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Von startup zu startsocial

Hinter einem Projekt unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verbirgt sich kein Trainingsprogramm für gescheiterte Jungunternehmer.

Die Idee der Business-Angels wurde in der New Economy zu einem entscheidenden Faktor bei der Umsetzung guter - oder vorsichtig ausgedrückt - interessanter IT- und Internet-Geschäftmodelle. Vorerst, wir wissen es alle, blieb es zumeist bei den Ideen und die ersten "First Tuesdays" verschwanden - ebenfalls vorsichtig ausgedrückt - zumindest vorläufig von der Bildfläche. Doch viele der neuen Ansätze bestachen durch ihre frischen Lösungsansätze für alte Probleme. Kein Wunder also, dass sich die Old Economy in einer verjüngenden Grätsche all die jugendlichen Konzepte der New Economy, ihre Rhetorik und ihren Elan einverleibte und nun, nach einem sauberen Takling, wieder am Ball ist.

In Berlin wurde am Donnertag die Initiative "von startup zu stratsocial" vorgestellt. Hinter dem Projekt unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verbirgt sich jedoch kein Trainingsprogramm für gescheiterte Jungunternehmer. Es handelt sich auch nicht um den verlängerten Arm der neu eingeführten "Pinkslip-Partys", auf denen arbeitslose ehemalige Startupler (der Begriff Afterwork-Party wäre treffender gewesen) ungezwungen "socialn" können. Nein, hier wurde mit Worten gespielt, weil man es ernst meint. Und bezeichnend dafür ist, dass ein Schlagwort der New Economy zu einem Begriff gebogen wird, der ein altes Element unseres Staates beschreibt - soziales Denken und Handeln.

Denn die Idee von Netzwerken und Geschäftskontakten, der Austausch unter Gleichgesinnten für den Aufbau einer guten großen Sache (Siehe dazu auch Brockhaus: "New Economy, Startup, Business-Angels), so dachten sich die Initiatoren, greift auch beim Ringen um soziale Ideen (Deshalb wohl: "Von Startup zu startsocial"). So haben die Initiatoren, ProSiebenSat.1 Media AG, Deutsche Post AG, der Versichrungskonzern Gerling, Daimler-Chrysler und die Unternehmensberatung McKinsey einen Wettbewerb für soziale Ideen und Projekte ins Leben gerufen. Dabei sollen die Teilnehmer, wie beim Werben für Businessplan und Venture Capital , ihre Projekte vorstellen. Der strenge Wettbwerbsgedanke trete hierbei jedoch hinter dem Ziel zurück, möglichst viele Menschen und Organisationen zusammen zu bringen, Inhalte zu vermitteln und Teilnehmer zu beraten, teilten die Initiatoren am Donnerstag weiter mit. Für die besten Projekte stehe ein Finanzierungstopf von 200 000 DM zur Verfügung.

Wie bei den Businessplan-Wettbewerben sollen Profis aus dem sozialen Bereich und der Wirtschaft, als Coaches oder Mentoren tätig werden und konkrete Unterstützung zum Beispiel bei der Projektplanung, Mitarbeiterorganisation oder Finanzierung geben. Die "Social-Angels" sollen über ein persönliches soziales oder wirtschaftliches Netzwerk verfügen, das den betreuten Ideen und Projekten über den Wettbewerb hinaus zugute kommen soll.

So scheint es, dass Politik und Wirtschaft unter dem bleibenden Eindruck der New Economy stehen. Und der Bundeskanzler (SPD) bei seiner Schirmherrschafts-Rede zu neuen Worten und Erkenntnissen gefunden hat: "Ich sehe einen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Engagement und der Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft. Das heißt, eine Stärkung der Zivilgesellschaft, also des vielfältigen sozialen Gewebes zwischen Markt und Staat, fördert nicht nur Solidarität und Gemeinsinn, nicht nur Freiheit und Lebensqualität. Eine starke und funktionierende Zivilgesellschaft ist auch wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Gesellschaft." Hört, hört. Also dann mal los - Start social, Mr. Schöder...

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