Vor allem das Innenraumkonzept überzeugt
Jetzt spielt Honda wieder Jazz

Auch bei Honda sollen die Uhren bald anders gehen. Der neben Toyota einzige noch unabhängige Autohersteller Japans will mit Minivans und Dieselmotoren besonders in Deutschland durchstarten

HB OFFENBACH. Was den hochrangigen VW-Manager besonders interessierte: die gescheite Gestaltung und Variabilität des Innenraums. Denn in dieser Beziehung hat VW bis heute nichts zu bieten - weder einen kompakten Minivan noch eine flexible Inneneinrichtung. Folglich schaut man sich bei den Herstellern um, die auf diesem Gebiet besonders fortschrittliche Ideen verwirklichen.

Die offeriert der Honda Jazz. Er steht hier zu Lande kurz vor der Markteinführung (19.1.02) und spielt mit 12 573 Euro in der Polo-Klasse. Doch soll der Jazz laut Honda selbst Vertreter der nächst höheren Klasse herausfordern.

Dieses selbstbewusste Auftreten basiert auf jenen Entwicklungsschwerpunkten, die in diesem Segment verkaufsentscheidend sein können. Gerade hier will Honda Maßstäbe setzen - etwa im Bereich der passiven Sicherheit. Hier soll der Kleinwagen im Euro-Crash-Test mit vier Sternen beim Insassen- und drei Sternen beim Fußgängerschutz glänzen. Damit würde er sich gleich an die Spitze der Klasse setzen - neben den VW Polo. Dies ist ein ambitioniertes Ziel, dessen Erreichen sich nicht zuletzt auf das größte Crash-Zentrum der Welt stützt, das Honda in Tochigi betreibt.

Bester seiner Klasse möchte der Honda Jazz in puncto Innenraumkonzept werden. Nicht nur beim Hüftabstand zwischen den vorn und den dahinter Sitzenden oder beim Kofferraumvolumen soll der kompakte Japaner sogar Fahrzeuge der nächst höheren Klasse hinter sich lassen. Zudem macht er bei der Variabilität weitere Pluspunkte. Das Umklappsystem der Rückbank (ein Handgriff, ein Hebel) hat sich Honda patentieren lassen. Und die Verlegung des Tanks unter die vorderen Sitze macht es möglich, dass die teilbare Rücksitzbank zusammengeklappt komplett im Wagenboden verschwindet - einschließlich der Kopfstützen.

Ganz eigene Wege geht Honda in der Motorenentwicklung. Der weltgrößte Triebwerkhersteller (2,7 Millionen Pkw und 5,1 Millionen Motorräder) hat sich auf diesem Gebiet hohes Ansehen erworben - nicht zuletzt durch seine starken Wurzeln im Rennsport. Dem allgemeinen Trend zum Benzin-Direkteinspritzer wird sich Honda jedenfalls nicht anschließen. Im Jazz wartet die japanische Nummer zwei mit einer neuen Motorkonstruktion auf, worin eine sequenzielle Doppelzündung zu besseren wirtschaftlichen Ergebnissen führen soll: 83 PS aus 1,4 Liter Hubraum bei einem Durchschnittsverbrauch von 5,7 l/100 km.

Benzin-Motoren haben in der noch jungen Geschichte der Fernost-Marke immer schon eine besondere Rolle gespielt. Die Defizite liegen dagegen im Angebot von Fahrzeugen mit Dieselantrieb. Da in Japan und in den USA, Hondas größten Absatzgebieten, Diesel-Pkw nach wie vor kein Thema sind, zögerten die Unternehmensplaner ein ums andere Mal den Eintritt in diese Technik hinaus.

Der erste Diesel-Motor von Honda

Um aber in Europa nicht an Bedeutung zu verlieren, steht jetzt eine Kurskorrektur ins Haus. Mit dem Civic CTDi stellt Honda Anfang 2002 seinen ersten Diesel-Pkw vor. Er leistet 100 PS. Die Basisentwicklung stammt vom japanischen Dieselspezialisten Isuzu. Erst im neuen Mittelklassewagen Accord, der 2003 erscheint, kommt ein Selbstzünder zum Einsatz, der nicht nur komplett in Honda-Eigenregie entwickelt wird, sondern auch den hohen Ansprüchen der Marke als größter Motorenhersteller entsprechen soll. In puncto Leistungsentfaltung und Laufkultur des ganz aus Aluminium gefertigten Vierzylinder-Direkteinspritzers (150 PS, 330Nm Drehmoment) hört man wahre Wunderdinge.

Speziell am neuen Accord will Honda den neuen Kurs der Marke auch optisch deutlich machen. Einst galt Honda als der BMW Japans. Unter dem Blech mag das noch stimmen, formal ging es mit der stolzen Marke stetig bergab. Auch der Jazz ist kein ausgesprochener Hingucker. Das aber soll der Accord werden, mit unverwechselbarem, sportlichen Markengesicht.

In Europa sieht der neben Toyota einzige unabhängige japanische Autohersteller offensichtlich noch Wachstumspotenzial. Mit neuen Modellen, Dieselmotoren und Schärfung des sportlichen Profils glauben die Asiaten, allein in Deutschland den Absatz von derzeit jährlich 32 000 Einheiten bis 2005 glatt verdreifachen zu können.

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