Von exotischer Schau zur fast normalen Automesse
Auto-Salon entdeckt den Sinn fürs Praktische

Die Automobilbranche zeigt auf ihrer europäischen Frühjahrsmesse in der Schweiz interessante neue Modellen in anspruchsvollen wie neuartigen Segmenten. Der Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt.

GENF. "Salon" heißt es in Genf nicht ohne Grund, die Frühjahrsschau hat sich in der Vergangenheit eher als eleganter Branchentreff mit prominenten Besuchern verstanden denn als Trendmesse wie etwa die IAA in Frankfurt. Doch auch am Genfer See haben sich die Zeiten geändert. Der Markt ist zu hart umkämpft, als dass die Hersteller zu Gunsten eines lediglich gesellschaftlichen Ereignisses die Gelegenheit verstreichen lassen könnten, mit zahlreichen Neuheiten, kreativen Ideen und Nischenkonzepten auf sich aufmerksam zu machen.

So versucht nun auch der 72. Genfer Salon dem automobilen Zeitgeist Rechnung zu tragen, indem er neue Trends aufzeigt. Anders als in vergangenen Jahren werden weniger "Showcars" genannte exotische bis skurrile Studien ins Rampenlicht gerückt, sondern mehr seriennahe Konzeptfahrzeuge.

Dass Mercedes-Benz die Wiederauferstehung der Superluxusmarke Maybach kommuniziert, hat natürlich einen strategischen Hintergrund. In Kürze wird es in diesem "High-End"-Segment zu einer kaum für möglich gehaltenen Wettbewerbsdichte kommen. Zahlreiche Hersteller werden mit Karossen ab 250 000 Euro aufwärts um weltweit nicht einmal 2 500 Kunden streiten.

Obwohl der Maybach erst auf dem Pariser Salon im Herbst sein Debüt geben wird, will Mercedes vor dem bekannt zahlungskräftigen Publikum des Genfer Salons schon das richtige Klima schaffen. Neben einem bildschönen Maybach aus den 30er-Jahren kann der Besucher durch ein dunkel getöntes Panzerglas einen Blick auf die schemenhaften Konturen der Neukonstruktion werfen.

Daneben blieb verständlicherweise dem in Genf Weltpremiere feiernden Mercedes CLK-Coupé der ganz große Auftritt verwehrt. Auf den Zweitürer auf Basis der C-Klasse fiel nur noch ein mildes Blitzlichtgewitter. Vielleicht aber auch deshalb, weil der neue CLK in seiner ganzen, zweifellos sehr eleganten Anmutung mehr zum Herrenfahrer-Coupé geworden ist.

So betrachtet wirft selbst die Überraschung des Genfer Salons, der Skoda Tudor, dem Mercedes CLK den Fehdehandschuh hin. Das große Coupé aus Tschechien verfügt über ein Karosseriekleid, das kaum jemand der VW-Tochter zugetraut hätte. Von einem Mercedes wie dem CLK dagegen wird soetwas erwartet. Noch ist der Tudor eine Studie, allerdings eine seriennahe. Ob und wann er gebaut wird, steht in den Sternen.

Voll erfüllen dürfte die Erwartungen seiner Schöpfer der Espace-Nachfolger, der noch als Konzeptauto getarnte Großraumwagen vom europäischen Minivan-Pionier Renault. Innen wie außen haben sich die Franzosen auch beim neuen Espace ganz dem mit Vel Satis und Avantime eingeschlagenen Weg einer progressiven Formensprache verschrieben. Wieder in zwei Karosserielängen (4,67 und 4,87 m) vorgesehen, spricht die Neuauflage mehr als alle seine Vorgänger die avantgardistisch geprägte Minivan-Kundschaft an.

Peugeot, der andere große französische Hersteller, geht da lieber klassische Wege, wenn auch, wie die beiden Kombi-Weltpremieren der Modellreihen 206 und 307 zeigen, auf sehr zeitgemäße Art und Weise. Sie ragen höher auf als die meisten Wettbewerber und folgen damit dem Trend, durch Höhe mehr Raum auf kompakter Verkehrsfläche zu schaffen.

Nicht mehr lange wird es dauern, bis sich auch am unteren Ende der Minivan-Gesellschaft eine neue Klasse etabliert. Der Ford Fusion, seine Markteinführung ist für Spätsommer vorgesehen, und das in Genf gezeigte M-Konzept von Opel auf Corsa-Basis, dessen Erscheinen ebenfalls nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, sind erste Vorboten.

Die Welle der "Crossover" genannten Fahrzeugkreuzungen sowie der Geländewagen und Minivans strebt mit dem Genfer Salon einem neuen Höhepunkt zu. Volvo zeigt mit relativ einfachen, aber durchaus auffälligen Mitteln, wie aus einem XC70 (Allradkombi) einen "Wintersportler" mit superbreiten Spikereifen, einem neuen Innenraumkonzept einschließlich Schlafsäcken und Schlittschuhen, in mattsilbernem Außenlack sowie orangefarbenem Unterbodenschutz ein überaus individuell zugeschnittenes Allzweckmodell geschneidert wird.

Das PSA-Eurovan-Konzept von Peugeot/Citroën und Fiat/Lancia tritt in Genf mit neuem Quartett an - in gefälligem Karosseriekleid zwar, aber doch weit entfernt von der Individualität des neuen Renault Espace. Allenfalls der Lancia Phedra mit seinem elitär anmutenden Kühlergrill kann auf eine gewisse Noblesse verweisen.

Zum Thema Design bietet der Genfer Salon traditionell vielfältiges Anschauungsmaterial. Stellvertretend soll hier die BMW-Studie CS1 genannt werden. Mit ihr ist der amerikanische BMW-Chefdesigner Chris Bangle wieder auf den Boden einer schlüssigeren Stylingphilosophie zurückgekehrt. Als Vorgriff auf den kommenden 1er-BMW zitiert die präsentierte Cabriovariante zwar das umstrittene X-Coupé-Konzept von Detroit vor zwei Jahren, verzichtet aber auf jegliche "schrägen" Stylingelemente. Stattdessen prägen Kotflügel wie breite Schultern, harmonisch geschwungene Schweller und scharfe Kanten die klare, schnörkellose, markant-sportliche Linienführung.

Die renommierten Karosseriemanufakturen Pininfarina, Bertone und Giugiaro zeigen trendgerecht Studien von betörenden Sportwagen bis hin zu skurrilen Entwürfen gekreuzter Fahrzeugkonzepte. Der neueste Schrei kommt in diesem Jahr von Peugeot: ein flunderflacher, leichter Sportwagen namens RC Karo wird von einem leistungsstarken Vierzylinderdieselmotor mit 175 PS angetrieben. Der einem Ferrari nicht unähnliche, aggressiv gestylte Zweisitzer beschleunigt immerhin in sechs Sekunden auf 100 km/h, läuft über 230 km/h Spitze, verbraucht aber weniger als 5 l Kraftstoff. Ein neuer Trend für die Zukunft?

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