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Von Hagens: Deutsche Behörden noch nicht reif für «Körperwelten»

Frankfurt/Main (dpa) - Rund acht Jahre nach ihrem Start wird die umstrittene «Körperwelten»-Ausstellung des Leichen-Präparators Gunther von Hagens ab diesem Sonntag nicht mehr in Deutschland zu sehen sein.

Frankfurt/Main (dpa) - Rund acht Jahre nach ihrem Start wird die umstrittene «Körperwelten»-Ausstellung des Leichen-Präparators Gunther von Hagens ab diesem Sonntag nicht mehr in Deutschland zu sehen sein.

Die Behörden seien für die von ihm entwickelte Ausstellung noch nicht reif, sagte von Hagens der dpa. Die Schau mit präparierten Leichen werde deshalb erst wieder in Deutschland gezeigt, wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür geklärt seien. Die Ausstellung, die seit Januar in Frankfurt am Main rund 540 000 Besucher anlockte, schließt am Sonntag und wird in den USA gezeigt.

«Es kann nicht sein, dass ich die Stücke auf der ganzen Welt ohne Zensur zeigen kann, nur in Deutschland nicht», sagte von Hagens. Deshalb müsse der Rechtsstreit ausgefochten werden. So laufen mehrere Verfahren, in denen der wissenschaftliche Anspruch der Ausstellung geprüft wird. Nur unter dieser Voraussetzung dürfen Tote öffentlich gezeigt werden. So müssen die Richter in Stuttgart darüber urteilen, ob die Stadt zurecht einige Stücke aus der Ausstellung entfernen ließ, weil sie ihrer Meinung nach zu reißerisch waren. Darunter fiel unter anderem das Objekt «Scheuendes Pferd mit Reiter». Ein weiterer Prozess beschäftigt sich mit dem plastinierten Gorilla «Arti», der aus ähnlichen Gründen von der Frankfurter Schau entfernt werden musste.

Er habe Verständnis für die Probleme der Deutschen mit der Körperlichkeit, sagte von Hagens. «Da spielt die NS-Schuld mit Sterbehilfe und Menschenversuchen eine große Rolle.» Dennoch lasse er sich nicht als «Doktor Tod» titulieren und damit in die Ecke des NS- Arztes Doktor Mengele stellen. Kritiker prangerten immer wieder eine unwürdige Zurschaustellung von Toten und Geschäftemacherei an. Außerdem war von Hagens vorgeworfen worden, dass er wissentlich Leichen von Hinrichtungsopfern aus China zeige. Er sagte im Januar zu den Vorwürfen, er könne nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass seinen chinesischen Mitarbeitern Körper von Hingerichteten untergeschoben worden seien.

Nach Angaben des Plastinators sind mehrere Städte in Deutschland an einer Dauer-Ausstellung interessiert. «Wir haben bereits mit Behörden in Mannheim, Heidelberg und Berlin Gespräche geführt.» Allerdings müssten die Verwaltungen auf eine klare Rechtslage warten.

Weltweit werden zur Zeit zwei Körperwelten-Ausstellungen gezeigt, eine davon in Asien. Sie haben insgesamt bislang mehr als 13 Millionen Besucher angelockt. Im kommenden Frühjahr will von Hagens eine dritte Schau zusammenstellen, die wahrscheinlich in Italien oder Spanien auf Tour gehen soll. «Glanzlicht wird ein Eiskunstlaufpaar sein.» Außerdem plane er, einen Elefanten zu präparieren, denn «die Tier-Objekte gehören zu den Stars der Ausstellungen.»

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