Von Franco-Diktatur blieb kaum etwas
25 Jahre Freiheit in Spanien

dpa MADRID. Als der spanische Rundfunk am 20. November vor 25 Jahren den Tod des Diktators Francisco Franco bekanntgab, griff Fabian Estape zum Telefonhörer. "Was sollen wir nun machen?" fragte der damalige Rektor der Universität Barcelona im Madrider Bildungsministerium nach. "Acht Tage Staatstrauer", bekam er zur Antwort. Was danach sein würde, konnte der Minister auch nicht sagen. Ganz Spanien hielt an jenem Tag förmlich den Atem an. Nach wochenlangem Todeskampf war der 82-jährige "Caudillo (Führer) von Gottes Gnaden", wie der Diktator sich nennen ließ, gestorben. Immer wieder hatten die Ärzte mit neuen Operationen und neuen Apparaturen sein Leben künstlich verlängert.

Zwei Tage nach dem Tode des "Generalisimo" wurde Juan Carlos, wie Franco es verfügt hatte, als König vereidigt. Die Diktatur war damit noch nicht beendet. Der junge Monarch stellte in seiner ersten Rede vor dem Parlament zunächst demokratische Reformen in Aussicht. Die ersten freien Wahlen sollten knapp zwei Jahre später stattfinden. "Mir war von Anfang an klar, dass Spanien eine demokratische Monarchie erhalten würde", erinnert sich Juan Carlos jetzt aus Anlass seines 25-jährigen Thronjubiläums. "Ich wusste nur nicht wie."

Es gab nämlich kein "Rezept" dafür, wie man von einer Diktatur, die fast 40 Jahre lang geherrscht hatte, auf friedlichem Wege zur Demokratie gelangen sollte. Der Übergang gelang mit Hilfe eines ungeschriebenen "Pakts des Vergessens": Das Regime trat die Macht nach und nach an demokratisch gewählte Gremien ab; dafür wurde später kein Politiker und kein Militär des Franco-Regimes von den Gerichten zur Rechenschaft gezogen.

Juan Carlos wurde zu "Motor des Wandels"

Franco hatte sich von Juan Carlos eigentlich erhofft, dass dieser sein Regime fortführen würde. Aber der König, in dem viele Spanier anfangs eine "Marionette Francos" gesehen hatten, wurde zu einem "Motor des Wandels". Seine größte Bewährungsprobe hatte er beim Putschversuchs von Militärs am 23. Februar 1981 zu bestehen. "Man hat mir vorgeworfen, dass ich damals erst nach mehreren Stunden (zur Verteidigung der Demokratie) vor die Fernsehkameras getreten bin", erinnert sich Juan Carlos. "Dies hatte einen etwas grotesken Grund. Der Hauptmann (der Putschisten), der das Fernsehgebäude eingenommen hatte, wollte zunächst nicht abrücken und die Kameraleute rauslassen. Etwas später klappte es dann doch."

Dass Spaniens Rückkehr zur Demokratie zu einem Modell wurde, hatte auch mit dem Wirtschaftsboom der 70er Jahre zu tun. Der Ex- Wirtschaftsprofessor Estape meint: "Der Übergang war nicht das Werk des (von Juan Carlos ernannten) Ministerpräsidenten Adolfo Suarez, sondern vor allem des SEAT 600", jenes Kleinwagens, mit dem in Spanien das Auto zum Massenverkehrsmittel wurde.

Heute nur noch Lektion im Geschichtsunterricht

Für die jungen Spanier ist die Franco-Diktatur heute nur noch eine Lektion des Geschichtsunterrichts. In der Politik spielen die Anhänger Francos keine Rolle. Das Wort "frankistisch" ist heute sogar für rechtsgerichtete Spanier ein Schimpfwort.

Franco war mit seinem Tod schon so gut wie vergessen. Zu seiner Beisetzung am 23. November vor 25 Jahren erschien außer dem damaligen chilenischen Juntachef Augusto Pinochet praktisch kein ausländisches Staatsoberhaupt. Historiker beschreiben Franco als guten Soldaten, der aber von Politik und Wirtschaft wenig verstand und ein schlichtes Gemüt hatte.

Der Übergang zur Demokratie wurde dadurch erleichtert, dass die schlimmsten Verbrechen der Diktatur lange Zeit zurücklagen. Nach dem Ende des Bürgerkriegs (1936-1939) hatte das Regime Zehntausende von Gegnern hinrichten lassen. Später griff Franco zunehmend auf weniger brutale Methoden der Machterhaltung zurück. Spanien ist heute ein modernes, europäisches Land; nur der Terror der baskischen Untergrundorganisation ETA ist geblieben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%