Von Zahkungsunfähigkeit bedroht
Micrologica sucht weiter strategische Partner

rtr FRANKFURT. Der von der Zahlungsunfähigkeit bedrohte Softwarehersteller Micrologica AG führt nach eigenen Angaben Gespräche mit weiteren Unternehmen über eine mögliche Beteiligung oder Kooperation. "Wir führen ein halbes Dutzend weitere Gespräche. Wir werden uns verstärkt darum bemühen", sagte der Vorstandsvorsitzende Andreas von Arnim am Donnerstag. Micrologica sei seit einigen Monaten auf der Suche nach strategischen Partnern, die sich finanziell beteiligen wollten oder über interessante Vertriebskanäle verfügten, sagte der Chef der am Neuen Markt gelisteten Gesellschaft.

Micrologica müsse einen strategischen Investor finden, sagte von Arnim. Das Unternehmen sei aber liquide. "Wir haben lediglich die drohende Zahlungsunfähigkeit angezeigt und nutzen die Zeit jetzt, um die tatsächliche abzuwenden", schränkte der Micrologica-Chef ein. Das Unternehmen wolle Probleme zum Wohl der Aktionäre frühzeitig klar und offen ansprechen. Von Arnim zeigte sich aber zuversichtlich: "Wir werden gut beraten und haben mehrere Eisen im Feuer." Das operative Geschäft werde unverändert fortgeführt. Allerdings sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, ob es wie geplant gelinge, die Gewinnschwelle im Herbst 2001 zu erreichen. "Das hängt davon ab, wie schnell wir die Situation korrigieren können. Im Zweifelsfall müssen wir den Zeitpunkt überprüfen", sagte von Arnim.

Das auf die Herstellung von Software zur Unterstützung von Kommunikationsprozessen spezialisierte Unternehmen hatte am Mittwochabend mitgeteilt, das ein privater Investor ihm die Kündigung der erst in der vergangenen Woche vereinbarten Kreditlinie von 2,0 Mill. Euro in Aussicht gestellt habe. Damit drohe Micrologica die Zahlungsunfähigkeit, da die absehbaren Verbindlichkeiten wahrscheinlich nicht zeitgerecht durch ausreichend liquide Mittel gedeckt werden könnten, hieß es. Die am Neuen Markt notierte Aktie brach daraufhin am Donnerstag in der Spitze um rund 70 % ein.

Grund für die angedrohte Kündigung der Kreditlinie sei die Mitteilung einer internationalen Unternehmensgruppe aus der Call-Center-Branche, die Gespräche mit Micrologica über eine Beteiligung beziehungsweise Kooperation zu beenden. "Die Unternehmensgruppe ist auf verschiedenen europäischen Märkten zu Hause und will ihre Ressourcen verstärkt in anderen Regionen außerhalb Deutschlands einsetzen", begründete von Arnim den Rückzug.

Früheren Angaben von Micrologica zufolge hatten zuvor niedriger als erwartet ausfallende Investitionstranchen des englischen Investors GEM Global Yiel Fund zu einer Verzögerung des notwendigen Mittelzuflusses geführt. Die Investitionstranche sei abhängig vom durchschnittlichen Handelsvolumen und dem durchschnittlichen Kurs der Aktie an den jeweils zurückliegenden Handelstagen, sagte von Arnim. "Das Handelsvolumen unserer Aktie war auf Grund der Situation von Ende Januar bis Mitte Februar geringer als erwartet." Der Kurs sank in diesem Zeitraum nach der Bekanntgabe eines Umsatzrückgangs im Geschäftsjahr 2000 von rund 5,4 Euro auf derzeit rund einen Euro.

Nach früheren Angaben sieht der Kreditvertrag kalenderwöchentlich abrufbare Summen von 0,5 Mill.  Euro vor. Die laufende Kreditlinienvereinbarung umfasse eine Kapitalerhöhung gegen Bareinlage durch GEM von drei Mill. Euro, sagte von Arnim. Die notwendige Kapitalerhöhung für die mögliche Bareinlage weiterer zwei Mill.  Euro durch GEM müsse der Hauptversammlung Ende Juni erst vorgeschlagen werden. "Eventuell wird die Hauptversammlung auch vorgezogen", sagte von Arnim.

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