Von der Vorbereitung auf die neue Währung ist wenig zu spüren
Die Griechen lieben den Euro, aber sie kennen ihn nicht

Mit der Gemeinschaftswährung Europas verschwindet auch die älteste Währung des Kontinents, die Drachme. Den Griechen ist der Euro willkommen, doch wissen sie bisher noch wenig über ihn.

19.4.2001 ghö ATHEN. Mit einem Kraftakt, der selbst Optimisten überraschte, schaffte Griechenland im Frühjahr 2000 die Euro-Qualifikation. Seit dem 1.1.2001 sind die Griechen Mitglied der Wirtschafts- und Währungsunion. Doch bei den Vorbereitungen auf das neue Geld hapert es noch.

Der Euro ist in Griechenland willkommener als in fast allen anderen EU-Ländern. Über 70 % der Hellenen begrüßen die neue Währung. Der Abschied von der Drachme, immerhin das älteste Zahlungsmittel Europas, fällt den meisten Menschen leicht, denn das Griechengeld war bis in die jüngste Vergangenheit eine überaus weiche Währung.

Die Griechen freuen sich auf den Euro, wissen aber bisher wenig über das neue Geld. Wie lange wird man noch Drachmen hinblättern können, wann muss man Euro zücken? Bis wann können die bisher gültigen Noten umgetauscht werden, wo und zu welchem Kurs? Nicht nur in griechischen Kaffeehäusern wird man keine Antworten auf diese Fragen bekommen. Selbst viele Geschäftsleute zwischen Thessaloniki im Norden und Heraklion im Süden sind ahnungslos. Dass die Drachme seit dem 1.1.2001 formal nur noch ein Substitut für die bereits eingeführte neue Währung ist, wissen die wenigsten Griechen.

Viel handgemalte Preisschilder ohne Euro-Zeichen

Zwar müssen seit dem 1. März die n Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen ihre Preise auch in Euro ausschreiben. Aber das klappt nur in den größeren Supermärkten reibungslos. Viele kleine Geschäfte, Restaurants und Gewerbetreibende kennen weiterhin nur die Drachme und verfügen auch noch gar nicht über Euro-taugliche Registrierkassen. Auf den handgemalten Preisschildern der Wochenmärkte ist das Euro-Zeichen erst recht noch unbekannt.

Seit Anfang dieses Jahres finden die Griechen zwar die Saldi auf ihren Kontoauszügen auch in Euro, und an der Athener Börse wurden die Kursnotierungen ebenfalls am ersten Handelstag des Jahres auf die neue Währung umgestellt. Ansonsten aber begegnet den Griechen das künftige Geld noch sehr selten. Immerhin plant das Athener Ministerium für Wirtschaft und Finanzen, ab Jahresmitte eine Informationskampagne zu starten.

Manche Beobachter meinen, dass alle Beteiligten - die Regierung, die Notenbank, die Geschäftsbanken und der Handel - die mit der bevorstehenden Umstellung verbundenen Schwierigkeiten eher unterschätzen. Hinzu kommt die griechische Neigung, vieles auf die lange Bank zu schieben - in der empirisch allerdings nicht ganz unberechtigten Hoffnung, dank der sprichwörtlichen hellenischen Improvisationstalente in letzter Minute doch noch alles auf die Reihe zu kriegen.

Viele logistische Probleme

Allerdings stehen gerade die Griechen beim Austausch der Währungen vor großen logistischen Problemen. Sie ergeben sich aus der Geografie eines Landes mit tausenden Bergdörfern und hunderten Inseln, der unzulänglichen Verkehrs-Infrastruktur, aber auch aus der Besonderheit, dass der bargeldlose Zahlungsverkehr noch unterentwickelt ist und die Griechen daher ungewöhnlich hohe Bargeldbestände halten.

Den einzelnen Geschäftsbanken obliegt es, die Umtauschaktion selbst und auf eigene Kosten zu organisieren. Noch am einfachsten wird es sein, die Geldautomaten in der Silvesternacht mit den Euro-Scheinen zu bestücken. Christos Kefalas, Beauftragter für die Euro-Umstellung bei der Alpha Bank, dem zweitgrößten Kreditinstitut des Landes, ist zuversichtlich, dass die 750 ATMs seiner Bank spätestens zur Mittagszeit am Neujahrstag mit der neuen Währung und der entsprechend modifizierten Software ausgestattet sind.

Ab 1. Oktober, so der von der griechischen Zentralbank festgelegte Zeitplan, können die Geschäftsbanken bei den 27 Zweigstellen der Notenbank zunächst Euro-Münzen und ab 1.11. 2001 Scheine beziehen. Von diesem Termin an werden die Banken ihrerseits Unternehmenskunden zunächst mit Münzen und ab 1.12. mit Euro-Noten versorgen. Die so genannten Starterkits wird es in Griechenland nicht geben.

Die logistischen Fragen der Währungsumstellung seien aber nicht das größte Problem, meint der Euro-Beauftragte Kefalas. Die eigentliche Herausforderung liegt nach Einschätzung des Alpha-Bankers darin, mit einer breiten Informationskampagne die tatsächliche Akzeptanz der Währung sicherzustellen.

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