Vor allem in ihrer Heimat Österreich ist die Nobelpreis-Trägerin umstritten
Elfriede Jelinek: Erbarmungslose Moralistin

In ihrer Heimat Österreich gilt Elfriede Jelinek als Skandal-Autorin. Die ehemalige Klosterschülerin liebt die Provokation. Als Studentin auf dem Wiener Konservatorium fand sie den Weg zur Literatur.

HB HAMBURG/WIEN. Krasse Bilder kennzeichnen Romane und Dramen der 57-Jährigen. Dabei beschäftigt sich die als "erbarmungslose Moralistin" bekannte Jelinek vor allem mit der sexuellen Ausbeutung der Frau. Immer wieder prangerte Jelinek, die zu den meist beachteten und gespielten deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen gehört, die "allgegenwärtigen männlichen Herrschafts- und Gewaltverhältnisse" in Ehe und Gesellschaft an.

Erste Schreibversuche unternahm sie nach einem Nervenzusammenbruch und dem Versuch, der mütterlichen Bevormundung zu entkommen. Jelinek wurde am 20. Oktober 1946 in Mürzzuschlag in der Steiermark geboren. In ihren Büchern ("Die Klavierspielerin", 1983) und Theaterstücken ("Raststätte oder sie machen's alle", 1994) scheut sie nicht vor Obszönitäten zurück. Ein umstrittener Bestseller wurde ihr Roman "Lust" (1989).

Mit ihrer Kritik an der angeblich geringen Bereitschaft ihrer Landsleute, sich ihrer Nazi-Vergangenheit zu stellen, wurde sie anfangs in Österreich ignoriert. Nach wachsender Anerkennung in Deutschland kamen auch die Kritiker in ihrer Heimat kaum noch an ihr vorbei. Nachdem die Autorin 1996 für ihre Stücke in Österreich wegen des dortigen geistigen Klimas ein Bühnenverbot verhängt hatte, werden inzwischen jedoch wieder Stücke von ihr gespielt. Das vom Regisseur Einar Schleef am Wiener Burgtheater uraufgeführte "Ein Sportstück" (1998) wurde in Österreich enthusiastisch gefeiert.

In Deutschland erhielt die Autorin zahlreiche Auszeichnungen: Die Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Bad Gandersheim (1978), den Kölner Heinrich-Böll-Preis (1986) und den Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum (1994). Die Zeitschrift "Theater heute" kürte sie 1996 zur Dramatikerin des Jahres - für ihre Rassismus-Schelte "Stecken, Stab und Stangl".

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