für eine schlechte Leistung gibst."

Doch schlechte Leistungen bietet sein Team derzeit ohnehin nicht. Schon morgen könnte Chernomaz wieder gefeiert werden - als Meistertrainer.

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