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Vopos in Klopapier: Showdown am Checkpoint Charlie

Berlin (dpa) - Der Checkpoint Charlie, Berlins berühmter ehemaliger Grenzübergang zwischen Ost und West, ist zum Schauplatz einer hanebüchenen Posse geworden. Über Monate posierten falsche DDR-Volkspolizisten vor einem Nachbau der alliierten Kontrollbaracke. Für einen Euro konnten sich Touristen mit ihnen fotografieren lassen. Dann fand ein DDR-Opferverband so viel Ostalgie an einem Ort des Kalten Krieges nicht mehr lustig und protestierte.

Berlin (dpa) - Der Checkpoint Charlie, Berlins berühmter ehemaliger Grenzübergang zwischen Ost und West, ist zum Schauplatz einer hanebüchenen Posse geworden. Über Monate posierten falsche DDR-Volkspolizisten vor einem Nachbau der alliierten Kontrollbaracke. Für einen Euro konnten sich Touristen mit ihnen fotografieren lassen. Dann fand ein DDR-Opferverband so viel Ostalgie an einem Ort des Kalten Krieges nicht mehr lustig und protestierte.

Das benachbarte Mauermuseum zog mit, wandelte auf den Spuren des Verpackungskünstlers Christo und verhüllte die weiße Holzbude mit blauen, müllsackähnlichen Planen, um den angeblichen Missbrauch zu stören. Die falschen Soldaten konterten und wickelten sich in Klopapier.

Nun hat der Uniform-Streit eine neue Wendung genommen. Pünktlich zum D-Day haben die Männer ihr Kostüm gewechselt. Am Montag posiert das Duo immer noch als Alliierte in amerikanischer und britischer Uniform. «Soldat» Tom Luszeit, nach Selbstauskunft Schauspieler, hat für die Aktion des Mauermuseums kein Verständnis. «Das ist doch peinlich», sagt er und deutet auf den meterhohen Berg von Plastikplanen auf der Kontrollbaracke. In drei Sprachen erklärt das Mauermuseum dort, warum das Gebäude verhüllt ist: Das Symbol werde missbraucht, die Botschafter der früheren Alliierten seien informiert.

Die Touristen, die täglich in Busladungen zu dem ehemaligen Grenzübergang pilgern, sind verwirrt. «Ist das wegen des Irak-Kriegs?», fragt eine Besucherin aus Hongkong vor der verhüllten Bude. «Die Deutschen nehmen doch sowieso alles zu ernst», findet ein Tourist aus Irland. Die Souvenirhändler schauen dem Treiben belustigt zu. Noch hat sich niemand daran gestört, dass sie mitunter recht schräge DDR- und Sowjet-Devotionalien wie Grenzermützen, Gasmasken und Handschellen verkaufen.

Auf der anderen Straßenseite steht derweil die Anführerin im Uniform-Streit, die Chefin des Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt. Auch wenn sich die falschen Soldaten schon beim DDR-Opferverband entschuldigt haben, lässt sie nicht locker. Im vergangenen Jahr hatte Hildebrandt gegen Imbissbuden am Checkpoint gewettert. Nun findet sie es «unsensibel», sich dort in DDR-Unformen zu platzieren.

«Stellen Sie sich vor, jemand posiert in SS-Uniform vor der (früheren NS-Terrorzentrale) Topographie des Terrors», sagt sie. Am liebsten wäre ihr, dass niemand vor dem Checkpoint stehen darf, auch nicht als Alliierter verkleidet. Im Uniform-Krieg ist als noch keine Entspannung in Sicht.

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