Von Peking bis Cincinnati
Oktoberfeste gibt es in aller Welt

Die Münchner Wiesen ist zwar einmalig, aber dennoch gibt es inzwischen weltweit mehr als 2 000 Oktoberfeste - Tendenz steigend: Jedes Jahr feiert irgendwo in der Welt ein neuesOktoberfest seine Premiere.

HB MÜNCHEN. Das Oktoberfest ist ein Exportschlager in aller Welt. Ob unter karibischen Palmen oder im kühlen Skandinavien, in Peking oder Cincinatti, in Shanghai oder Sydney - rund um den Globus boomt die bayerische Gemütlichkeit. "Das Oktoberfest ist unser Exportschlager Nummer 1 - neben dem FC Bayern", berichtet Münchens Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl. "Bisher sind uns etwa 2 000 Oktoberfeste auf allen Kontinenten bekannt geworden." Tendenz steigend: Jedes Jahr feiert irgendwo in der Welt ein neues Oktoberfest seine Premiere.

Nicht immer stilecht

Gesellig, kontaktfreudig und möglichst gemütlich soll es sein, mit deftigen bayerischen Speisen und viel Bier. Nicht immer geht es bei dabei vollkommen stilecht zu. Mal dauert so ein Oktoberfest nur einen Abend, mal wird im Frühjahr gefeiert, mal gleicht der Einzug der Wirte eher einem Faschings- denn einem Trachtenumzug. Im brasilianischen Blumenau, wo viele Deutschstämmige leben, dröhnt in den Zelten Disko-Musik, auf der Karibikinsel St. Maarten wurde das Bier mangels Maßkrügen schon mal in Plastikbechern ausgeschenkt. Die Mitglieder der Kapelle trugen zwar kurze Hosen, aber keine ledernen, sondern Bermuda-Shorts.

Leute sollen Spaß haben

Die Chefin der echten Wiesn stört sich daran wenig: "Wir sind da tolerant", betont Weishäupl. "Wichtig ist, dass die Leute Spaß haben." Zwar hat die Münchner Fremdenverkehrs-Chefin für das Oktoberfest schon vor zehn Jahren Patentschutz eingeholt, der Begriff kann aber nicht geschützt werden. "Jedes Oktoberfest ist im Grunde eine Werbung für München", meint die Wiesn-Chefin. "Obwohl wir ja eigentlich gar keine Werbung mehr bräuchten..." Denn die Plätze in den Zelten auf der Theresienwiese sind regelmäßig schon Wochen vorher ausgebucht.

Auch gebürtige Bayern werden bisweilen exportiert

Oft sind es gebürtige Bayern, die beim Export des Oktoberfests helfen. Im kambodschanischen Phnom Penh hat Franz Xaver Weber aus dem oberbayerischen Landkreis Erding ein Oktoberfest organisiert. Eine Kapelle mit Blasmusik und Lederhosen spielt in einem Hotel unweit von Buddhatempeln und Elefanten auf. Auch den Chinesen hat Weber das Schunkeln beigebracht, 1997 in Xiamen. Mancherorts riefen auch deutsche Einwanderer Oktoberfeste ins Leben. Im argentinischen Villa General Belgrano etwa ist das Bierfest heute mit täglich bis zu 30 000 Besuchern eines der größten Volksfeste des Landes.

Vorbildfunktion hat die Wiesn für das Bierfest in Moskau. Jedes Jahr im Juli werden in Zelten und im Freien in Luschniki russische Biere ausgeschenkt. Oberbürgermeister Juri Luschkow lädt stets eine Delegation aus Bayern ein, um das Fest gebührend zu eröffnen. Es wurde erfunden, um die Alkoholproblematik in Russland in den Griff zu bekommen. Die Russen, so das Luschkows Kalkül, sollen von der "harten Droge" Wodka auf mildes Bier umsteigen.

Auch in Berlin hat eine "Wiesn"

Auch in Deutschland schießt ein Oktoberfest nach dem anderen aus dem Boden. Schon zum zweiten Mal lud die bayerische Landesvertretung in Berlin zur "Wiesn" ins Festzelt am Roten Rathaus. Sein erstes "sächsisch-bayerisches Oktoberfest" plant Zwickau. Ende Oktober wird für zwei Tage die Stadthalle zum Bierzelt. Mit Fingerhakeln, Maßkrugstemmen und der Königlich Bayerischen Oktoberfestkapelle "Edelweiß" soll es so stilecht wie möglich zugehen. "Wir wollen dieses Flair zu uns nach Sachsen holen", sagt der Geschäftsführer der Kultur, Tourismus Messebetriebe Zwickau GmbH, Jürgen Croy. Die Plätze seien schon fast ausgebucht. 4 Euro kostet die Maß Bier - ein Preis, von dem Besucher der echten Wiesn nur träumen können.

Das Geheimnis für den Erfolg des Münchner Oktoberfestes sieht Wiesn-Chefin Weishäupl unter anderem in der hohen Identifikation mit München und Bayern. "Es ist ein Synonym für Bier - und es ist ein Inbegriff der Lebensfreude." Warum auch immer die Menschen in aller Welt ausgerechnet das Bayerische so sehr suchen - der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) ist jedenfalls überzeugt: "So eine Stimmung wie hier in München kriegt man nirgends her."

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