Von Mediensucht und Europa-Visionen
Politische Bücher überfluten die Buchmesse

Die Politprominenz gibt sich auf der Frankfurter Buchmesse die Ehre. Der Kanzler war schon da, auch Hessens Ministerpräsident und der Generalsekretär der Arabischen Liga. Die Situation ist immer dieselbe: Das Medieninteresse ist groß, die Protagonisten werden umringt von Fotografen und Kamerateams.

HB FRANKFURT. Jürgen Leinemann kennt dieses Bild. In seinem neuen Buch "Höhenrausch" schreibt der "Spiegel"-Redakteur über die deutschen Politiker und deren Verhältnis zu Macht und Medien. Bundesaußenminister Joschka Fischer etwa brauche die Medien "wie die Luft zum Atmen". Gleichwohl vermittle er nach außen eine ganz andere Attitüde. "Joschka Fischer, der seine atemberaubende Karriere von der Frankfurter Sponti-Szene in die obersten Ränge der Weltdiplomatie in erster Linie den Medien verdankte, lässt kaum eine Gelegenheit aus, den Pressemenschen seine Verachtung zu zeigen", schreibt Leinemann.

Die These des Autors: Für den Großteil unserer Volksvertreter ist der Beruf längst zur Droge geworden. Die Medien spielen dabei oft die entscheidende Rolle, weil sie es sind, die den Protagonisten erst das Gefühl von Wichtigkeit geben.

Aber es ist nicht Joschka Fischer allein, dem Leinemann Platz und Aufmerksamkeit widmet. Gerhard Schröder, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Rudolf Scharping, Guido Westerwelle - sie alle werden auf Suchtpotenzial überprüft. Und sie alle liefern die Anekdoten, die Leinemann als Folge seines langen und intensiven Berufslebens aufgezeichnet hat. Ein hintergründiges Buch, das von seinem intelligenten Ansatz lebt.

Ohnehin ist die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr wie lange schon nicht mehr eine Messe der politischen Bücher. Die Bandbreite ist groß: Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast ("Die Dickmacher") schreibt über Ernährung, CDU-Fraktionsvize Friedrich Merz über das "Ende der Wohlstandsillusion", der US-Intellektuelle Jeremy Rifkin über den "Europäischen Traum". Und Hans-Olaf Henkel feiert gerade den Wiedereinzug in die Bestsellerlisten.

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