Von Zorn bis Zustimmung
Europa reagiert gemischt auf Berlusconi

Von heftigem Zorn bis freudiger Zustimmung hat der wahrscheinliche Wahlsieg des italienischen Medienunternehmers Silvio Berlusconi am Montag bei Politikern und Kommentatoren in Europa höchst unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

dpa STOCKHOLM. Während die lange von EU-Sanktionen gebeutelte Rechtsregierung in Österreich Berlusconi umgehend aus Wien gratulierte und der Rechtspopulist Jörg Haider von einem "positiven Sieg für Europa" sprach, kündigte Frankreichs Außenminister Hubert Vedrine "Wachsamkeit" an.

Paris, von wo aus man nach dem Regierungsbeitritt von Haiders rechtspopulistischer FPÖ ganz besonders aktiv für EU-Sanktionen gestritten hatte, akzeptiere das Votum der italienischen Wähler. "Wir werden nun aufmerksam verfolgen, wie sich die nächste Regierung zusammensetzen und was sie machen wird", meinte Vedrine weiter.

Eine besonders deutliche Meinung darüber äußerte die linksliberale Kopenhagener Zeitung "Information" noch vor Ende der Stimmenauszählung: "Der kriminelle Berlusconi hat im Italien der Mafia eines der größten Vermögen im Land gesammelt und nutzt unverhüllt seine wirtschaftliche Stärke und seine Kontrolle über führenden Medien zur Sicherung der politischen Macht - in einer unschönen Allianz mit den Neofaschisten und der ausgeprägt ausländerfeindlichen Liga Nord."

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos in Berlin dagegen freute sich über Berlusconis Sieg, durch den seine Partei "die sozialistische Vorherrschaft in Europa bröckeln" sieht. Der neue FDP-Chef Guido Westerwelle warnte die EU vor einer Neuauflage ihrer "Torheiten" bei den Österreich-Sanktionen gegen eine demokratisch gewählte Regierung.

Eine Entwicklung wie nach dem Regierungsbeitritt der FPÖ in Wien schloss Schwedens Ministerpräsident Göran Persson als amtierender EU-Ratspräsident umgehend aus. Betont vorsichtig formulierte der Stockholmer Sozialdemokrat, man werde strikt die beim Gipfel in Nizza vereinbarten Regularien und nicht wieder "überstürzt" handeln. Aber Persson hielt sich ein Hintertürchen offen: "Wir müssen sehen, inwieweit das Regierungsprogramm in Rom jetzt von Berlusconis Forza Italia oder von anderen geprägt wird", erklärte Persson mit Blick auf Neofaschisten und die Liga Nord.

Aus Rom selbst mahnte "Il Messaggero" zu Besonnenheit gegenüber dem italienischen Wahlsieger: "Verteufelungen von Berlusconi haben sich nicht nur nicht ausgezahlt, sondern es scheint, als hätten sie ihn sogar noch weiter nach vorn gebracht." Die französische Wirtschaftszeitung "La Tribune" meinte: "Der Sieg von Silvio Berlusconi mit Untertstützung der extremen Rechten ist ein schwerer Rückschlag für Europa.

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