Von einem Rekord zum anderen
China ist für deutsche Autobauer eine Goldgrube

Die Volksrepublik China hat den großen Pkw-Absatzmärkten derzeit eines voraus: Wachstum. Während in Nordamerika und Westeuropa die Nachfrage sinkt, eilt das kommunistisch regierte Land von einem Rekord zum anderen. 2001 wurden nach Angaben des chinesischen Automobilverbandes CATARC 17,7 Prozent mehr Pkw verkauft, im vergangenen Jahr betrug das Plus sogar 56 Prozent auf 1,126 Millionen Einheiten.

vwd HAMBURG. Besonders interessant sind neben den Wachstumsperspektiven aber die Ertragschancen. Vor allem ältere Modelle wurden bislang zu höheren Preisen als in den etablierten Märkten angeboten. "Die Durchschnittserlöse sind erheblich höher", bestätigt ein hochrangiges Vorstandsmitglied aus der deutschen Pkw-Industrie. Mittlerweile werden allerdings auch verstärkt neue Modelle angeboten, wie beispielsweise der Audi A4 oder der VW Passat.

VW ist Vorreiter in China

Insgesamt haben die deutschen Hersteller mit einem Marktanteil von gut 45 Prozent eine starke Position. Dies liegt vor allem an der exponierten Stellung des Volkswagen-Konzerns. Allein 513 000 Pkw verkauften die Wolfsburger zusammen mit der Ingolstädter Tochter Audi. Dass VW dort nahezu die alleinige Vorherrschaft innehat, ist auch der umsichtigen Strategie des früheren Vorstandsvorsitzenden Carl H. Hahn zuzuschreiben. Bereits 1978 gab es erste Kontakte zur damaligen chinesischen Regierung unter Deng Xiaoping, der Durchbruch aber kam 1985 mit dem ersten Joint Venture in Shanghai.

Das frühe Engagement zahlt sich aus: Mittlerweile verfügt VW über eine Produktionskapazität von 750 000 Einheiten - zu wenig für die ehrgeizigen Zukunftspläne. Denn bis 2007 soll der Absatz eine Mio Stück erreichen. Daher wird derzeit intensiv über den Bau eines neuen Werkes entschieden. Einziger Wermutstropfen: Das Volumenwachstum findet sich nicht in gleichem Maße im Konzernergebnis wieder, da es durch die IAS-Regularien nur "at equity" bilanziert werden darf und sich dies im Finanzergebnis durch gezahlte Dividenden niederschlägt.

Trotzdem wird China, wie Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder sagt, auch 2003 das einfahren, was der Konzern erst 2004 wieder erwartet - Rekordergebnisse.

BMW und Daimler-Chrysler ziehen allmählich nach

Auch bei BMW hat man sich auf den China-Boom eingestellt und startet mittels eines Joint Venture mit dem Minibus-Hersteller Brilliance China Automotive im zweiten Halbjahr die örtliche Produktion. Die Münchener wollen dabei ihre "Premium-Karte" ausspielen und, wie Vorstandsvorsitzender Helmut Panke kürzlich ausführte, zum führenden Anbieter von Luxus-Fahrzeugen bei der chinesischen Privatkundschaft avancieren. Die Klientel, die sich die Fahrzeuge der gehobenen Preiskategorie (3er, 5er) werden leisten können, wird auf eine halbe Mio geschätzt.

Noch ist das Volumen allerdings relativ klein. Gerade mal knapp 6700 Fahrzeuge wurden 2002 abgesetzt, immerhin aber eine Steigerung um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bis 2006 soll das Produktionsvolumen vor Ort auf 30 000 Einheiten erhöht werden.

Noch nicht soweit ist dagegen Daimler-Chrysler. Während der chinesische Staatsrat die Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen bei BMW bereits abgesegnet hat, befinden sich die Stuttgarter noch im Verhandlungsstadium mit mehreren lokalen Partnern. Immerhin 8 000 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr in China abgesetzt. Ein Joint Venture mit lokaler Produktion dürfte jedoch eine Verdreifachung dieser Zahlen möglich erscheinen lassen.

Einen Porsche werden sich aber wohl auch in Zukunft nur wenige Chinesen leisten wollen bzw können. Mittelfristig rechnet man in Zuffenhausen mit einem Absatz von rund 500 Sportwagen, 2001/02 (30. Juli) waren es 335 Stück. Vorsichtshalber wird aber demnächst in Shanghai der zweite Show-Room nach Peking eröffnet.

In China, "einer der letzten Märkte, auf denen organisches Wachstum möglich ist", wie Analyst Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim bemerkt, dürfte also für die deutschen Hersteller ein Fokus des künftigen Geschäfts liegen. "Der Veteilungskampf setzt aber erst noch ein", so Juchemich. Bei VW zumindest wurde zu Jahresbeginn in China bereits ein höherer Absatz als auf dem deutschen Heimatmarkt verzeichnet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%