Von intelligenten Kühlschränken und Heizungen
Heimvernetzung total

Das "intelligente Haus" könnte sich zu einem wahren Zauberwort nicht nur für die IT-Branche, sondern auch Elektronikhersteller, Internet-Provider, Mobilfunkanbieter und Energieversorger entwickeln.

HB/ddp Berlin. Der Netzanschluss in der Wohnung dient in Zukunft nicht nur für den Zugang zum Internet über den PC. Das Eigenheim soll vielmehr vollständig automatisiert werden, so dass morgens beim Aufstehen der Kaffee fertig ist und man abends nach der Arbeit noch aus dem Auto die Heizung auf die gewünschte Temperatur regeln oder ein Bad einlassen kann.

Denkbar ist fast alles. Und auch realisiert ist schon vieles. In Berlin zeigen 65 Aussteller auf der e/home von Donnerstag bis Samstag, was heute schon geht. Seit ihrer ersten Ausgabe vor zwei Jahren hat sich die e/home entgegen dem Trend in der IT-Messen von einem Kongress zu einer kleinen Fachmesse entwickelt.

Zu den Ausstellern gehört das Duisburger Fraunhofer Institut Mikroelektronische Schaltung und Systeme (IMS), das ein intelligentes Haus, das "inHaus", zusammen mit Partner aus der Industrie errichtet. Das Ziel: die Schaffung von "voll integrierten Haussystemen ohne funktionale Brüche". Übersetzt heißt das, dass sich die Heizung nicht nur im Keller oder am Thermostat im Wohnzimmer regeln, sondern auch über Mobilfunk oder das Internet fernsteuern lässt.

Bereits heute gebe es jede Menge Produkte, die mit intelligenter Technik ausgerüstet sind, sagt Klaus Scherer, Abteilungsleiter System- und Anwendungstechnik beim "inHaus". Bisher handele es sich jedoch um "funktionale Inseln". Der Elektronikhersteller Sony zum Beispiel ermöglicht es seinen Kunden, die Videokamera mit dem Laptop oder dem Fernseher zu verbinden, um die Bilder abzuspielen, und eine HiFi-Anlage für den Sound anzuschließen. Doch das Ensemble in eine intelligente Hauselektronik einzubinden, damit den Bewohner bereits beim Aufschließen der Wohnungstür seine Lieblingsmusik empfängt, ist bisher nicht ohne weiteres möglich. Die gleichen Probleme findet Scherer bei der Hauselektronik wie Brandmeldern und Jalousien. Es fehlen einheitliche Standards, damit unterschiedlichste Geräte und Funktionen miteinander verknüpft werden können.

Das intelligente Haus ist kein abstraktes Forschungsgebiet der Wissenschaft. Die Industrie hat ein handfestes Interesse an dem Thema. Sie wittert einen Milliarden Euro schweren Markt. Dabei sind auch vollkommenen neue Geschäftsmodelle denkbar: Ein Verbraucher muss vielleicht in Zukunft nicht mehr unbedingt eine Waschmaschine kaufen, sagt Reinhard Hund vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Der Hersteller oder ein Dienstleister könnte ihm die Maschine zur Verfügung stellen und der bezahlt pro Waschgang, weil die Maschine die individuelle Nutzung über das Internet an das Unternehmen übermittelt. Auf dem gleichen Weg könnten auch Meldungen über Schäden an der Maschine versandt werden, so dass der Monteur bereits vor der Tür steht, bevor das Wasser im Waschkeller steht.

In Zukunft werde es modulare Systeme geben, sagt Martin Mähler, bei IBM Deutschland Direktor im Bereich Wireless E-business Services. Nicht jeder wolle alles haben, deshalb müssten die Hersteller Systeme anbieten, die sich von einer Basisausstattung aus problemlos erweitern ließen. Einen Massenmarkt sieht Mähler für das kommende Jahr allerdings noch nicht. Doch das Thema intelligentes Haus gewinne langsam an Ernsthaftigkeit. Die Hersteller würden verstehen, dass sie mit vernetzten Geräten ihre Kunden besser an sich binden und auch den Kontakt zu ihrem Produkt behalten können.

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