Von der Universität suspendiert
Kläger im Trainingsanzug

Footballspieler Maurice Clarett ist mit 19 Jahren zu jung für die Profiliga NFL - er will seinen Einsatz vor einem Bundesgericht durchsetzen.

NEW YORK. Er sei ein stiller Typ, der sich nicht in den Vordergrund dränge, so steht es in seiner Spielerbiografie des Colleges Ohio State. Wenn sich die Verfasser da mal nicht geirrt haben, denn Footballspieler Maurice Clarett schlägt gerade so richtig Krach. Vor Beginn seiner zweiten Saison suspendierte ihn seine Universität für ein Jahr, weil er Zahlungen entgegengenommen hatte, die ihm als Collegeamateur nicht zustehen. Deswegen hängt ihm ein Strafverfahren an. Jetzt verklagte der 19-Jährige die National Football League (NFL) vor einem Bundesgericht in Manhattan.

Weil er wegen seiner Verstöße nicht am College spielen darf, will er in die NFL, doch die Liga lässt nur Spieler zu, die seit mindestens drei Jahren die Highschool verlassen haben. Für Clarett eine unzulässige Einschränkung seines Rechts auf freie Berufsausübung. Der Ausgang der Gerichtsverhandlung ist offen. Zwar sagt NFL-Commissioner Paul Tagliabue, dass er die Regeln nicht ändern wird. Die besseren Chancen werden aber dem Jungen eingeräumt, denn die NFL ist die einzige Liga, die an einem Mindestalter festhält. Jüngere Spieler seien den Anforderungen weder körperlich noch emotional gewachsen, heißt es.

Sollte Clarett den Prozess gewinnen, könnte das eklatante Folgen für die NFL haben. Die National Basketball Association (NBA) hat es vorgelebt. Zwar ist in der NBA die Altersgrenze schon 1971 gefallen, als eine Klage von Olympiasieger Spencer Haywood bis vor das oberste Gericht ging. Doch der Boom an jungen Spielern kam erst, nachdem die NBA auch die Ersatzregel ("Frühabgänger" vom College mussten Bedürftigkeit nachweisen) fallen ließ. Weil das Geld lockte, trieb es junge Talente in Scharen in die bis dahin florierende Liga.

Doch in den vergangenen zehn Jahren sind die TV-Quoten der NBA um 42 Prozent gefallen - und mit ihnen Sponsoreninteressen. Mit dem Zulauf der Teenager kam ein Einbruch im Spielniveau. Haywood, der mit seiner Klage diese Entwicklung erst ermöglichte, äußert heute Bedauern. "Diese Kinder verlassen zum Teil schon nach der neunten Klasse die Schule, spielen Basketball und verweigern eine bessere Ausbildung. Ich habe ein Monster geschaffen", sagt er. "Wenn ich Clarett einen Rat geben dürfte, dann würde ich ihm sagen, er solle das College beenden. Lasst Football jetzt nicht so herunterkommen wie Basketball."

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