Von "Made in Germany" sollen asiatische Airlines profitieren
Lufthansa Systems goes East

Als der weltweit wachstumsstärkste Markt in der Luftfahrt gilt China. Lufthansa Systems, IT-Tochter der Lufthansa, will von Anfang an mitwachsen.

"Asien gehört für uns zu den wichtigsten Märkten der Zukunft und hat in vielen Bereichen das größte Wachstumspotenzial", schwärmt Gunter Küchler, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei Lufthansa Systems. Dabei komme besonders den Märkten von China und Indonesien besondere Bedeutung zu.

"Gerade der riesige chinesische Markt öffnet sich, doch IT-technisch gesehen haben die Amerikaner und Europäer einen Vorsprung von fünf bis 15 Jahren", erklärt Küchler. "Die chinesischen Airlines standen ja nicht im Wettbewerb, sondern waren staatliche Airlines." Das erkläre, warum die Systemwelten, die Organisationen und Prozesse nicht auf dem Stand sind, auf dem sie sein sollten, um konkurrenzfähig und profitabel zu sein.

China stehe vor dem Problem massiv steigender Passagier- und Frachtzahlen. "Überbuchungen waren dort bisher unbekannt. Es gab kein funktionierendes, logisches Buchungswesen, die Eingaben erfolgten per Hand."

Lufthansa Systems stellt nicht nur operative Systeme für das Check-in zur Verfügung oder die IT für Flugberechnungen, sondern möchte sich in Asien auch als ASP profilieren. "Wir wollen an asiatische Airlines Lizenzen verkaufen und sie als Application Service Provider betreuen", erklärt Küchler die strategischen Ziele.

Das Asiengeschäft scheint schwieriger zu sein, als sich die Verantwortlichen von Lufthansa Systems das vorgestellt hatten. "Eigentlich wollten wir schon 2001 mit unseren Tätigkeiten in China loslegen", sagt Küchler, "aber dann kamen die Terroranschläge vom 11. September, danach kam die Seuche Sars."

Danach wurde es nicht unbedingt einfacher: "Ob Sprach-, Kultur- oder Mentalitätsbarrieren, andere Gesetze und Legislative - wir brauchen definitiv lokale Partner hier, die uns nicht nur helfen, das Eis zu brechen, sondern uns auch als Referenzkunden Türen aufstoßen können", so Küchler. Mit einigen chinesischen Airlines führe man deshalb intensive Gespräche (z. B. Air China, Shanghai Airlines) und erwäge auch, die eine oder andere Airline in die Star Alliance aufzunehmen.

Guter Ruf als Wettbewerbsvorteil

Einen Wettbewerbsvorteil haben gerade deutsche Unternehmen in Asien: Sie haben traditionell einen hervorragenden Ruf. "Made in Germany" und deutsche Ingenieursleistungen genießen höchstes Ansehen.

Enormes Wachstumspotenzial im Segment MRO (Maintenance, Repair & Overhaul), der Flugzeugwartung und-instandhaltung sieht deshalb Carsten Fleer, zuständig für das MRO-Geschäft bei Lufthansa Systems. "Das ganze Thema ist ja äußerst komplex: Für jedes einzelne Teil im Flugzeug - für jede einzelne Schraube - gibt es umfangreiche Dokumentationen und Wartungspläne. Das ist ein großes logistisches Problem für Airlines."

MRO-Outsourcing und die dahinter stehende IT werden sich zum Megatrend entwickeln, da ist Fleer sich sicher: "Low-Cost-Carrier, die sich keine eigene Wartung leisten wollen, werden den Trend noch weiter verstärken. Ich rechne mit 40 % Wachstum in diesem Markt in den nächsten fünf bis sechs Jahren - und das ist eine eher konservative Schätzung."

Lufthansa Systems scheint gerüstet. Man kooperiert mit SAP (Branchenlösung: Aerospace & Defense) und optimiert die Geschäftsprozesse für die Lufthansa-Technik (Flugzeugwartung). "Für Airlines auf der ganzen Welt wird eine logische und funktionierende IT zum vitalen Überlebensfaktor", sagt Küchler, "Und wir bieten die Tools zum Überleben."

Autor: Peter Kellerhoff

Quelle: VDI Nachrichten Nr. 19 vom 07.05.2004 Seite 31

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