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Vor 50 Jahren: Seelers Debüt in der Nationalelf

An Sepp Herbergers Einsatzbefehl erinnert sich Uwe Seeler noch heute: „Machen Sie sich fertig. Sie spielen jetzt.“

dpa HAMBURG. An Sepp Herbergers Einsatzbefehl erinnert sich Uwe Seeler noch heute: "Machen Sie sich fertig. Sie spielen jetzt."

Der 17-Jährige blickte den Bundestrainer kurz ungläubig an, dann schälte er sich in Windeseile aus dem Trainingsanzug und stürmte in der 22. Spielminute für den verletzten Berni Thermat aufs Feld. Vor 50 Jahren, am 16. Oktober 1954, gab der HSV-Mittelstürmer sein Debüt in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Die Partie gegen Frankreich in Hannover ging mit 1:3 verloren, aber "Uns Uwe", wie er später von jedermann genannt wurde, war der glücklichste Mensch auf dem Planeten.

"Das war ein großes Erlebnis", schwärmt der heute 67-Jährige, obwohl über die Hälfte jener Mannschaft, die wenige Wochen zuvor in der Schweiz den WM-Titel erobert hatte, fehlte. "Die lagen alle mit Gelbsucht flach", erinnert sich Seeler. Dennoch: Herberger sei mit ihm "hochzufrieden gewesen", und auch die Kritiken in den Zeitungen seien gut ausgefallen. "Aber ich hätte ein, zwei Tore machen können", bekennt der einstige Vollblutstürmer, korrigiert sich aber umgehend: "Ach was, vielleicht ganz gut, sonst wären die Bäume womöglich noch in den Himmel gewachsen." Seeler, wie er leibt und lebt: bescheiden und bodenständig.

Mit seinen 17 Jahren und elf Monaten war er der jüngste Debütant in der Nationalelf - und ist es bis heute geblieben. "Das macht mich einerseits stolz, stimmt mich andererseits aber auch traurig", sagt der Vizeweltmeister von 1966. "Wenn ich immer höre, die Jungen dürfen nicht verheizt werden - da lach' ich doch drüber. Das ist alles Quatsch. Die regenerieren viel schneller als die älteren. Die brauchen Bewährungsmöglichkeiten. Die müssen spielen, spielen..." Das sei heute nicht anders als früher.

Dem Nationalmannschaftsdebüt vor 50 Jahren folgten 71 weitere Länderspiele, in denen der dreimalige Fußballer des Jahres 43 Tore - ob sitzend, liegend oder mit dem Hinterkopf - erzielte. Mit 21 Spielen bei vier WM-Endrunden wurde der Hamburger Jung nur von Lothar Matthäus (25 Spiele) überflügelt. Als großes Plus zu Beginn seiner Karriere bezeichnete Seeler die Vaterfigur Jupp Posipal beim HSV. "Er hat auf mich aufgepasst. Deshalb habe ich damals wohl nicht so viele Fehler gemacht." Den jungen Himmelsstürmern von heute rät er, "ordentlich zu leben und den Hintern rechtzeitig ins Bett zu legen".

Als HSV-Dauerbrenner, der seinen Verein nie verließ, wird Seeler heute noch allerorten auf den Club mit der Raute angesprochen. "Aber ich bin nicht mehr nah genug dran. Eines ist aber sicher: Eine Weltstadt wie Hamburg mit einem tollen Stadion braucht einen Spitzenverein, der international spielt."

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