Archiv
Von Pferdeeis und Babymaschinen

Was haben wir den Japanern nicht alles zu verdanken. Ohne sie gäbe es in Deutschland kein Tamagotchi, kein Pokemon, kein Sushi am Band. Doch viele kreative Ideen dringen gar nicht bis nach Europa durch. Schon mal etwas von der Hunde-Dollmetschmaschine gehört?

Was haben wir den Japanern nicht alles zu verdanken. Ohne sie gäbe es in Deutschland kein Tamagotchi, kein Pokemon, kein Sushi am Band. Doch viele kreative Ideen dringen gar nicht bis nach Europa durch. Schon mal etwas von der Hunde-Dollmetschmaschine gehört? Kein Witz, die Entwicklung der Spielzeugfirma Takara, die die Emotionen des Hundes aus seinen Geräuschen herauszufiltern verspricht, verkaufte sich sogar so gut, dass jetzt an einer Baby-Dollmetschmaschine gearbeitet wird. 2006 soll sie in Japan auf den Markt kommen. So kann die Mutter dann hören, ob es dem Baby gefällt, wie der Baby-Gesellschaftsroboter, den unter anderem Toshiba anbietet, mit ihm spielt - die Zukunft im japanischen Kinderzimmer, sie hat begonnen.

Doch nicht nur bei Elektronikanwendungen sind die japanischen Firmen spielerisch-erfinderisch aktiv. Auch kulinarisch könnte die Experimentierfreude der Japaner so manch kreativen Anstoß geben. Beispiel Eis - gerade haben die Temperaturen in Tokio so angezogen, dass das Beispiel auf der Hand liegt: Schon der Getränkeladen bei mir um die Ecke bietet in diesem Sommer Softeis-Sorten an, die ein wenig Mut zum Neuen erfordern. Besonders gefragt ist angeblich das grüne Wasabi-Meerrettich-Eis. Doch auch das süße, hellbraune Miso-Eis, das geschmacklich wie optisch an die tägliche Miso-Suppe erinnern soll, wird als besonders japanisch angepriesen. Mein Geschmack war es nicht, muss ich gestehen - ich bevorzuge da eher die japanischen Standardeissorten wie grünen Tee, Azuki-Bohne oder schwarzen Sesam.

Der Erfindungsreichtum beim Eis kennt in Japan keine Grenzen. Da genügt ein Blick auf die Zusammenstellung der Zeitung Mainichi.

http://mdn.mainichi.co.jp/photospecials/0406/ice-cream04/07.html <http://mdn.mainichi.co.jp/photospecials/0406/ice-cream04/07.html>

Zugegeben, ob Rezepte für Meerwasser- und Schwarzbiereis, Hühnchen-, Pferde- und Waleis Chancen auf dem deutschen Markt hätten, ist dann vielleicht doch fraglich.

Das Ganze zeigt aber neben dem Ideenreichtum japanischer Firmen, auf was sich die japanischen Kunden alles einlassen. Die Experimentierfreude ist bei den Käufern groß. Viele junge deutsche Designer etwa verkaufen ihre Mode zuerst einmal in Japan, bevor sie in Deutschland Abnehmer finden. Die Konsumenten jagen den Trends nach, ständig muss etwas Neues her. Da sollte doch auch für so manches deutsche Produkt noch Platz sein.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%