Vor allem die Pharmabranche besitzt interessante Übernahmekandidaten
Welche prominenten Unternehmen stehen auf der Einkaufsliste?

Weitaus weniger Übernahmeschlachten als im vergangenen Rekordjahr erwarten Mergers-and-Acquisitions-Experten für 2001. Doch obwohl in vielen Branchen die jüngsten Fusionen erst einmal verdaut werden müssen, stehen schon wieder prominente Kandidaten auf den Einkaufslisten der Konzerne.

Das Fusionskarussell verliert an Fahrt. Trieben im vergangenen Jahr die Übernahmen von Time Warner durch AOL und Mannesmann durch Vodafone das weltweite Fusionsvolumen auf ein Rekordniveau von 3,5 Bill. $, wird die Zahl der Verschmelzungen im laufenden Jahr weitaus geringer ausfallen. Nach Angaben von Thomson Financial summierten sich im ersten Quartal 2001 die weltweiten Übernahmen auf nur noch 499 Mrd. Euro. Im Vorjahresquartal war das Volumen mit 1,3 Bill. Euro noch 60 % höher ausgefallen. "Durch den Rückgang der Aktienmärkte funktioniert die Fusionswährung Aktie in den aktiven und vormals überbewerteten New-Economy-Branchen nicht mehr", skizziert Stephan Jansen vom Institute for Merger & Acquisitions an der Universität Witten/Herdecke die Lage. Hinzu komme die für 2002 geplante Unternehmenssteuerreform, die in Zukunft eine Steuerfreiheit des Veräußerers ermöglicht. Dies alles führe zu einer Beruhigung an der Fusionsfront.

Dass vielen Big Playern das Geld ausgegangen ist, zeigt mustergültig die Telekom-Branche. Die relativ kleine niederländische KPN, die insbesondere im Mobilfunkgeschäft an den Rand ihrer Finanzierungskapazitäten geraten ist, steht ebenso wie die US-amerikanische Sprint seit langem auf der Liste der zu übernehmenden Telekomfirmen. Beide Konzerne haben bereits gescheiterte Fusionen hinter sich, doch neue Kaufinteressenten sind rar geworden. Wegen hoher UMTS-Lizenzgebühren und eingebrochener Aktienkurse fehlt der Branche die notwendige Akquisitionswährung.

Pharma sucht Übernahmeinteressenten

Doch auch in der anderen Wirtschaftszweigen hat sich der Wille deutlich abgeschwächt, das Fusionstempo der vergangenen Jahre beizubehalten. Etwa in der Pharmabranche. Dabei ist dort die Liste möglicher Übernahmekandidaten beachtlich. Nicht nur die Frankfurter Asta Medica, die der Mutterkonzern Degussa bereits im vergangenen Jahr vergeblich zum Kauf anbot und inzwischen in drei verkaufsgerechte Sparten aufgeteilt hat, sucht händeringend Interessenten. Auch Schering gilt als Übernahmeziel - vor allem des Schweizer Arzneimittelriesen Roche. Mit einer Marktkapitalisierung von 11 Mrd. Euro gilt der Berliner Pharmakonzern, dessen Aktien breit gestreut sind, an der Börse als Schnäppchen.

Vom Erfolg neuer Produkte wird es abhängen, ob die Monheimer Schwarz Pharma ohne den Einstieg eines großen Partners am Markt bestehen kann. Eine feindliche Übernahme wird es allerdings nicht geben: 73 % der Aktien befinden sich im Besitz der Gründerfamilie. Selbst Pharma-Schwergewichte wie American Home Products, (AHP), der Fusionsabsichten bereits dreimal platzen ließ, und Bayer stehen Gerüchten zufolge auf den Einkaufslisten großer Wettbewerber. Vor feindlichen Übernahmen schützt den Leverkusener Konzern sein kompliziertes Firmengebilde aus Pharma und Chemie. Interessenten aus der Arzneimittelbranche müssten erst einmal das gesamte Konglomerat erwerben, um es anschließend aufzuteilen.

Ganz im Gegensatz zum Autozulieferer Continental. Als Nummer vier im internationalen Reifenmarkt hat sich der Hannoveraner Konzern zum begehrten Übernahmeziel entwickelt. Nicht nur der niedrige Aktienkurs lockt Firmenkäufer, der Konzern lässt sich darüber hinaus leicht zerschlagen. Continental besteht im wesentlichen nur aus einer Reifen- und einer Fahrwerksparte.

Automobil hat die attraktivsten Übernahmekandidaten

Die attraktivsten Übernahmekandidaten besitzt derzeit allerdings die Automobilbranche. Insbesondere die feinen, aber kleinen Nobelmarken Porsche und BMW geraten immer wieder ins Visier automobiler Großkonzerne. Der Druck auf die Eigentümerfamilien, die noch die entscheidenden Anteile an den beiden Autoschmieden halten, wächst. Auch Fiat Auto Spa. verliert womöglich seine Unabhängigkeit. Bereits jetzt besitzt General Motors ein Fünftel des Grundkapitals an der Pkw-Tochter des Fiat-Konzerns. Verhandlungen mit der Fiat-Eigentümerfamilie Agnelli könnten künftig zum Mehrheitserwerb führen. Nach den zahlreichen Verschmelzungen im Energie- und Versorgungsmarkt scheint die Fusionswelle in dieser Branche an Kraft zu verlieren. Zur Übernahme steht derzeit allerdings, nachdem die geplante Fusion mit dem Wettbewerber Iberdrola nicht zustande gekommen ist, die spanische Endesa. Auch in Großbritannien, wo die Liberalisierung die Gewinne der meisten Stromkonzerne aufgezehrt hat, könnten sich Europas Energieriesen demnächst noch einmal bedienen. Als Übernahmeopfer gilt vor allem der britische Energieversorger National Power.

Zerstreut haben sich indes Gerüchte, nach denen Europas zweitgrößter Einzelhandelskonzern, die Düsseldorfer Metro AG, in den Mehrheitsbesitz des US-Wettbewerbers Wal-Mart übergehen könnte. Dennoch erwarten Branchenkenner, dass sich der im Cash-and-Carry-Geschäft starke Handelskonzern von schwachen Unternehmenszweigen trennt, darunter den Praktiker-Baumärkten und Anteilen des Warenhausfilialisten Kaufhof.

Zum begehrten Übernahmekandidaten hat sich dagegen die Wünsche AG entwickelt. Die strategische Ausrichtung auf die Textilbranche ist es freilich nicht, was den Hamburger Beteiligungskonzern ins Rampenlicht gut verdienender Konzerne rückt. Eher schon ist es der Fiskus: Wünsche besitzt einen für Firmenaufkäufer attraktiven Verlustvortrag von über 360 Mill. DM.

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