Von einer Offensive ist in Rabat noch nichts zu merken
Kommandeur Mustafa nimmt ein Sonnenbad

Eingewickelt in seinen Schal liegt Mohammad Mustafa auf seiner Decke und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Sein Kanarienvogel leistet ihm Gesellschaft - die Idylle ist fast perfekt. Von ferne dröhnt der Lärm der US-Luftangriffe. Mohammed Mustafa ist ein Kommandeur der oppositionellen Nordallianz.

afp RABAT. Er sitzt mit seinen Männern in Rabat, einem kleinen Ort nördlich von Kabul, nur zwei Kilometer von der Front entfernt. Hier können sich die Kämpfer der Taliban und die der Nordallianz fast in die Augen blicken. Seit Wochen haben sie sich hier verschanzt - und bewegen sich kaum von der Stelle.

Vor Mazar-i-Scharif weiter oben im Norden rücken die Kämpfer der Nordallianz vor, unterstützt von den US-Luftangriffen. Doch in Rabat tut sich nicht viel: "Die Taliban haben uns gestern mit Granatwerfen attackiert. Vorher haben die USA vier Bomben auf sie abgeworfen", erzählt Mustafa gelangweilt. Der zweiwöchige Bombenhagel hat nach seinen Angaben nichts bewirkt: "Erst haben die Amerikaner die vorderste Frontlinie bombardiert, da sind ihre Bomben zum Teil auch auf unser Gebiet gefallen. Jetzt bomben sie von hinten, und die Taliban verstecken sich in den Schützengräben."

Auch ihre Bewegungsfreiheit haben die Taliban nicht eingebüßt, meint Mustafa. In der Schomali-Ebene und am Fuß des Koh-i-Safih-Gebirges, wo die Straßen nach Kabul entlang führen, wirbeln ihre Autos Staubwolken auf. "Die transportieren von morgens bis abends Männer durch die Gegend", sagt der Kommandeur verbittert und reicht seinem Kanarienvogel noch etwas Futter.

Zwei US-Kampfjets tauchen am blauen Himmel auf und werfen nach und nach zehn Bomben auf die Stellungen der Taliban. Dank der Luftangriffe seien die Taliban unbeweglich und unfähig zu schießen, kommentiert das US-Verteidigungsministerium im fernen Washington seine Strategie. Doch in Rabat geht sie nicht auf: Zischend zieht eine Kugel über Mustafas Kopf hinweg. Er kriecht schnell zu seinen Männern aufs Dach, um dem Feind nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten.

Ein paar Kilometer westlich steht Kommandeur Maimanah mit seinen Männern. Die US-Luftangriffe haben schon ihre Wirkung, sagt er: "Die Bombardements haben zu Verlusten beim Gegner geführt." Die Amerikaner zerstörten die Häuser und die Ausrüstungen der Taliban. Aber: "Ihre Kämpfer müssen wir uns schon selbst vornehmen", meint Maimanah. Er hat genug davon, auf das Signal zum Angriff zu warten. Doch die versprochene Verstärkung kommt nicht. Männer und Material hängen rund 30 Kilometer weit entfernt fest.

Auch Kommandeur Mustafa wartet weiter ab. Benzin gibt es nicht, Munition hat er auch keine. Also konzentriert er sich auf seinen Kanarienvogel. Vielleicht wird er ihm bald das Singen beigebracht haben.

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