Von "strong buy" auf "neutral" herabgestuft
Intel schockt die Märkte

Der weltweit größte Chiphersteller hat seine Umsatzprognose für das laufende zweite Quartal nach unten geschraubt, erwartet aber ein stärkeres zweites Halbjahr.

Reuters/vwd SANTA CLARA. Im zweiten Quartal erwartet der weltgrößte Chiphersteller einen Umsatz zwischen 6,2 und 6,5 Milliarden Dollar. Im April hatte Intel den Quartalsumsatz zwischen 6,4 und 7,0 Milliarden Dollar prognostiziert. Analysten hatten den Intel-Umsatz mit 6,67 Milliarden Dollar vorausgesagt.

Analysten und Anleger waren zwar nach eigenen Angaben auf eine Senkung der Umsatzprognose vorbereitet. Die deutliche Zurücknahme der Erwartung sei aber eine Überraschung gewesen. Die Intel-Mitteilung deute an, dass die Nachfrage doch schwächer sei als früher gedacht, hieß es.

Merrill Lynch hatte bereits vor der Intel-Mitteilung die Aktien des weltgrößten Chipherstellers mittelfristig auf "Neutral" von "Strong Buy" heruntergestuft. Einige Analysten wiesen darauf hin, dass es sehr schwierig sei, den Umsatz von Intel für das zweite Quartal zu schätzen, weil die meisten Einnahmen im Juni verbucht würden. Bis zum derzeitigen Zeitpunkt hielten sich allerdings die Technologieunternehmen mit Ausgaben zurück.

Im ersten Quartal hatte Intel mit einer Milliarde Dollar Netto-Gewinn vor Akquisitionskosten die Analystenerwartung getroffen. Der Umsatz war dabei auf 6,78 Milliarden Dollar nach 6,68 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal gestiegen.

Vor allem die Marge macht Sorgen

Schwerer als der geringere Umsatz von Intel wog für Marktbeobachter, dass Intel auch die Prognose für die Bruttomarge reduziert hat. Diese wird nun im zweiten Quartal auf 49 Prozent veranschlagt - "plus oder minus ein paar Punkte" -, statt zuvor prognostizierten 53 Prozent. Damit setzt sich der positive Trend bei der Margenentwicklung nicht fort.

Noch im ersten Quartal hatte der Chiphersteller die Märkte positiv mit einer Bruttomarge von 53,6 Prozent überrascht und dabei die eigene Erwartung von 51 Prozent übertroffen. Auch für den Rest des Jahres sei eine Bruttomarge von 53 Prozent möglich, hatte Intel damals in Aussicht gestellt.

Intel in der Nische

Der unter den Markterwartungen liegende Geschäftsverlauf bei Intel steht im scharfen Kontrast zu dem bei der National Semiconductor Corp. Der Hersteller von analogen Chips hatte ebenfalls am Donnerstag Viertquartalszahlen vorgelegt und beim Umsatz und Gewinn je Aktie die Konsensprognosen der Analysten deutlich übertroffen.

Die Halbleiterindustrie werde nicht mehr von Intel oder der PC-Industrie angeführt, kommentierte der CEO von National Semiconductor, Brian Halla. Intel befinde sich derzeit in einer Nische, in der das Wachstum weniger deutlich ausfalle.

Nach der Prognose der Semiconductor Industry Association wird der Umsatz mit analogen Chips, die beispielsweise in Mobiltelefonen zur Anwendung kommen, im kommenden Jahr um 25 bis 30 Prozent zulegen, während bei den Mikroprozessoren, wie Intel sie herstellt, nur mit einem Umsatzplus von zwölf Prozent zu rechnen ist.

Chief Financial Officer Andy Bryant sagte am Donnerstag, nach dem positiven Verlauf des ersten Quartals sei Intel wohl "etwas aggressiv" an die Erstellung der Prognosen für das Gesamtjahr gegangen.

Den Ausblick für 2002 hat Intel bislang nicht nach unten angepasst. Im zweiten Halbjahr werde mit einer saisonal stärkeren Nachfrage gerechnet, und auch die Prognose für die Bruttomarge blieb zunächst bestehen. Dennoch sei es wahrscheinlich, dass Intel hier noch eine Anpassung nach unten "um ein Prozent oder so" vornehmen werde, sagte Bryant.

Unter Druck gekommen ist die Marge von Intel nach Aussage von Bryant wegen der fallenden Preise für Chips. Im ersten Quartal habe das Unternehmen die starke Nachfrage der Kunden nicht bedienen können, so dass die Preise im Segment der weniger leistungsfähigen Chips relativ hoch gewesen seien. Im zweiten Quartal habe Intel besser auf die Kundennachfragen reagieren können, mit dem Ergebnis, dass auch die Preis gefallen seien. Vor allem in Europa sei die Nachfrage zudem geringer als erwartet gewesen.

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