Vor allem Filialgeschäft betroffen
Commerzbank: Erstmals betriebsbedingte Kündigungen

Die Commerzbank wird nach den Worten von Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller bei dem geplanten Abbau von rund 3400 Stellen nicht um betriebsbedingte Kündigungen herumkommen. Der größte Anteil des Personalabbaus betreffe dabei Mitarbeiter in Deutschland, sagte Müller am Dienstag vor der Presse in Frankfurt weiter.

ap FRANKFURT/MAIN. Die Commerzbank unterzieht sich einer Radikalkur und plant sogar Entlassungen. Vorstandschef Klaus-Peter Müller erläuterte am Dienstag in Frankfurt am Main die Rosskur für Deutschlands viertgrößtes Finanzhaus. Nun ist klar: 54 weitere Filialschließungen stehen an, und beim bereits am Montag angekündigten Abbau von 3400 Stellen wird die Bank laut Müller "erstmals nicht um betriebsbedingte Kündigungen herum kommen". An der Börse wurde die Bank belohnt: Die Aktie legte bis gegen 17.00 Uhr um 2,71 Prozent zu.

Der erst seit einigen Monaten amtierende Commerzbank-Chef demonstrierte zugleich Kampfeswillen und erklärte, mit Entschlackungskur, klarer geschäftlicher Ausrichtung, modernen Organisationsstrukturen und straffer Führung werde sich das Haus aus dem Tal hocharbeiten. Müller betonte, "in aller Sportlichkeit: Wir sind kämpferisch gestimmt". Allein im Juli und August 2001 hatte die Commerzbank Verluste von 120 Mill. Euro (240 Mill. Mark) eingefahren.

Der Stellenabbau werde vor allem Mitarbeiter im Privatkundengeschäft treffen, sagte der Commerzbank-Chef. Allein in den Filialen sollen 1100 Arbeitsplätze eingespart werden. Zusätzlich zu den bereits beschlossenen 150 Filialenzusammenlegungen sollen nun weitere 54 Standorte geschlossen werden. Müller erinnerte daran, dass der Vorstand bereits Anfang Juni wegen des zu starken Kostenauftriebs "auf die Bremse getreten" war und unter anderem mit einem Einstellungsstopp Einsparungen von 240 Millionen Euro für 2001 verfügt hatte.

Ver.di: "Kein brutaler Personalabbau"

Die Kostenoffensive führt laut Müller sowohl beim Sach- als auch beim Personalaufwand zu deutlichen Einschnitten: 110 Millionen Euro Entlastung bringt 2002 die Reduzierung der IT-Projekte, 100 Millionen Euro kommen aus Kürzungen des Kommunikationsbudgets. Die Senkung der Beratungskosten und anderer Ausgaben wie etwa Reisekosten machen noch einmal 150 Millionen Euro aus. Harte Linie fährt das Haus nun auch im Ausland: «Allen Einheiten außerhalb Europas, die unsere Ertragsvorgaben von zwölf bis 15 Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern verfehlen, droht nach angemessener - etwa einjähriger - Schonfrist Schließung oder Verkauf», sagte Müller. Auch Aufbauorganisation und strategische Ausrichtung werden geändert, unter anderem gibt es ab 1. Januar 2001 in Deutschland vier und in Europa zwei Regionalvorstände, und in den 16 Gebietsfilialen wird die Zahl der Leiter auf zwei reduziert.

Müller berichtete zudem über die Verhandlungen mit Dresdner und Deutscher Bank über eine mögliche Fusion der drei Hypothekentöchter: "Formal sollen Eurohyp und Rheinhyp auf die Deutsche Hypothekenbank verschmolzen werden, denn diese Dresdner-Bank-Tochter verfügt als einziges der drei Institute über eine Gemischtbank-Lizenz." Müller zeigte sich zuversichtlich, dass in den kommenden Wochen ein Ergebnis zu Stande komme.

Der Neuausrichtung der Commerzbank wird auch ihr Slogan "Die Bank an Ihrer Seite" zum Opfer fallen. Stattdessen lautet das Motto nun "Ideen nach vorn", um "Aktivität, Dynamik, Fortschritt und Kreativität der Commerzbank zu versinnbildlichen", wie Müller betonte. Kreativität wünschte sich der ver.di-Vertreter im Commerzbank-Aufsichtsrat, Uwe Foullong, auch in der Personalpolitik: "Statt einem brutalen Personalabbau erwarten wir, dass das Institut alles macht, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden."

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