Von Moltke beklagt Misere
Volleyballer verpatzen die Kür

Nach einer tollen Vorrunde bei der Europameisterschaft im eigenen Land hatten die deutschen Volleyballer Erwartungen geweckt, die sie in der Endrunde nicht erfüllen konnten. Unter dem Strich sprang mit Rang sieben nicht mehr als das Minimalziel heraus.

HB BERLIN. Den glanzvollen Pflichtsiegen in Karlsruhe über die Slowakei (3:1), Tschechien (3:0) und Spanien (3:1) folgten in Leipzig die Pleiten gegen die EM-Finalisten Frankreich (1:3) und Italien (0:3) sowie in der Platzierungsrunde in Berlin gegen Polen (1:3).

Damit verpassten die Deutschen auch die EM-Qualifikation für 2005, nur die besten Sechs sind bei der Endrunde in zwei Jahren dabei. Das 3:1 (28:26, 21:25, 25:19, 28:26) um Platz sieben gegen Spanien nach solider Leistung am Sonntag vor 8600 Zuschauern war nicht mehr als eine unbedeutende Kosmetik. Gegenüber der EM vor zwei Jahren in Tschechien sind die Deutschen lediglich zwei Plätze besser.

"Ich bin stinkig. Die Mannschaft hat alles, was sie sich erarbeitet hat, wieder kaputt gemacht." Bundestrainer Stelian Moculescu konnte sich auch Stunden nach der Pleite gegen Polen, bei der im dritten Durchgang sieben Satzbälle ausgelassen wurden, kaum beruhigen. "Die Mannschaft ist noch nicht soweit, dass sie macht, was wir besprochen haben. In entscheidenden Momenten macht jeder seine eigene Taktik", fügte der enttäuschte Coach hinzu. Trotzdem bescheinigte er seinem Team einen Leistungssprung: "Ich ändere meine Meinung nicht, die Mannschaft hat im Training genial gearbeitet, ist aber nicht belohnt worden."

"Man kann doch nicht sagen, dass wir abgeschlachtet wurden", bilanzierte der überragende Christian Pampel, der in sieben Partien auf 147 Zähler kam und damit zweitbester Punktesammler des Turniers hinter Richard Schuil (Niederlande/148) war. "Wenigstens Rang sieben. Wir könnten besser dastehen, wenn wir so spielen würden, wie wir es können", sagte DVV-Präsident Werner von Moltke. "Das Potenzial ist da, wir sind doch nicht total blind."

Von Moltke ärgert, dass die Weltrangliste offenbar unverrückbar ist. Es müsse doch möglich sein, dass Deutschland auf Rang 22 die Nummer zwölf Polen schlägt. "Wir ordnen uns ein wie Soldaten", beklagte er fehlende Überraschungen. Die Erwartungshaltung sei nach den Weltliga-Siegen über Portugal und zwei Mal in Italien höher gewesen. Tschechien (9. der Weltrangliste) und Spanien (10.) wurden besiegt, Frankreich (5.) wankte. "Diesen Elfmeter haben wir nicht genutzt. Der Alltag ist ernüchternd, die Skeptiker haben Recht behalten." Dennoch leistete von Moltke einen Moculescu-Treueschwur: "Es wird Gespräche geben, ich würde ihn gerne halten. Er ist ein guter Trainer."

Finanzielle Konsequenzen befürchtet der "Chef" noch nicht. "Die Sponsoren halten zu uns", sagte von Moltke. Erst wenn die Olympia- Qualifikation für Athen im Januar kommenden Jahres in Leipzig verpasst wird, rechnet er mit Auswirkungen. "Die Beach-Volleyballer regen sich jetzt schon auf."

Und die Bedingungen werden nicht besser. Der Weltverband habe bereits angekündigt, dass die Streichung der deutschen Mannschaft für die Weltliga durch die Reduzierung von 16 auf zwölf Teams bevorstehe. "Wir haben die Kriterien für Fernsehen und Zuschauer nicht erfüllt", bestätigte von Moltke. Die öffentlich-rechtlichen Sender winkten wie schon beim EM-Turnier ab. Außerdem seien die von der FIVB geforderten 150 000 Dollar Eintrittsgeld ein Problem, deutsche Bewerberstädte für die Heimspiele fehlen. Im Vorjahr hatten die Spieler bereits auf einen Teil ihrer Prämien verzichtet, für dieses Jahr steuerten die Landesverbände aus ihren Einnahmen rund 60 000 ? bei.

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