Von einem niedrigen Ertrag kann die Staatskasse auch profitieren
Die UMTS-Versteigerung droht in den Niederlanden ein Flop zu werden

BRÜSSEL. Die Versteigerung der niederländischen Lizenzen für die dritte Mobilfunk-Generation UMTS könnte eine herbe Enttäuschung für Finanzminister Gerrit Zalm werden. Die bisher gebotene Summe von 1,1 Mrd. hfl ist ein Bruchteil des von ihm geschätzten Ertrages von 20 Mrd. hfl (9,1 Mrd. Euro). Fast alle Analysten denken, dass dieses Ziel nicht erreicht wird.

Ein niedriger Ertrag könnte für die Staatskasse aber auch günstig sein. Die Furcht vor hohen Preisen hat in den Wochen vor der Auktion zum Kursverfall von KPN beigetragen. Das schmerzt Zalm, der den Staatsanteil von 43 % verkaufen möchte. Im März war KPN 150 Mrd. hfl wert gewesen. Derzeit beträgt die Marktkapitalisierung nur noch 102 Mrd. hfl. Diese Lücke kann keine Versteigerung füllen. Durch die niedrigen Anfangsgebote festigte sich der Aktienkurs von KPN etwas. Vielleicht hofft Zalm inzwischen auf einen niedrigen Ertrag.

Seit knapp zwei Wochen balgen sich im Kurhaus des Seebades Scheveningen sechs Konsortien um fünf Frequenzen. Doch der voraussichtlich bis Anfang August dauernde Wettbewerb kommt nur mühsam in Gang. Zu tief sitzt der Schreck über die bei der britischen Versteigerung im Mai erzielten horrenden Preise.

Zudem lässt die stark geschrumpfte Bieterzahl und der dadurch schwache Wettbewerb die Konsortien hoffen, dass die Lizenzkosten niedrig bleiben und sich, anders als befürchtet, relativ rasch bezahlt machen werden. Vor der Auktion hatten die fünf niederländischen Mobilfunker (Ben, Dutchtone, Libertel, KPN Mobile und Telfort) vergeblich versucht, das angeblich preistreibende Verfahren zu verhindern.

Die erst mit Spannung erwartete, inzwischen als "schrecklich langweilig" bezeichnete Auktion könnte einen Vorgeschmack geben auf die deutsche Versteigerung, für die die Bieterzahl auch schrumpfte. Die Regierung in Berlin sollte sich nicht zu viel erhoffen, meinen Beobachter. Den Haag hat sich überdies offensichtlich mit dem Versteigerungsystem selbst ausgetrickst. In den ersten Bietrunden hatten fast alle Konsortien statt Geboten so genannte "Passkarten" eingereicht. Sie durften nur im Anfangsstadium der Auktion benutzt werden. Weil beim Fehlen eines Gebots der Preis der betreffenden Frequenz laut den Regeln um ein Drittel sank, sackte der Preis von vier der fünf Lizenzen vom Mindestgebot von 100 Mill. hfl auf Null. Die niederländische Presse beurteilte das Regelwerk als schlecht.

Inzwischen müssen die Konsortien ihr Gebot um mindestens zehn Prozent anheben, wenn ein Konkurrent ihr letztes Gebot übertraf. Vergangene Woche ging der Poker vor allem um die großen Lizenzen A und B. Deren Preise stiegen relativ schneller als die von C, D und F, für die die Gebote immer noch vor sich hin dümpeln. Bislang gingen Spekulationen nicht auf, dass der Außenseiter Versatel, der als einziger kein niederländisches Mobilfunknetz hat, rasch aufgeben werde und die Auktion somit schnell über die Bühne ginge. Der niederländische Festnetzbetreiber bietet auch ohne kapitalkräftigen Partner für eine der drei kleineren Lizenzen.

Die großen Lizenzen bieten etwa 50 % mehr Kapazität als die kleinen. Vor allem für den Marktführer KPN Mobil und Libertel als Nummer zwei ist es laut Analysten wichtig, eine Lizenz zu ergattern. Die Chancen stehen für KPN Mobil gut seit mit dem japanischen Telekomriesen NTT Docomo ein finanzstarker Partner gefunden wurde. Er beteiligte sich zu 15 % an KPN Mobil. Libertel ist eine Tochter der britischen Vodafone. Kein Wunder, dass beide Konsortien führen vor der überraschend mitbietenden, viel kleineren Telfort (British Telecom). Die Höchstgebote vom Freitag aber liegen weit von den vom Finanzminister angepeilten 4 bis 6 Mrd. hfl entfernt.

Das brachte die Koalitionsfraktionen auf den Plan. Sie wollen die Schwächen des Systems eventuell prüfen lassen. Abgeordnete der mit den Sozialdemokraten regierenden Rechts- und Linksliberalen wollen vom Verkehrsministerium wissen, ob die Bieter anfangs eventuell unerlaubt kooperierten.

Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin
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