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Von Heuschrecken und Mückeneinern

Mit dem Essen ist das so eine Sache in Mexiko. Vor allem für einen Mitteleuropäer.

Mit dem Essen ist das so eine Sache in Mexiko. Vor allem für einen
Mitteleuropäer. An die fettigen Tacos mit zweifelhaftem Inhalt wie Hirn, Rinderaugen und
sonstigen Spezialitäten, die es an vielen Straßenecken der Hauptstadt zu
kaufen gibt, kann ich mich ja noch gewöhnen. Mit viel Chile und ordentlich Zitrone
wird selbst der strengste Geschmack neutralisiert.

Aber die Mexikaner pflegen ihre Geschichte auch gerne, indem sie noch das
essen, was bei ihren Vorfahren, den Azteken, auf den Tisch kam. Als die Spanier
Anfang des 16. Jahrhunderts nach Mexiko kamen, waren sie erschrocken über die
Küche der Ureinwohner. "Mit großem Genuss essen die westlichen Indios
Kaulquappen, sie missachten nicht die
frittierten Langusten und Ameisen und halten viele Dinge für exquisit, die
niemand sonst auf der Welt essen würde", schrieb ein Beobachter damals nach
Hause.

In die mexikanische Küche der Neuzeit haben sich viele Gaumenfreuden der
Azteken rüber gerettet: Heuschrecken, Ameisenlarven, Würmer gibt es noch heute in
jedem guten mexikanischen Restaurant. Im südlichen Bundesstaat Oaxaca werden
Heuschrecken und Grillen mit klebrigem Kautschuk gefangen und gelangen dann
getrocknet, gesalzen und mit Chile gepfeffert, zerstampft und mit Mais zu
Küchlein verarbeitet auf den Speisezettel. Eine besondere Delikatesse sind
Mückeneier. Ein kleines Glas kann schon mal 50 Euro kosten.

Doch in der vorhispanischen Zeit waren auch größere Tiere nicht vor dem
Hunger der Ureinwohner sicher. Frösche, Leguane, Schildkröten, Klapperschlangen,
Jaguare und die berühmten nackten aztekischen Hunde Xoloizcuintle mundeten
besonders gut in Maisblättern. Noch heute wird das Hundefleisch in bestimmten
Restaurants serviert - mit Kürbisblüten und einer süßsauren Soße. Auch Gürteltier
in Mangosoße und Krokodil stehen gelegentlich auf den Speisekarten. Guten
Appetit.


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