Von drei Faktoren gestützt
Euro stabilisiert sich über der Marke von 90 US-Cent

Der Euro hat am Freitag weiterhin von der überraschenden Zinssenkung durch die Fed am Mittwoch profitiert und sich über der Marke von 90 US-Cent eingependelt. Zum einen habe die Senkung die Bedenken genährt, der US-Wirtschaft könnte es schlechter gehen als bislang angenommen, begründeten Händler unter anderem die Kursgewinne der Gemeinschaftswährung.

rtr FRANKFURT. Auch liege der US-Schlüsselzins mit 4,50 % jetzt um einen Viertel Prozentpunkt unter dem vergleichbaren Satz in der Euro-Zone, was Anlagen in Euro attraktiver mache.

Gegen 18.00 Uhr MESZ notierte der Euro mit 0,9031/36 $ deutlich über dem am Nachmittag fest gestellten EZB-Referenzkurs von 0,8989 $ und dem New Yorker Vortagesschluss von 0,8966/70 $. Zur japanischen Währung lag der Euro bei 110,60/65 Yen. Die US-Valuta kostete 122,42/47 Yen nach 121,09/17 Yen am Vorabend in New York.

Der Euro wird nach Einschätzung von Händlern von verschiedenen Faktoren gestützt. Erstens habe die Fed durch ihre überraschende und hohe Zinsreduktion die Befürchtungen genährt, die konjunkturelle Abschwächung in den USA könnte deutlicher ausfallen als bisher angenommen worden sei. "Der Euro war der größte Profiteur am Devisenmarkt, weil die überraschende Fed-Zinssenkung die Sorgen bezüglich der US-Wirtschaft bestärkt hat", sagte Francesca Fornasari, Analystin von Lehman Brothers in London.

Druck auf EZB hat sich erhöht

Zweitens liege der Leitzins in der Euro-Zone mit 4,75 % nun erstmals seit Bestehen der Europäischen Währungsunion über dem US-Satz, sagten Händler. Diese Tatsache ist nach Einschätzung von Marktteilnehmern ein weiterer Grund für die jüngste Kursrally der Gemeinschaftswährung. "Die massiven Kapitalumschichtungen in Richtung Euro-Zone sind nicht zu übersehen", sagte ein Händler.

Außerdem habe sich durch die Fed-Entscheidung der Druck auf die EZB erhöht, ebenfalls die Leitzinsen zu senken, sagten Händler. Dies würde zwar einerseits den Zinsvorteil dämpfen, auf der anderen Seite aber die Wachstumserwartungen für die Euro-Zone erhöhen. Am Markt setze sich die Erwartung durch, die EZB werde schon in der kommenden Woche einen geringeren Zinssatz beschließen. Von Seiten der EZB selbst gab es jedoch keine Signale in diese Richtung. Vielmehr bekräftigten zahlreiche Euro-Währungshüter am Donnerstag die abwartende Haltung der Zentralbank und betonten, es gebe keine Notwendigkeit dem Schritt der Fed zu folgen. So sagte EZB-Direktoriumsmitglied Sirkka Hämäläinen der Tageszeitung "Le Monde", die Preisrisiken in der Euro-Zone seien zwar gesunken, aber noch nicht verschwunden. Außerdem betonte sie, die EZB treffe ihre geldpolitischen Entscheidungen unabhängig von den Forderungen der Märkte und der Politik.

Fed-Entscheidungen werden Wirkung zeigen

Die jüngsten Zinssenkungen der Fed werden nach Einschätzung von US-Finanzminister Paul O'Neill bald Wirkung zeigen. Die Entwicklung von Euro und Dollar wollte der US-Finanzminister in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC nicht kommentieren. "Ich bin für einen starken Dollar. Wir haben einen starken Dollar und wir haben eine Wirtschaft, die einen starken Dollar verdient...", sagte er lediglich. An den Finanzmärkten waren in der letzten Zeit erneut Spekulationen aufgekommen, die USA könnten angesichts des wachsenden Drucks seitens der US-Exporteure von ihrer Politik des starken Dollar abweichen.

Nach Einschätzung von Londoner Chart-Analysten hat der Euro zurzeit ein deutliches Aufwärtspotenzial. Sollte der Euro zum Dollar die Widerstandsmarke bei 0,9090/0,91 $ erstmals seit dem 5. April durchbrechen, könne die Gemeinschaftswährung wieder ihr im Januar erreichtes Jahreshoch von rund 96 US-Cent erreichen, sagten die Experten. "Wenn wir uns auf den Weg über die 0,91 $ machen, spricht nichts gegen das mittelfristige Erreichen der 0,96 $ und der Parität in wenigen Monaten", sagte Elizabeth Miller von Redtower Research.

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