Von zurückgerechneten Erfolgen nicht blenden lassen
Taktik gefragt

Mit Strategie-Zertifikaten können Privatanleger investieren wie die Profis. Doch bei den Papieren lauern versteckte Kosten.

FRANKFURT. Saubere Kriterien statt "Kraut und Rüben": Immer wieder betonen Experten, wie wichtig es ist, bei Anlageentscheidungen mit System vorzugehen und einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch mal ehrlich: Welcher Investor legt sich schon auf eindeutige Grundsätze fest und hält sich auch konsequent daran? Im Laufe der Zeit sammelt sich in vielen Depots eine bunte Mischung aus Aktien an, die zwar große Hoffnung erkennen lassen, nur eins nicht: eine klare Vorgehensweise.

Banken versprechen Hilfe und bringen immer mehr Zertifikate auf den Markt, die konsequent bestimmte Strategien verfolgen. Solche Papiere sind Schuldverschreibungen der Institute, mit denen der Anleger an der Entwicklung eines zu Grunde liegenden Aktienkorbes oder Index partizipiert. Der Markt boomt: Der Infodienst www.zertifikateweb.de verzeichnet zurzeit rund 80 unterschiedliche Produkte, die ihre Aktien nach bestimmten Kennzahlen auswählen.

"Objektive Information und Mathematik und nicht Glaube oder Hoffnung bestimmen über die Zusammensetzung", preist die Hypo-Vereinsbank ihr neues Dividenden-Zertifikat. Mit dem Kauf dieses Produktes verteilt der Anleger sein Geld auf 16 Standardaktien aus der ganzen Welt - das Risiko ist also gestreut. Ähnlich wie bei weiteren Zertifikaten dieser Gattung (s. Tabelle) werden die Aktien nach der höchsten Dividendenrendite ausgewählt. Bei dieser Kennzahl wird die gezahlte Ausschüttung in Relation zum Kurs gesetzt. Überlegung: Je größer die Zahlung ausfällt und je niedriger der Kurs ist, umso attraktiver ist die Aktie. Papiere mit einer hohen Dividendenrendite gelten als unterbewertet und relativ krisensicher. Aktien nach dieser Methode auszuwählen, ist bei professionellen Investoren durchaus verbreitet, durch die Zertifikatekonstruktion ist sie auch Privatanlegern möglich.

Dividenden werden oft eingeheimst

Soweit das Konzept. Was bei dem Produkt der Bayern aber nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist: Gezahlte Dividenden fließen nicht in die Entwicklung des Papiers ein, sondern in die Tasche des Emittenten. Bei dem im Zertifikat enthaltenem Wert Daimler-Chrysler entgeht den Anlegern für das Jahr 2001 so eine Dividendenrendite von rund 3,7 Prozent. Im Gegenzug gibt es lediglich einen einmaligen Rabatt von 3 Prozent bei der Ausgabe. "Strategiezertifikate sind eine gute Ergänzung des Portfolios, aber bei der Auswahl des Produktes müssen Anleger große Sorgfalt walten lassen", sagt Marktbeobachter Torsten Iben von Zertifikateweb.de. Zwar sind die Papiere in der Regel günstiger als Fonds, aber oft sind ihre Kosten nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Zudem sind Zertifikate schwer vergleichbar. Anleger sollten sich vor dem Kauf genau beim Emittenten erkundigen:

>> Werden Dividenden weitergegeben?

>> Wie hoch ist die jährliche Verwaltungsgebühr?

>> Wie groß ist die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs (Spread)?

Grundsätzlich gilt: Werden Dividenden nicht reinvestiert, sollte sich dies in einer niedrigeren Verwaltungsgebühr bemerkbar machen. Einen jährlichen Obolus von mehr als einem Prozent hält Holger Bosse von der Dresdner Bank ohnehin "nur in Ausnahmefällen für gerechtfertigt."

Natürlich spielt neben dem Preis auch die Leistung eine Rolle, die Anleger erhalten. War es anfangs noch üblich, einfache Themen-Zertifikate aufzulegen, die während der gesamten Laufzeit nicht geändert wurden, ist bei neuen Produkten mindestens einmal jährlich eine Anpassung vorgesehen. Das ist sinnvoll: So wird verhindert, dass Verlierer-Aktien im Korb mitgeschleppt werden. Bei manchen Produkten wird das Portfolio fast so oft umgeschichtet wie bei Investmentfonds. Die Deutsche Bank tauscht etwa in ihrem "Sector Leader Zertifikat" pro Jahr etwa 180 Aktien aus.

Grundsätzlich gilt der Rat: Anleger sollten nur in die Zertifikate investieren, deren Funktionsweise sie auch verstehen und deren Strategie sie auch in der Zukunft für sinnvoll halten. "Dabei sollte sich niemand von zurückgerechneten Erfolgen blenden lassen", sagt Zertifikatexperte Holger Bosse. Oft belegen Banken die angebliche Qualität ihres Produktes damit, dass sich der Kurs in den vergangenen Jahren besser entwickelt habe als ein Vergleichsindex. "Das Ergebnis dieses Vergleichs ist aber durch die Auswahl des Index und des Zeitraums manipulierbar. Außerdem ist die Vergangenheit am Kapitalmarkt nur bedingt ein guter Ratgeber."

Dies verdeutlicht die Entwicklung von B2B- und High-Tech-Körben, die in der Boomphase des Internets auf den Markt geworfen wurden. Mit satten Minuszahlen liegen sie in der Wertentwicklung weit hinten. "Man muss sicher unterscheiden, ob es ein reines Modeprodukt ist oder ob ein professioneller Ansatz dahinter steckt", sagt Torsten Iben. Gute Aussichten bescheinigt er Strategiezertifikaten mit defensivem "Value-Charakter". Selbst bei einem Trend hin zu Tech-Aktien sei eine positive Entwicklung wahrscheinlich. Thorsten Michalik von der Deutschen Bank strebt bei den hauseigenen Strategiezertifikaten einen jährlichen Wertzuwachs von 10 bis 15 Prozent an.

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